Smart und effizient

Management

Remote Maintenance - Ein Beispiel von GiS und Bitnamic verdeutlicht, welche Vorteile die Verknüpfung von Enterprise-Asset-Management- und Remote-Maintenance-Systemen für Wartung und Instandhaltung liefert.

07. September 2016

Der globale Markt und die zunehmende Komplexität von Maschinen, Anlagen und Investitionsgütern stellen Unternehmen vor große Herausforderungen, denn Stillstandzeiten, egal in welchem Industriezweig, vereiteln die Wertschöpfung.Der Kompressorenhersteller Kaeser etwa rechnet bei vielen Kunden nach Kubikmetern erzeugter Druckluft ab. Fällt ein Gerät aus, heißt das Produktionsausfall. Es liegt also im Interesse des Herstellers und Kunden, Störungen schnell und kompetent, je nach Service Level Agreement und Kritikalität, zu beheben oder diese im besten Falle mittels präventiver und voraussagender Instandhaltung (Predictive Maintenance) zu vermeiden. Hier sind Experten gefragt, die Schadensbilder und Produktivdaten bewerten, um die richtigen Maßnahmen einleiten zu können. Weltweit agierende Firmen stationieren daher Mitarbeiter in ausländischen Standorten oder lassen Experten anreisen. Dies bringt einige Nachteile mit sich. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist abhängig von Faktoren wie Entfernung, Einreisebestimmungen oder Verfügbarkeit. Durch das Einfliegen oder Stationieren von Experten entstehen hohe Kosten. Die tatsächliche Notwendigkeit eines Experten ist unklar. Die asynchrone Kommunikation zwischen Technikern vor Ort und Experten in der Ferne birgt das Risiko von Missverständnissen und Verzögerungen (zum Beispiel sprachlich oder durch verschiedene Zeitzonen bedingt).

Fehlereingrenzung

Optimale Fehlereingrenzung und Behebungsanweisung erfordern die Betrachtung aller relevanten Informationen zum betroffenen Bauteil. Enterprise-Asset-Management-Lösungen halten im Idealfall entsprechende Informationen zu den folgenden Fragen vor: Welche Service Requests/Tickets sind gegenwärtig offen? Welche Störungen wurden in der Vergangenheit bearbeitet? Was war die Ursache für diese Störung? Wie wurde die Störung behoben? Muss die Reparatur vom Hersteller durchgeführt werden? Folgende Anforderungen ergeben sich daraus für eine holistische, technologisch innovative Service-Lösung, die Wartungsprozesse im Sinne der Industrie 4.0 effizient unterstützt:

- Audio- und Videoübertragung in Echtzeit,

- Erstellen von Einzelbildern aus dem Video

- Dokumentation von Service-Sitzungen in Bild und Ton

- Unterstützung von Commercial-off-the-shelf-Hardware (Smartphones, Tablets, Laptops, PCs, Datenbrillen, hochauflösende Mini-Kameras)

- browserbasiert

- Fernsteuerung von Messinstrumenten oder angeschlossenen Diagnose-PCs

- Service-Sitzungen mit mehreren Teilnehmern

- Austausch von Dateien und Dokumenten (Konfigurationsdateien, Manuals, Stücklisten, Job Plans, CAD-Zeichnungen)

- Zugriff auf alle relevanten Daten inklusive historischer Daten

- vorausschauende Analyse der Fehlereintrittswahrscheinlichkeit inklusive autonomer Meldung an den Experten

- gegebenenfalls Integration von ERP-Systemen zum Beispiel zum Abgleich von Verfügbarkeiten von Ressourcen

- Kooperation von EAM und Remote-Communication

In diesem Bezugsrahmen entwickeln das Technologieunternehmen Bitnamic und das Beratungs- und Systemhaus GiS Gesellschaft für integrierte Systemplanung eine ganzheitliche Service-Lösung, die sämtliche oben genannten Facetten der Instandhaltung berücksichtigt.

Interaktives Echtzeit-Video

Bitnamics Remote-Maintenance-Lösung VIOS befähigt zentral agierende Experten dazu, geografisch entfernte Servicetechniker oder Kunden über ein interaktives Echtzeit-Video sachkundig zu bedienen. Dies geschieht ohne Zeitverzögerung und unter Einbeziehung aller relevanter Daten. Dabei können beliebige mobile Geräte, Laptops oder gar Datenbrillen eingesetzt werden. Einzige Voraussetzung ist eine Internetverbindung. Die verfügbare Bandbreite steuert VIOS so effizient, dass auch unter schlechten Netzbedingungen eine Verbindung aufrechterhalten wird. Zu einer interaktiven Videokonferenz können bei Bedarf zusätzliche Experten ad hoc hinzugefügt werden. Während der Sitzung ist der Zugriff auf Messgeräte oder Diagnose-PCs möglich. Aus dem laufenden Videobild lassen sich Momentaufnahmen erstellen, die in einem integrierten Whiteboard bearbeitet werden können. Weitere Dokumente wie PDFs oder Konfigurationsdateien können durch das System ausgetauscht werden. Historische Daten, Dokumentationen, Schadenfotos, Reparaturanweisungen, Kalibrierwerte und alle weiteren technisch relevanten Daten erhält der Experte direkt aus dem Instandhaltungsmanagementsystem der GiS.

Positive Effekte

Der Einsatz der modernen Remote-Maintenance-Lösung VIOS in Kombination mit Lösungen wie Enterprise-Asset-Management-Systemen oder zusätzlichen Systemen wie SCADA, SAP oder BDE liefert ein umfassendes Bild der Situation. Experten erhalten audiovisuell und datenbasiert konkrete Zustandsbeschreibungen, die Techniker vor Ort präzise und direkte Handlungsanweisungen. Ein positiver Nebeneffekt ergibt sich aus der Dokumentation der durchgeführten Tätigkeiten. Durch den Einsatz des Remote-Maintenance-Systems können Aufzeichnungen, Artefakte, Bilder und Ist-Daten in die Dokumentationshistorie zurückfließen. Auf diese Daten kann bei späteren Wartungsarbeiten zurückgegriffen und Aufzeichnungen als Anleitungen verwendet werden. Dies ist ein wichtiger Aspekt für Anlagenhersteller, zum Beispiel bei der Übergabe oder im After Sales Service von Anlagen in weit entfernte Regionen. Durch die gewonnenen Erkenntnisse, dokumentiert als Fehlerursachen-Analysen in der Wissensdatenbank, lassen sich Anlagen und Wartungspläne kontinuierlich optimieren.

Garantiefälle können gleichsam vor Ort aus der Ferne geklärt werden. In gesundheitsgefährdenden Bereichen oder begeh- oder befahrbaren Behältern in Großanlagen lässt sich die Anzahl der gefährdeten Personen minimieren. Die Verteilung und Nutzung der Expertise von Drittanbietern ist ein weiterer Vorteil. Hersteller können ohne großen technischen und betriebswirtschaftlichen Aufwand Experten verschiedener Disziplinen hinzuziehen. Künftig stehen besonders die Datenbrillen weiter im Fokus. Das Einblenden von relevanten Informationen per ›Augmented Reality‹ soll zur weiteren Effizienzsteigerung beim Service führen. Auch kann Predictive Maintenance global und unabhängig von Ausgangs- und Zielort realisiert werden.

Erschienen in Ausgabe: 02/2016