»Ohne Mehrkosten hat der Kunde einen Vorteil bei der Wartung.«

QR-Codes

Jörg Friese, Geschäftsführer der Wisag Automatisierungstechnik, verdeutlicht im Interview, welche Vorteile QR-Codes auf Feldgeräten bieten und welchen Nutzen sie bei der Wartung bringen.

28. August 2014
Jörg Friese studierte Automatisierungstechnik in Bochum und arbeitete anschließend in den Bereichen Kommunikationstechnik, Gebäudeautomatisierung und Sicherheitstechnik. Seit 2008 ist er Geschäftsführer der Wisag Automatisierungstechnik.
Bild 1: »Ohne Mehrkosten hat der Kunde einen Vorteil bei der Wartung.« (Jörg Friese studierte Automatisierungstechnik in Bochum und arbeitete anschließend in den Bereichen Kommunikationstechnik, Gebäudeautomatisierung und Sicherheitstechnik. Seit 2008 ist er Geschäftsführer der Wisag Automatisierungstechnik. )

Wenn wir im Rahmen von Projekten arbeiten, beschriften wir heute die Feldgeräte, wenn es geht, direkt mit einem QR-Code. Dieser gibt später Auskunft über die Daten der Feldgeräte. Zu diesen Daten zählen der Gerätetyp, der Hersteller, auch die Kabelnummer und vielleicht noch kundenspezifische Angaben. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass wir bei späteren Wartungen an den einzelnen Feldgeräten die elektronischen Daten mit einem Laserscanner erfassen können. Auch Wartungszyklen lassen sich so erfassen. Zudem ergibt sich daraus ein Nachweis über die erbrachte Wartungsleistung. Wenn die Daten einmal elektronisch vorliegen, lassen sie sich leicht weiterverarbeiten und beispielsweise an Instandhaltungsdatenbanken anbinden.

Gibt es bei den Feldgeräten irgendwelche Einschränkungen

Nein, eigentlich nicht. Es ist so, dass wir an jedes Feldgerät sowieso immer ein Schild anbringen. Klassischerweise handelt es sich dabei um feste Resopal-Schilder. Dadurch ist immer eine Eineindeutigkeit des Feldgeräts gewährleistet. Das, was wir jetzt machen, ist, dass wir zusätzlich zu den Klartext-Adressen einen QR-Code aufbringen, damit die Daten elektronisch eingelesen werden können. Das lässt sich heute technisch relativ einfach umsetzen. Wir sind viel in der Gebäudeautomatisierung tätig. Im Bereich Heizung-Klima-Lüftung kann man heute standardmäßig mit jedem Smartphone eine Laserscanner-Applikation nutzen und so das Schild einlesen. So sind dann alle Informationen über dieses Feldgerät verfügbar.

In welchen Industriezweigen hat die Wisag QR-Codes schon eingeführt?Innerhalb der

Gebäudeautomatisierung sind wir in allen Bereichen der Industrie tätig, dort eben speziell in den Heizungs,- Klima und Lüftungsanlagen. Wir müssen mit dem Kunden vorab klären, ob er eine solche Art der Feldgerätbezeichnung haben möchte oder nicht. Ohne Mehrkosten hat der Kunde durch das Aufbringen des QR-Codes einen Vorteil in der Wartungsstruktur.

Gibt es denn Vorbehalte bei Kunden?

Ja, zum Beispiel wenn sie eigene Planer haben, die an einer bestimmten Struktur oder an speziellen Schildern festhalten wollen und den Mehrwert nicht sehen. Es wird also nicht standardmäßig von uns überall gemacht. Wer es nutzt, hat den Vorteil, dass er den Lebenszyklus des Gebäudes oder der Anlage sieht und hinterher auch die Wartungsleistung. Aber nicht jeder Kunde sieht darin den Vorteil.

Wie versuchen Sie dann, den Kunden zu überzeugen?

Wenn heute Anlagen errichtet werden, ist der Errichter hinterher meistens nicht derjenige, der für den Lebenszyklus verantwortlich ist. Die Planer geben dem Ganzen zwar eine einheitliche Struktur, aber es wird nicht unbedingt darüber nachgedacht, wie sich das Gebäude oder die Anlage die nächsten dreißig Jahre bewirtschaften lässt. Und so werden dann oft klassische Schilder an die Geräte angebracht und Kabelnummern an die Kabel. Wenn man im Zuge der Errichtung einer Anlage oder eines Gebäudes noch ein Mitspracherecht hat, dass von Anfang an QR-Codes eingesetzt werden, ergibt sich für den Kunden ein wirklicher Vorteil daraus. Hinterher Schilder zu ändern und alles umzubeschriften ist relativ teuer. Es ist daher sinnvoll, sich schon bei der Errichtung Gedanken über die Instandhaltung zu machen.

Wie schaffen Sie es, bei den Planern den Fuß in der Tür zu haben?

Am besten ist es, direkt mit dem Kunden oder dem Betreiber zu sprechen. Bei der Instandhaltung geht es bei vielen Dingen hautsächlich um den Preis. Ideal ist eine zustandsorientierte, integrierte Wartung, und nicht eine reine Zeitwartung. Dafür ist es wichtig, Daten zur Verfügung zu haben. Die Herausforderung besteht ja darin, sich dem Ausfallzeitpunkt so weit wie möglich zu nähern und dann eine Wartung und Instandsetzung vorzunehmen. Zukünftig könnte man dann versuchen, mit dem Kunden die Wartungsintervalle aufzuknacken. Man muss überprüfen, ob es sinnvoll ist, ein Feldgerät jedes halbe Jahr zu warten. Möglicherweise gibt es eine intelligentere Strategie, weil es in dem Bereich und mit dem jeweiligen Verschmutzungsgrad reicht, das Feldgerät nur alle zwei Jahre zu warten. So werden die Wartungsintervalle an die Funktion der Anlage angepasst. Dies umzusetzen ist oft schwierig. Denn wenn man sich nicht an die normale Zeitwartung hält, könnte das Problem auftreten, dass es zu einem Funktionsausfall kommt. Das Intelligente an dieser Wartungsmethode ist, es hinzubekommen, sich dem Funktionsausfall anzunähern und die Wartungsintervalle zu vergrößern. So spart der Kunde dann Geld.

Und wenn eine nachträgliche Umstellung gewünscht wird?

Das haben wir auch schon gemacht. Nur bedeutet dies für den Kunden eine Erstinvestition, die den Kunden eher hemmt. Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten, die Daten zu erfassen. Wir von der Wisag Automatisierungstechnik haben es bei der Gebäudeautomation vergleichsweise mit einem Low-Cost-Bereich zu tun. Wir versuchen immer Strategien zu entwickeln, um die Kosten für den Kunden möglichst niedrig zu halten. Die Hemmschwelle des Kunden bei Investitionen ist relativ hoch. Der Kunde möchte den Nutzen direkt auf der Hand haben.

Vita

Jörg Friese studierte Automatisierungstechnik in Bochum und arbeitete anschließend in den Bereichen Kommunikationstechnik, Gebäudeautomatisierung und Sicherheitstechnik. Seit 2008 ist er Geschäftsführer der Wisag Automatisierungstechnik.

Erschienen in Ausgabe: 02/2014