Verfügbarkeit maximieren

In Mülheim an der Ruhr betreibt Turck ein Distributionszentrum, in dem Komponenten unterschiedlicher Hersteller eine intralogistische Einheit bilden. Unitechnik verantwortet den Service im Logistikzentrum. Zu den Leistungen gehören vorbeugende Wartungsmaßnahmen an Schaltschränken, Antrieben, Sensorik und Sicherheitstechnik.

08. Mai 2017
In Mülheim an der Ruhr betreibt Turck ein Distributionszentrum, in dem Komponenten unterschiedlicher Hersteller eine intralogistische Einheit bilden. Bild: Unitechnik
Bild 1: Verfügbarkeit maximieren (In Mülheim an der Ruhr betreibt Turck ein Distributionszentrum, in dem Komponenten unterschiedlicher Hersteller eine intralogistische Einheit bilden. Bild: Unitechnik)

Die Hans Turck GmbH & Co. KG mit Sitz in Mülheim an der Ruhr ist die weltweite Vertriebs- und Marketingzentrale der global agierenden Unternehmensgruppe Turck, eines Spezialisten für Industrieautomation. Industrielle Endkunden in Deutschland, Schweden und Frankreich, Distributoren, Großhändler sowie die ausländischen Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt werden vom dortigen Logistikzentrum aus beliefert. Als Startpunkt der Versorgungskette muss die Anlage jederzeit verfügbar sein. Garanten für einen störungsfreien Betrieb sind ein zuverlässiger Anlagenservice mit kurzen Reaktionszeiten und eine regelmäßige präventive Wartung von Elektronik und Mechanik.

Der Auftrag für Wartung und Service liegt bei Unitechnik. Der Systemintegrator hat bereits ein umfangreiches Retrofit an der Anlage vorgenommen und das Kleinteilelager um eine dritte Gasse erweitert. Mit der Strategie, regelmäßige Modernisierungen und klar fixierte Wartungs- und Serviceintervalle zu kombinieren, hat Turck unter anderem seine Kommissionierleistung seit 2010 um mehr als 60 Prozent gesteigert.

Der Automatisierungsmarkt verzeichnet weltweit ein starkes Wachstum. Als eines der führenden Unternehmen im Bereich Industrieautomation profitiert auch Turck von dieser Entwicklung: Im Geschäftsjahr 2015 knackte das Unternehmen erstmals die Umsatzmarke von 500 Millionen Euro und erzielte ein währungskursbereinigtes Wachstum von sechs Prozent. „Auch in den letzten fünf Jahren sind wir prozentual etwa in dieser Größenordnung gewachsen“, präzisiert Ulrich vom Bovert, Leiter Einkauf und Logistik bei Turck. Das kontinuierliche Wachstum spiegelt sich im europäischen Zentrallager in Mülheim an der Ruhr wider.

Immer wieder wurde die Logistikanlage erweitert, modernisiert und umgebaut. Was 1996 mit einem eingassigen automatischen Kleinteilelager (AKL) begann, ist heute zu einem Distributionszentrum mit Platz für 12.000 Behälter im AKL und weiteren 2.200 im manuellen Bereich geworden. Rund 100.000 Pakete werden pro Jahr vom Ruhrgebiet aus zu Kunden rund um den Globus verschickt. Um das wachsende Versandaufkommen zu bewältigen, implementierte Turck bereits 2001 eine zweite Lagergasse, die dritte kam 2013 dazu. Dass die Anlage während ihrer über 20-jährigen Betriebsdauer kontinuierlichen Veränderungen unterzogen wurde, macht sich an der Intralogistik bemerkbar. „Neben neuen Komponenten sind in unserem Lager auch noch einige ältere Fördertechnikteile zu finden. Dazu kommt, dass die Bestandteile der Intralogistik teilweise von unterschiedlichen Herstellern stammen“, erklärt Ulrich vom Bovert. „Das macht eine professionelle Wartung und Instandhaltung der Anlage so wichtig – und auch so komplex.“ 

Systemintegrator übernimmt die Wartung

Im besten Fall bilden alle Einzelkomponenten aus den unterschiedlichen Ausbaustufen der Anlage eine Einheit und interagieren störungsfrei. Nicht immer entsprachen die Abläufe bei Turck diesem Ideal. „Wir hatten zwar auch früher schon einen externen Dienstleister für Wartung und Instandhaltung. Mit der wachsenden Komplexität der Anlage wurde dieser Service unseren Anforderungen aber nicht mehr gerecht“, erinnert sich Ingo Frank, Verantwortlicher für die Anlagentechnik am Standort Mülheim. Ein großer Nachteil war beispielsweise die fehlende Möglichkeit einer Fernwartung. „Wegen jeder Kleinigkeit musste ein Techniker vor Ort sein. Bei einer Anfahrt von bis zu vier Stunden führte das manchmal zu längeren Ausfällen der Anlage“, so Ingo Frank. Im Zuge der umfassenden Modernisierung von Steuerungs- und Antriebstechnik sowie des Lagerverwaltungssystems im Jahr 2010 entschied sich Turck daher, auch beim Service neue Wege zu gehen

„Unitechnik hat bereits in der Ausschreibung für das Retrofit das beste logistische Konzept geliefert und auch in Sachen Service ein überzeugendes Angebot abgegeben“, sagt Ulrich vom Bovert. „Für uns war das die Optimalsituation: Unitechnik bietet uns alle Leistungen aus einer Hand und verfügt dabei über eine herstellerübergreifende Kompetenz bei Wartung und Instandhaltung.“ 

Präventiv gewartet

Der Serviceauftrag zielt darauf ab, dauerhaft eine hohe Verfügbarkeit der Anlage sicherzustellen und Instandhaltungsmaßnahmen präventiv auszuführen, anstatt mit Reparaturen auf bereits vorhandene Schäden zu reagieren. Dafür sorgen insgesamt elf Automatisierungsexperten in der Serviceabteilung von Unitechnik. Der Systemintegrator und Instandhaltungsdienstleister nimmt einmal im Jahr vorbeugende Wartungsmaßnahmen an der Steuerungstechnik vor. Dabei werden unter anderem Schaltschränke, Antriebe, Sensorik und Sicherheitstechnik auf Herz und Nieren geprüft. Die Mechanik – also Fördertechnik, Regalbediengeräte und Regalanlagen – begutachtet Unitechnik zusammen mit einem Kooperationspartner zweimal im Jahr.

Die höhere Frequenz hat den Hintergrund, dass mechanische Verschleißteile wie Riemen oder Rollen häufiger ausgewechselt werden müssen als Elektronikkomponenten. Außerdem erfolgen einmal jährlich die Anlagenprüfung gemäß Unfallverhütungsvorschrift (UVV) sowie die Prüfung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Um die Betriebsabläufe nicht zu stören, werden alle Wartungs- und Reparaturarbeiten außerhalb der Betriebszeiten umgesetzt. Zu den präventiven Maßnahmen gehört auch die Ersatzteilbeschaffung durch Unitechnik. Das ist eine Herausforderung, da einige Komponenten noch aus der Anfangszeit des Lagers stammen und daher relativ alt sind. „Es darf nicht passieren, dass Reparaturen unmöglich werden, weil die passenden Ersatzteile nicht mehr am Markt verfügbar sind“, erläutert Ulrich vom Bovert. Werden Komponenten abgekündigt, macht Unitechnik Vorschläge für Alternativen und prüft ihren Austausch oder einen Umbau der Intralogistik.

Direkter Draht zum Dienstleister

Ein Ausfall im Lager hat nicht nur Konsequenzen für Turck – im schlimmsten Fall sind auch die Abnehmer des Automatisierungsspezialisten betroffen. „Unsere Kunden in der Prozessindustrie betreiben Anlagen, die 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr laufen. Wenn dort ein benötigtes Ersatzteil von uns zu spät eintrifft, kommt es zu hohen Kosten durch Produktionsausfälle“, betont Ulrich vom Bovert. Wichtig für Turck ist daher ein Hotlinevertrag zu Automatisierungstechnik und IT. Im Störfall leistet Unitechnik dem Kunden sofortigen telefonischen Support. Viele kleinere Probleme lassen sich so bereits per Fernwartung beheben und Stillstände effektiv vermeiden. Dazu greift Unitechnik von außen auf die Intralogistik zu und gibt Anweisungen zur Fehlerbehebung.

Eine weitere Unterstützung bei der Fehlersuche bietet das Lagerverwaltungssystem UniWare. Die Software des Systemintegrators bildet den gesamten Materialfluss im Mülheimer Logistikzentrum ab. Dabei verfügt die Anlagenvisualisierung über eine Zoomfunktion, mit der sich jedes Detail bis auf die Sensorebene genau anzeigen lässt. Bei Problemen werden die betreffenden Komponenten in der Visualisierung rot gekennzeichnet und ermöglichen so eine präzise Lokalisierung der Fehlerquelle. Zusätzlich wurden die Lagermitarbeiter in Bezug auf die Anlage und mögliche Störquellen durch Unitechnik geschult, sodass sie kleinere Störungen eigenständig beheben können. Genügt das nicht und es ist doch ein Vor-Ort-Support erforderlich, entsendet Unitechnik binnen einer Frist von maximal zwei Stunden Servicetechniker nach Mülheim.

Investitionen zahlen sich aus

Für Turck haben sich die kontinuierlichen Investitionen in Ausbau und Instandhaltung der Logistikkapazitäten in Mülheim gelohnt. Während vor der Modernisierung und der Vergabe des Service an Unitechnik etwa 700 Positionen am Tag gepickt wurden, sind es heute bei gleicher Personalstärke rund 1.100. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 64 Prozent. Neben der erneuerten Anlagentechnik trägt auch die deutlich höhere Verfügbarkeit der Intralogistik zu dieser Leistungssteigerung bei. „Aufgrund von Störungen stand die Anlage früher etwa ein- bis zweimal im Monat für mehrere Stunden komplett still“, erinnert sich Ingo Frank.

Der letzte größere Ausfall ist mittlerweile aber so lange her, dass er sich kaum noch daran erinnern kann. „Wenn die Anlage heute einmal steht, dann sind das geplante Teilstillstände, zum Beispiel um kleinere elektronische Komponenten auszutauschen. Außerhalb der planmäßigen Wartungsarbeiten kommt aber auch das nur äußerst selten vor.“ Turck hat damit die idealen Voraussetzungen geschaffen, um seine ambitionierten Pläne für den Standort Mülheim weiter voranzutreiben. Ziel ist, im Zuge der europäischen Konsolidierungsstrategie künftig alle Kunden in Westeuropa direkt aus Mülheim zu beliefern.