Viele ungenutzte Potenziale bei der Lagerwartung

Ausfallzeiten bei ihren Anlagen sind für Intralogistiker ein absolutes No-Go. Das geht aus der aktuellen Studie „Lager-Wartung: Zustand, Strategien, Potenziale“ des Instandhaltungsdienstleisters Telogs hervor.

15. September 2014
Jeder Ausfall in der Logistik verursacht Kosten. Wer in die Verfügbarkeit investiert, spart demnach langfristig (Mehrfachnennungen waren möglich).
Bild 1: Viele ungenutzte Potenziale bei der Lagerwartung (Jeder Ausfall in der Logistik verursacht Kosten. Wer in die Verfügbarkeit investiert, spart demnach langfristig (Mehrfachnennungen waren möglich).)

Mehr als 80 Prozent der rund 100 befragten Unternehmen räumen der Anlagenverfügbarkeit bei der Planung der Wartung die höchste Priorität ein. Zwischen dem Anspruch und der Wirklichkeit klafft jedoch eine Lücke: Denn mit dem technischen Zustand ihrer Lager- und Fördertechnik ist nur rund die Hälfte der Studienteilnehmer zufrieden – und lebt mit dem Risiko potenzieller Störfälle. Dabei ließe sich dieses durch vorausschauende Wartung und ein funktionierendes Ersatzteilmanagement deutlich reduzieren. Das größte Potenzial für mehr Zufriedenheit im Lager liegt laut der Studie in einer adäquaten Beratung durch das zuständige Instandhaltungsunternehmen.

Deutsche Logistikdienstleister und Unternehmen mit eigenem Lager räumen dem störungsfreien Betrieb der eigenen Logistikanlage mit 81 Prozent die höchste Priorität bei der Wartung ein. Für 55 Prozent ist auch der Service „sehr wichtig“, bei den Kosten sind es 35 Prozent. „Dieses Ergebnis zeigt, dass die Bedeutung von Wartung und Instandhaltung für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens in den Köpfen angekommen ist“, kommentiert Andreas Siede, Leiter Technischer Service bei Telogs. „Denn eine regelmäßige Wartung spart am Ende auch Kosten. Schließlich geht jeder Stillstand mit wirtschaftlichen Einbußen für den Anlagenbetreiber einher.“ Damit trägt eine effiziente Wartung von Logistikanlagen spürbar zur Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bei. Doch gerade hier sind noch nicht alle Potenziale ausgeschöpft: Laut der Studie des Instandhaltungsdienstleisters sind nur 16 Prozent der Befragten mit dem technischen Zustand ihrer Anlagen „sehr zufrieden“. Rund ein Drittel ist dagegen weniger zufrieden.

Unternehmen wünschen sich mehr Beratung

Ursache für die Unzufriedenheit ist aber nicht die Durchführung der Wartung: Wer den allgemeinen Zustand seiner Lager- und Fördertechnik bemängelt, fühlt sich meist schlecht beraten. Das geht aus den Zahlen zur Zufriedenheit mit der aktuellen Wartung hervor. Etwa 60 Prozent der Teilnehmer, die den technischen Zustand ihrer Anlagen für verbesserungswürdig halten, geben auch der Beratung und Betreuung sowie den Optimierungsvorschlägen durch den zuständigen Service-Dienstleister schlechte Noten. Mit der fachgerechten Durchführung der Wartung sind hingegen fast 90 Prozent der Befragten „zufrieden“ bis „sehr zufrieden“.

Auch die Faktoren Termin- und Ressourcenplanung sowie Termintreue liegen mit 73 bzw. 81 Prozent auf der Zufriedenheitsskala weit oben. „Diese Zusammenhänge zeigen, dass eine professionelle und termingerechte Durchführung allein für gute Wartung nicht ausreichend ist“, fasst Andreas Siede zusammen. „Gerade in unserer serviceorientierten Gesellschaft sind es oft auch so genannte weiche Faktoren, die am Ende den Ausschlag für die Kundenzufriedenheit geben.“

Viel hilft viel? – Strategien zur Lagerwartung

Bei der Durchführung der Wartung liegt es im Trend, verschiedene Lösungswege miteinander zu kombinieren. Das zeigt auch die Studie. Die meisten Befragten vertrauen auf die Kompetenz mehrerer Anbieter und machten bei der Frage nach der Organisation ihrer Lagerwartung bei mehr als einer Antwortmöglichkeit ein Kreuz. Das Ergebnis: 73 Prozent nehmen bei der Durchführung der Wartung Serviceleistungen des Herstellers in Anspruch. Auf eigene Ressourcen verlassen sich 67 Prozent, während 60 Prozent Wartungsleistungen durch externe Dienstleister vornehmen lassen. Alle drei Möglichkeiten der Wartung verbinden 22 Prozent der Teilnehmer. Weitere 20 Prozent verlassen sich auf die eigenen Mitarbeiter und den Service des Herstellers.

Aber auch externes Know-how ist gefragt: Ebenfalls 20 Prozent vergeben die gesamte Wartung ihrer Anlagen an Fremdanbieter. Dabei wissen nur 42 Prozent der Unternehmen, dass eine herstellerunabhängige Wartung innerhalb der Garantiezeit die Herstellerhaftung nicht einschränkt. Drittanbieter punkten vor allem durch Qualität und Fachwissen. Nach Meinung der Befragten verfügen sie ausnahmslos über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für eine effektive Wartung. Von den Studienteilnehmern, die eigene Ressourcen oder Leistungen des Herstellers in Anspruch nehmen, sind 86 Prozent von den Fähigkeiten des Wartungspersonals überzeugt.

Blick von außen erhöht Transparenz

Ein weiteres Plus bei der Wartung durch Fremdanbieter: Diese arbeiten nach Meinung der Befragten besonders transparent. 81 Prozent aller Studienteilnehmer erhalten eine detaillierte Auswertung der Wartungsarbeiten. Von den Unternehmen, die nur mit einem Drittanbieter zusammenarbeiten, sind es sogar 95 Prozent. „Das ist ein erfreuliches Ergebnis, denn eine genaue Auswertung der durchgeführten Maßnahmen ist vor allem mit Blick auf mögliche Verbesserungen im laufenden Betrieb wichtig“, erklärt Andreas Siede. Nur wer Probleme und Potenziale im Blick hat, kann daraus konkrete Optimierungsvorschläge und Maßnahmen ableiten. Eine genaue Evaluation hilft beispielsweise dabei, planbare Instandhaltungskosten nachzuhalten und die eigene Wartung individuell dem Alter und der Auslastung der Lager- und Fördertechnik anzupassen.

Solch ein strategisches Vorgehen ist bei vielen Unternehmen bereits anzutreffen: So haben 71 Prozent ihr Wartungskonzept dem Lebenszyklus ihrer Anlage angepasst und 77 Prozent kennen ihre planbaren Instandhaltungskosten. Auch vorausschauendes Handeln steht hoch im Kurs: 90 Prozent der Befragten halten präventive Reparaturen während der Wartung für wichtig. Weitere 73 Prozent verfügen über ein funktionierendes Ersatzteilmanagement. Damit erfüllen sie zwei zentrale Voraussetzungen, um die Verfügbarkeit und Lebensdauer ihrer Anlagen zu maximieren. Einziger Wermutstropfen: Nur neun Prozent der Befragten sind mit dem Ersatzteilangebot ihrer aktuellen Wartung „sehr zufrieden“.

Zuständigkeiten definieren – Beratung optimieren

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Qualität der Wartung ist die Koordination der Ansprechpartner. Denn klare Zuständigkeiten sorgen für kurze Reaktionszeiten und höchstmögliche Transparenz. Dennoch ist die Abstimmung mit ihren Service-Dienstleistern für einen Großteil der befragten Unternehmen aufwändig. 44 Prozent gaben an, bei der Wartung zwei bis drei Ansprechpartner koordinieren zu müssen, bei 15 Prozent sind es sogar vier oder mehr. Mit nur einem einzigen Ansprechpartner arbeiten 31 Prozent zusammen. Insgesamt zeichnet die Telogs-Studie aber ein größtenteils positives Bild vom Zustand der Lagerwartung in deutschen Unternehmen. Besonders bei der vorausschauenden Planung der Wartung sind diese bereits gut aufgestellt. Verbesserungspotenziale gibt es vor allem bei der Koordination und konkreten Umsetzung sowie der anschließenden Auswertung der Maßnahmen. Werden diese in Zukunft voll ausgeschöpft, können Logistikanlagen während der gesamten Lebensdauer maximale Leistung erbringen.