Smart Maintenance als Jobmotor der Zukunft

Die ‚POSITION Smart Maintenance‘ von Acatech empfiehlt eine stärkere Forschungsförderung für die intelligente Instandhaltung und die Einrichtung eines Implementierungsrats für gemeinsame Vorhaben von Wissenschaft und Wirtschaft.

09. November 2015

Jeder Euro, der in die Instandhaltung investiert wird, vermeidet Folgekosten durch Unfälle oder Störungen von drei bis fünf Euro. Dieser Faktor dürfte in Zukunft noch steigen: Die Herstellung maßgeschneiderter Lösungen für individuelle Kunden – eines der zentralen Versprechen der Industrie 4.0 – macht die Produktion der Zukunft deutlicher komplexer und damit wartungsintensiver. Die Anzahl der Komponenten wächst rasch. Die Digitalisierung und Vernetzung der Industrie schafft weitere mögliche Störfaktoren. Um diese steigende Komplexität zu bändigen, müssen auch Wartung und Reparatur modernisiert werden.

„Das Konzept der Industrie 4.0 lässt sich nur mit einer intelligenten und vernetzten Instandhaltung umsetzen“, erläutert Axel Kuhn vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik bei der Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. „Smart Maintenance ist ein Enabler für die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft. Nur eine intelligente Instandhaltung macht die Komplexität in der Fabrik der Zukunft beherrschbar und schafft hochwertige Arbeitsplätze.“ Smart Maintenance ist damit der Schlüssel für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, erklärt der zweite Projektleiter Michael Henke, Institutsleiter am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik ist. „Die Vision der Smart Factory, die ja im Kern der Industrie 4.0 steht, lässt sich ohne eine zu einer Smart Maintenance weiterentwickelten Instandhaltung nicht realisieren.“

Sichere Arbeitsplätze: “Maintained in Germany“

Bereits 2013 kamen die Oxford-Forscher Carl Benedikt Frey und Michael Osborne zum Schluss, dass rund die Hälfte aller Arbeitsstellen in den USA automatisiert werden könnten. Störungen hingegen lassen sich nicht von Automaten beheben – hier bleiben menschliche Expertise und Kreativität unverzichtbar. Dabei verändern sich jedoch die Anforderungen. Statt körperlicher Arbeit werden IT-basierte und planende Tätigkeiten wichtiger. Vielleicht könnte man noch den zweiten Projektleiter, Prof. Michael Henke, zitieren: „Die Vision der Smart Factory, die ja im Kern der Industrie 4.0 steht, lässt sich ohne eine zu einer Smart Maintenance weiterentwickelten Instandhaltung nicht realisieren“. Damit wird Smart Maintenance auch für ältere Arbeiternehmer attraktiver.

Kunden erwarten neben hochwertigen Produkten ‚Made in Germany‘ zusehends auch erstklassige Dienstleistungs- und Servicepakete. Die Umstellung lohnt sich: Die Gewinnspanne bei Maschinen und Anlagen liegt bei zwei bis drei Prozent. Dienstleistungen nach Verkauf der Maschinen und Anlagen erwirtschaften hingegen Überschüsse von zwanzig Prozent und mehr. Das Label ‚Maintained in Germany‘ könnte in Zukunft für ein neues Qualitätsversprechen und einen internationalen Wettbewerbsvorteil stehen.

Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Verbände

Acatech formuliert zehn Empfehlungen für Politik, Wirtschaft, Industrie, Verbände und Institutionen. Unter anderem sollte Smart Maintenance in der staatlichen Forschungsförderung stärker berücksichtigt und in die Hightech-Strategie der Bundesregierung integriert werden. Näher erforscht werden muss beispielsweise die Analyse knapper und schlecht vergleichbarer Daten. Ein zu schaffender Implementierungsrat aus Forschern und Industrievertretern sollte die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft vorantreiben.

Die Instandhaltung wird zur Smart Maintenance der Industrie 4.0 auf Basis von Daten. Rechtssicherheit ist dabei eine Grundvoraussetzung: Industrie- und Kundendaten müssen vor Missbrauch und Diebstahl geschützt werden. Auch brauchen Unternehmen eine Rechtsgrundlage, um Daten speichern und verarbeiten zu können. In firmenübergreifender Kooperation sollten Standards für IKT-Prozesse entwickelt und harmonisiert werden. Die technischen Komponenten der Instandhaltung müssen verstärkt genormt werden. Gefragt sind Unternehmen und Verbände auch bei der Schulung von Fach- und Führungskräfte. Noch fehlen bedarfsgerechte Qualifikationsmodelle.