Viel Arbeit an der Akte

Netzbetrieb

Gelsenwasser Energienetze nutzt zur rechtsicheren Instandhaltung seiner Gasdruck Regel- und Messanlagen eine Software. Basis bildet die Anlagen-Dokumentation. Bei manchen Betreibern liegt hier noch einiges im Argen.

27. März 2013
Über 1.000 Gasdruck-Regel- und Messanlagen betreut das Unternehmen. Quelle: Gelsenwasser Energienetze GmbH
Bild 1: Viel Arbeit an der Akte (Über 1.000 Gasdruck-Regel- und Messanlagen betreut das Unternehmen. Quelle: Gelsenwasser Energienetze GmbH)

Das Energiewirtschaftsgesetz fordert für den Betrieb von Gas- und Stromversorgungsanlagen die Erfüllung personeller, wirtschaftlicher und technischer Maßnahmen, um eine sichere, möglichst preisgünstige und umweltverträgliche Energieversorgung zu gewährleisten.

Für Planung, Bau und Instandhaltung dieser Anlagen sind die Anforderungen in mehreren Regelwerken definiert. Diese stellen hinsichtlich der Dokumentation und Instandhaltung hohe Anforderungen an die Betreiber. Die Dokumentation muss während der gesamten Betriebszeit der Anlage vom Betreiber auf dem aktuellen Stand gehalten werden und jederzeit den verantwortlichen Mitarbeitern zur Verfügung stehen.

Gelsenwasser Energienetze zum Beispiel betreibt Gasverteilnetze in sieben Netzgebieten. Innerhalb der jeweiligen Gebiete stellen Service-Center den zuverlässigen Betrieb der Netze und Anlagen sicher. Um diesen hohen Anspruch tagtäglich zu gewährleisten, gleichzeitig aber auch ressourcen- und kostenbewusst zu agieren, entschieden sich die Verantwortlichen für die ›Zustandsorientierte Instandhaltung‹ aller Gasdruck Regel- und Messanlagen (GDRM).

Papierloses Arbeiten vor Ort

Dabei übernimmt das Softwaresystem ›K3V-Energiewirtschaft‹ die Dokumentation der Anlagen, die Planung, Steuerung und Überwachung der Termine sowie das Generieren und Archivieren der jeweiligen Instandhaltungsaufträge mit den spezifischen Prüfanweisungen streng nach DVGW-Regelwerken.

Die ›technischen Plätze‹ werden im SAP-PM Modul geführt und über eine Schnittstelle an das System übermittelt. Dieses übernimmt dann bis auf Sonderkundenebene alle weiteren Prozessschritte: Instandhaltungsplanung, Einsatzplanung, ausführen elektronischer Instandhaltungsaufträge, Archivierung der Protokolle und fortschreibende Dokumentation der Anlagen. Auch der Prüfgeräteeinsatz ist integriert.

Nach über zwei Jahren Praxis-Erfahrung mit dem System kann Omid Ravasani von Gelsenwasser Energienetze ein positives Resümee ziehen. Besonders das papierlose Arbeiten vor Ort sei eine erhebliche Erleichterung bei der Organisation des Tagesablaufes sowie der Maßnahmendurchführung und Maßnahmenprotokollierung.

Durch die softwaregesteuerte Abarbeitung der Instandhaltungsmaßnahmen wird die Qualitätssicherung sichergestellt. Dabei wird kein Arbeitsschritt, weder im Innendienst noch vor Ort an den Anlagen, mehrfach angepackt und/oder übertragen. Über K3V lassen sich die erforderlichen Maßnahmen klar vorgeben und zuordnen und die Ausführung und das Ergebnis der Arbeit als Protokoll zurückspielen. Somit ist die Anlagendokumentation kontinuierlich und lückenlos fortgeschrieben.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem System und der Betreuung durch das Serviceteam der B.I.K. Anlagentechnik wurde in Gelsenkirchen auch für den Bereich Stromversorgung die Fachschale Strom geordert.

Sicherstellung der Dokumentation

In der Praxis kommt es dabei auch immer wieder vor, dass die Dokumentation solcher Gasanlagen nicht den aktuellen Stand wiedergibt. Bei älteren Anlagen fehlt die Dokumentation teilweise komplett oder vorgenommene Änderungen sind nicht dokumentiert worden. Prüfzeugnisse von geänderten Bauteilen sind einfach ohne Bezug zur Gesamtanlage in der Akte abgeheftet. Dies hat meist zur Folge, dass die Lebensakte von Gasanlagen unübersichtlich wird und keinen schnellen und zielgenauen Zugriff auf Anlagenkomponenten zulässt.

Um hier gegenzusteuern, kann es sinnvoll sein, Sachkundige, moderne Dokumentationstechniken und leistungsfähige Software einzubeziehen. Solche Dienstleistungen zur Sicherstellung der geforderten Dokumentation von versorgungstechnischen Anlagen aus einer Hand bieten darauf spezialisierte Unternehmen an.

Die Komplettdienstleistung sollte beinhalten: Die Aufnahme sämtlicher Anlagen- und Bauteildaten durch Fachleute vor Ort in der Station, eine Überprüfung der elementaren Vorschriften der technischen Regelwerke und die Übergabe der Ergebnisse als Stationsbericht mit Fotos.

Zudem sollte die Prüfung der vorhandenen Unterlagen auf Vollständigkeit und sachliche Richtigkeit sowie die Erstellung der Bestandsdokumentation in digitaler gerichtssicherer Form erfolgen. Unter anderem gilt es, im Zuge der Anlagenaufnahme durch die Fachleute eine Beurteilung des Anlagen- und Gebäudezustandes durchzuführen. Gleichzeitig werden die elementaren Vorschriften der technischen Regelwerke in einem Stationsbericht dokumentiert, der die Fotodokumentation beinhaltet.

Schneller Zugriff

Die digitale Verfügbarkeit des ›Stationsordners‹ ist im Hinblick auf die sichere Archivierung und des schnellen Zugriffs auf die Dokumente Basis moderner Datenhaltung. Die kontrollierten und sortierten Inhalte des Stationsordners werden gescannt und als PDF-Dateien im System integriert. Die gesamte Dokumentenverwaltung erfolgt direkt über das im System integrierte Dokumentenmanagementsystem.

Eine leistungsstarke Software verfügt heute zudem über ein integriertes System zur Erstellung von Berichten. Wichtig ist die Möglichkeit, beliebige Listen aus allen verfügbaren Datenfeldern zu generieren und über das System ausgegeben zu können. Zudem ist der Export der erzeugten Listen in alle gängigen Datenformate wichtig.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013