Roboter krabbeln an einem Schiff entlang und zeigen dem Arbeiter mittels virtueller Realität ein feines Leck in der Schiffsaußenwand. Nicht nur bei der Wartung von Frachtschiffen könnte zukünftig noch mehr maschinelle Intelligenz zum Einsatz kommen. In der Arbeitswelt der Zukunft wird es immer mehr hybride Teams von Menschen und Maschinen geben. Doch wie können sie optimal zusammenarbeiten? Mit dieser Frage beschäftigen sich Informatiker und Wirtschaftspsychologen der Universität Trier unter anderem im Forschungsprojekt ›BugWright2‹. Ziel des europäischen Projekts, an dem 21 Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus zehn Ländern beteiligt sind, ist es, Roboter und Menschen für die Wartung von Frachtschiffen zu trainieren – unter anderem auch mit positiven Folgen für die Sicherheit und den Umweltschutz auf den Weltmeeren.

Virtual-Reality-Brille löst den Hammer ab

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»Viele Arbeiter haben Angst, durch die Maschinen ihre Jobs zu verlieren«, erklärt der Trierer Wirtschaftspsychologe Prof. Dr. Thomas Ellwart. »Doch es ist vielmehr eine Verlagerung der Arbeitstätigkeit, raus aus feuchten und kalten Wartungshallen in Büros mit modernster Technik. Die Virtual-Reality-Brille löst immer mehr den Hammer ab. Unbequeme Tätigkeiten werden von Maschinen übernommen. Der Mensch wird zum Koordinator.«

Auch sein Kollege, Informatik-Juniorprofessor Dr. Benjamin Weyers, sieht die neuen technischen Kollegen im Team als Chance. Er erforscht im Rahmen von ›BugWright2‹, wie die Darstellungen in der virtuellen Umgebung gestaltet sein müssen, damit die Nutzer damit optimal arbeiten können. »Es geht zum Beispiel darum, welche Farben verwendet oder wie groß einzelne Abschnitte des Schiffes dargestellt werden müssen.« Dabei kooperieren die Trierer Forscher eng mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Neben Tests im Computerlabor fragen die Wissenschaftler auch Arbeiter in den Trockendocks nach ihren Bedürfnissen und Erwartungen in Hinblick auf die virtuelle Darstellung.

Vertrauensverhältnis schaffen

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»Die Arbeiter müssen der Technik, mit der sie arbeiten, 100 Prozent vertrauen können«, erklärt Ellwart, »denn sie sind es, die am Ende unterschreiben, dass mit dem Frachtschiff alles in Ordnung ist. Wenn ein Schiff tausende Tonnen Öl verliert oder aufgrund eines nicht erkannten Problems sinkt, haften die Menschen und nicht die Maschinen.« Wie dieses Vertrauensverhältnis geschaffen und durch technische Merkmale gesteigert werden kann, ist ebenfalls Teil des Forschungsprojektes.

Besonders wichtig ist den Trierer Wissenschaftlern, den ganzheitlichen Ansatz ihrer Forschung zu betonen: Durch den Einsatz von Technik kann die Produktivität gesteigert werden, aber auch die Gesundheit und die Zufriedenheit der Arbeiter. Informatiker Weyers: »Oft wird nur geschaut, was technisch möglich ist, aber der menschliche Faktor wird dabei komplett vergessen. Genau diesen Fehler wollen wir in unserem Forschungsprojekt vermeiden.«