Teilwartung ermöglicht

Arealnetz-Wartung

Die Instandhaltung firmeneigener Gasnetze ist für viele Industrieunternehmen Nebensache. Dass es sich lohnt, die vorhandene Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, zeigt der Pigment-Hersteller Kronos Titan im Werk Nordenham.

02. September 2013
Einen geplanten Anlagenstillstand bei Kronos Titan konnten die Instandhaltungsprofis von CeH4 Technologies dazu nutzen, die Gasversorgung zu überarbeiten. Quelle: CeH4 technologies
Bild 1: Teilwartung ermöglicht (Einen geplanten Anlagenstillstand bei Kronos Titan konnten die Instandhaltungsprofis von CeH4 Technologies dazu nutzen, die Gasversorgung zu überarbeiten. Quelle: CeH4 technologies)

Das Chemieunternehmen Kronos Titan hat sich vor einigen Jahren entschieden, das Gasnetz auf dem Firmengelände in Nordenham im Hinblick auf eine vereinfachte Instandhaltung zu modernisieren und die zugehörige Dokumentation zu vereinheitlichen. Auf dem Areal produziert die Firma seit 1969 Titanoxid-Weißpigment und Eisensulfate im Drei-Schicht-Betrieb. Um die hierfür benötigten Dampfkessel, Drehrohröfen und Trockner zu beheizen, fließt Erdgas durch das werkseigene Verteilnetz. Einzelne Produktionsbereiche haben einen Bedarf von rund 5000 m³ pro Stunde.

Optimierungsmöglichkeiten

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das betreffende System stetig erweitert und verschiedene Planungsabteilungen haben die Ausbauprojekte dokumentiert. Die Instandhaltung oblag mehreren Bereichsverantwortlichen. »Die Unterlagen für die verschiedenen lokalen Einheiten unseres Arealnetzes waren zwar vorhanden, uns fehlte aber ein Gesamtüberblick«, erinnert sich Daniel Jochens, der bei Kronos Titan mit dem Modernisierungsprojekt betraut war.

Die Verantwortlichen suchten deshalb nach Partnern für die Bestandsaufnahme, die Identifizierung von technischen und organisatorischen Optimierungsmöglichkeiten sowie für die Planung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen. Aufgrund einer Empfehlung entschied man sich für eine Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro nPlan und dem Anlagenbauer CeH4 Technologies aus Celle. Beide Firmen hatten zuvor schon mehrfach erfolgreich bei ähnlichen Projekten zusammengearbeitet. »Die Kombination aus nPlan als verantwortlichem Planungs- und Dokumentationsbüro und CeH4 Technologies als ausführendem Fachunternehmen erschien uns ideal, weil uns beide Firmen im Vorgespräch überzeugen konnten«, sagt Jochens.

Nachdem der Anlagenbauer die initiale Überprüfung der verschiedenen Regler und Rohrleitungen auf dem Gelände 2010 abgeschlossen hatte, startete das Ingenieurbüro im Folgejahr mit einer umfassenden Bestandsaufnahme. Dabei wurden sowohl Fließbilder der Gesamtanlage als auch Stücklisten der bis dahin verbauten Teile erstellt. Die historisch gewachsenen Leitungsverläufe zu erschließen und zu überblicken, war dabei eine besondere Herausforderung. Im Rahmen dieses Projekts erfolgte auch eine Bewertung der einzelnen Betriebsmittel, auf deren Basis die Planer Handlungsbedarfe identifizierten und entsprechende Empfehlungen aussprachen. Für alle Anlagenbereiche wurden zudem DVGW-konforme Dokumentationsordner erstellt.

»Auf der Grundlage dieser Ratschläge haben wir uns entschieden, einzelne Regelstrecken für die Versorgung verschiedener Produktionsbereiche zu erneuern. Bei einigen Absperrarmaturen war eine sichere Aussage zum gasdichten Abschluss nicht möglich, was die Wartung und Instandhaltung dieser Anlagenbereiche unnötig kompliziert machte«, berichtet Daniel Jochens. Denn wenn die einzelnen Einheiten nicht abgesperrt werden können, muss für bestimmte Arbeiten die komplette Fertigung ruhen.

Die Folge sind nicht nur größere Produktionsausfälle, sondern auch höhere Kosten für das Wartungspersonal, das in solchen Fällen oft am Wochenende oder nachts anrücken muss.

»Das bedeute aber, dass auch die Überarbeitung unserer Gasversorgung nur bei einem totalen Anlagenstillstand erfolgen konnte. Da Produktionsausfälle aber möglichst vermieden werden sollen, ist ein solches Ereignis natürlich selten.«, erklärt Daniel Jochens.

24-Stunden-Einsatz

Bei Kronos Titan gab es im Juni 2013 einen entsprechenden Termin. Der Versorger hat an diesem Tag die Gaslieferung wegen Umschlussarbeiten für 24 Stunden unterbrochen. Diesen Termin nutzte CeH4 Technologies, um die betroffenen Absperrarmaturen in den Versorgungsleitungen zu den einzelnen Regelleitungen zu erneuern. Vorher musste das Arealnetz aber noch entleert und gesichert werden. »Das Unternehmen musste ein sehr großes Arbeitspensum in einem engen Zeitfenster bewältigen. Die Mitarbeiter haben dabei nicht nur große Fachkompetenz, sondern auch außerordentliches Engagement bewiesen«, erklärt Jochens. Damit sämtliche vorgesehenen Umbauten erledigt werden konnten bevor das Gas wieder floss, war eine umfassende Planung notwendig.

Dank des 24-Stunden-Einsatzes lassen sich künftig Teilbereiche der Produktion zu Wartungs- und Instandhaltungszwecken von der Gasversorgung trennen. Diese Möglichkeit wird auch CeH4 Technologies nutzen, um das komplette Gasnetz demnächst auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Dabei achten die Instandhaltungsprofis darauf, dass anders als bisher für gleiche Anwendungen auch identische Komponenten verbaut werden. »Das erleichtert es, kritische Ersatzteile vorzuhalten, damit im Notfall schnell reagiert werden kann«, so Jochens.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013