Pionierarbeit geleistet

Management

Industrie 4.0 - Mit seiner ›Initiative Industrie 4.0‹ begleitet der Wirtschaftsverband für Industrieservice WVIS seit Längerem verschiedene Mitgliedsunternehmen bei ihren erfolgreichen Geschäftsmodellen für Industrie 4.0.

07. September 2016

Industriebetrieben wie Industrieservice-Dienstleistern fehlen die Geschäftsmodelle für Industrie 4.0. Das ist ein Ergebnis der Studie »Industrie 4.0«, vor Kurzem vorgestellt von der Acatech Deutsche Akademie für Technikwissenschaften mit Sitz in München. Das Ergebnis mag für einige Bereiche der Industrie stimmen, global ist es dagegen nicht zu halten. Denn die Mitgliedsunternehmen des Wirtschaftsverbands für Industrieservice WVIS erarbeiten seit Längerem genau solche Geschäftsmodelle, und sie werden bereits erfolgreich genutzt.

Die gefühlte Leerstelle, dass im Kontext von Industrie 4.0 digitale Geschäftsmodelle fehlen, ist laut Studie einer von insgesamt drei genannten Bausteinen, die das Vorankommen von Industrie 4.0 in Deutschland derzeit noch bremsen. Als weitere Bremsschuhe wurden von den Studien-Teilnehmern Pioniergeist und Zugang zu Kapital genannt. Während Pioniergeist vor allem in den Unternehmen selbst zu suchen wäre, ist die Frage des Kapitals eine, die Banken, Investoren oder die Phantasie lösen können – Letztere, indem sich beispielsweise Konzepte adaptiert, die es bereits gibt.

»In unserer ›Initiative Industrie 4.0‹ begleiten wir seit Längerem Geschäftsmodelle mit Win-win-Charakter«, berichtet Dr. Reinhard Maaß, Geschäftsführer des WVIS. »Die verschiedenen Leuchtturm-Projekte von Mitgliedsunternehmen unseres Verbandes zeigen, wie diese Geschäftsmodelle in der Praxis funktionieren und wie sie für alle Seiten gewinnbringend genutzt werden können«, verweist Maaß auf erfolgreiche Pionierarbeit seiner Verbandsmitglieder.

Möglichkeiten im Bereich 3D-Druck

So hat beispielsweise die ETABO Energietechnik und Anlagenservice mit dem Projekt Etabo 4.0 den Bereich 3D-Druck aufgegriffen. Um seine Möglichkeiten auszuloten, hat das Unternehmen die Aufgabe an ein Team aus Mitarbeitern unter 30 Jahren übertragen, darunter Auszubildende, angehende Techniker und fertige Ingenieure. Gemeinsam haben die jungen Leute das Thema generativer Fertigungsverfahren aufgegriffen und gelöst: Binnen weniger Monate waren sie in der Lage, reale Bauteile mit Hilfe des eigens angeschafften 3D-Druckers zu produzieren.

Ihr Fertigungslabor wäre auch im Industriealltag einsatzfähig und zeigt, dass bereits in sehr kurzen Zeitfenstern erfolgreiche Geschäftsmodelle marktreif ausentwickelt werden können. Zudem schlug ETABO mit der Initiative drei Fliegen mit einer Klappe: Der Projekterfolg beantwortet die Frage, wie die Anforderungen von Industrie 4.0 gemeistert werden können, er liefert Perspektiven für die Überwindung des Fachkräftemangels und schafft Beschäftigungsperspektiven für die Generation Z.

Ein anders Feld hat Bilfinger Maintenance gewählt. Der Industrieservice-Dienstleister hat seit Anfang 2015 eine speziell entwickelte App für Smartphones und Tablet-Computer eingeführt, mit der sich Instandhaltungsarbeiten auch von unterwegs und onsite dokumentieren lassen. Die mobile Lösung erhöht die Qualität der Dokumentation und zugleich stellt sie sicher, dass Arbeiten auch vereinbarungsgemäß ausgeführt werden.

Signifikante Effizienzsteigerung

Der Einsatz der App lohnt sich nachweislich. Bilfinger Maintenance erzielt mit ihr für seine Kunden signifikante Effizienzsteigerungen. Beispielhaft sei der Energieversorger Fortum genannt, dessen 125 Kraftwerke Bilfinger Maintenance seit 2014 wartet und instand hält.

Auch im Bereich der Reinigung sind Mitglieder des WVIS mit innovativen Geschäftsmodellen für Industrie 4.0 erfolgreich. So hat der Reinigungsspezialist Lobbe in Zusammenarbeit mit Kunden ein ferngesteuertes Reinigungssystem für Wärmetauscher in der Industrie entwickelt und setzt es erfolgreich ein.

Ein Schlüssel war, bestehende Komponenten zu einem neuen und vor allem funktionsfähigen Ganzen zusammenzufügen – in diesem Fall zu einer Fernsteuerung, mit der Hochdruck-Wasserlanzen computerunterstützt bis auf den Zehntelmillimeter genau an die jeweils zu reinigenden Bauteile gefahren werden und zuverlässig jedes einzelne Rohr der Wärmetauscher spülen. Dass die Reinigungsergebnisse zudem besser ausfallen als vor dem Einsatz der innovativen Lösung schafft einen wesentlichen Mehrwert für die Kunden und erhöht hierdurch den Wert des Dienstleisters.

»Neuerungen brauchen Pioniere, Investitionsbereitschaft und Geschäftsmodelle. Für all diese Punkte engagiert sich der WVIS als Verband der Industrieservice-Anbieter«, sagt WVIS-Geschäftsführer Maaß. Die Unternehmen im Verband selbst engagierten sich intensiv, oft allerdings unterhalb des Radars öffentlicher Wahrnehmung.

»Industrieservice-Dienstleister haben in den vergangenen Jahren im Bereich Industrie 4.0 vielfältige Kompetenzen aufgebaut. Diese Kompetenzen wahrzunehmen und zu nutzen, kann den Standort Deutschland signifikant beflügeln und Industrieunternehmen die notwendigen Zukunftsperspektiven bieten«, wirbt Maaß für mehr Vertrauen in die Chancen von Industrie 4.0. Wirkungsvolle Geschäftsmodelle im Industrieservice sind schließlich existent und ebenso die Kompetenz, zügig weitere und individualisierte Modelle zu entwickeln.

Erschienen in Ausgabe: 02/2016