Strategisch säubern

Reinigung

Vier strategische Ansatzpunkte haben sich bei der Werksreinigung als besonders erfolgswirksam erwiesen: das Zeitkontingent rationell nutzen, Personalkompetenz sichern, bedarfsgerecht investieren und Prozesse verschlanken.

28. August 2014

Da das Gros der Reinigungskosten auf Hilfslöhne entfällt, hat der sparsame Umgang mit dem Input-Faktor Arbeitszeit höchste Priorität. Nachdrücklich empfiehlt sich ein detaillierter Personalzeit-Nachweis, der auf folgende Items abstellt:

- Ausführungszeit (Abarbeitung der Reinigungsfläche),

- Rüstzeiten (In- und Außerbetriebnahme des Equipments),

- Wegezeiten (Hin- und Rücktransfer von Gerät und Material),

- Beräumungszeiten (Versetzen von Inventar oder Lagergut),

- Magazinzeiten (Geräte-Wartung, Materialbestandspflege),

- Instruktionszeiten (Einsatzbesprechungen, Schulungen),

- Bürozeiten (administrative Funktionen für den Reinigungsdienst),

- sonstige Zeiten (Besorgungsfahrten, Fachmessebesuche).

Anhand der vier ersteren Zeitarten optimiert man einzelne Reinigungsmaßnahmen, während man über die vier letzteren die – als Kostenfaktoren vielfach unterschätzten – Sekundärfunktionen auf schlanke Linie trimmt. Die Analyse der Ursachen und Einflussgrößen des Zeitverbrauchs zeigt Ersparnispotenziale auf und liefert den Orientierungsrahmen für organisatorische, personelle und technische Verbesserungen, die oft kurzfristig und investitionsneutral zu realisieren sind. Für die aufwendigsten und hochfrequenten Reinigungsarbeiten sollte man Vorgabezeiten ermitteln und deren Einhaltung regelmäßig prüfen. Zudem ist es ratsam, die Mitarbeiter für das Thema Zeitersparnis zu sensibilisieren und das Vorschlagswesen sowie KVP-Projekte auf diesen Punkt zu konzentrieren.

Mit zunehmender Komplexität der Reinigungsaufgaben und dem Trend zum Job Enrichment (zum Beispiel Mitwirkung an der Maschinenpflege) steigt der personelle Anforderunsgrad. Bei der Mitarbeiterauswahl ist sowohl auf fachlich-praktische Fähigkeiten als auch mentale Disposition (Sorgfalt, Leistungsbereitschaft etc.) und Sozialverhalten (Umgangston, Hilfsbereitschaft etc.) zu achten.

Ein exzellenter Leistungsgrad setzt zudem systematische Personalförderung voraus:

- Praktisch-theoretische Einweisung/Einarbeitung von Neulingen,

- Stärkung des Verantwortungsgefühls durch ganzheitliche Arbeitspakete,

- Qualifizierung hinsichtlich neuer Objekte, Aufgaben und Technologien,

- Bereitstellen schriftlicher Instruktionen per Merkblätter und Infotafeln,

- Effizienzkontrollen durch Inspektion der Arbeitsabläufe und -ergebnisse,

- Schwachstellenbezogene Nachschulungen und Sonderinstruktionen,

- Funktionelle Ausgestaltung des Melde-, Berichts- und Vorschlagswesens,

- Entwicklung von Kollegialität und Teamgeist durch soziale Events,

- Honorierung von Spitzenleistungen und Verbesserungsvorschlägen.

Als grundlegendes Orientierungs- und Motivationsinstrument bewährt sich das Abteilungsleitbild. Thematische Schwerpunkte sind die Ziele der Werksreinigung sowie die produktiven Beiträge, die zur Realisierung des definierten Sauberkeitsgrads zu erbringen sind. Zudem werden Arbeitspensen, Leistungsanforderungen und Verhaltensregeln nachvollziehbar begründet – bester Nährboden für eine erfolgsorientierte Dienstleistermentalität.

Maschinelle Lösungen zielen auf Zeitersparnis, konstant hohes Qualitätsniveau und Entlastung der Mitarbeiter. Via Investitionsplanung ist das Equipment exakt dem betrieblichen Anforderungsprofil anzupassen, damit sowohl qualitative und quantitative Leistungsdefizite als auch Leerkosten durch unnötige Geräte-Features ausgeschlossen bleiben. Bewährte Kriterien zur Evaluierung von Reinigungsmaschinen sind:

- Einsatzspektrum (Welche Reinigungs- und Pflegemaßnahmen können abgedeckt werden?),

- Kapazität (Welches quantitative und qualitative Ergebnis wird pro Arbeitsstunde erbracht?),

- Funktionsprofil (Welche Verbundarbeiten erübrigen sich aufgrund von Spezifikation und Sonderzubehör?),

- Handling (Welche Ansprüche stellen Bedien- und Rüstfunktionen in technischer und personeller Hinsicht?),

- Verbrauchsdaten (Welcher Einsatz an Verschleißmaterial, Reinigungsmitteln, Energie, Wasser ist erforderlich?),

- Emissionsverhalten (Bestehen Beeinträchtigungen durch Geräusche, mechanische Schwingungen, Abgase?),

- Servicebedarf (Welche Wartungsmaßnahmen, Verschleißreparaturen und Nachrüstungen fallen an?).

Für den Vergleich verschiedener Modelle lässt sich dieser Katalog in ein differenziertes Scoring-Tableau umformen, das den Prüfpunkten Gewichtungsfaktoren zuweist und die jeweilige Performance anhand einer Punkteskala (zum Beispiel 1 bis 5) bewertet. Der Gerätetest im Reinigungsrevier erlaubt dann ein fundiertes Benchmarking, um das technologische Optimum herauszufiltern. Konsequente Produktivitätsverbesserung bedeutet letztlich Fine-Tuning jedes einzelnen Reinigungsvorgangs, von einfachen manuellen Arbeiten mit Tuch und Sprayer bis zum Einsatz von Scheuer-Saug-Fahrzeugen oder Cleaning-in-Place-Systemen. Nach Maßgabe des Kostenminimums sind per praktischer Verprobung die Prozessparameter exakt auf den Bedarfsfall abzustimmen, wie er durch Reinigungsobjekt und Verschmutzung charakterisiert ist. Bei maschinellen Verfahren handelt es sich um folgende Optimierungsgrößen (die Klammerzusätze beziehen sich auf die Hochdruckreinigung):

- Geräte-Einstelldaten (Betriebsdruck, Wassermenge),

- Zusatzausrüstung (Bodenstrahlrohr, Waschbürste),

- Reinigungsmittel (chemische Spezifikation, Dosierung),

- Arbeitsschritte (Vorsprühen von Konzentraten),

- Handhabungstechnik (Spritzabstand, Lanzenführung),

- Verbundarbeiten (Versetzen von Inventarstücken).

Alle Prozessdaten gehen in die Arbeitsbeschreibungen ein und werden per Schulung am Objekt dem Kolonnenpersonal vermittelt. Regelmäßige Audits sichern die Umsetzung im Betriebsalltag.

www.karcher.de

Erschienen in Ausgabe: 02/2014