Neukauf-Alternative

Retrofit

Der Komplettanbieter in Sachen Feinblechkonstruktionen MEZ Frintrop hat eine Karusselldrehmaschnine der MTU Aero Engines einem kompletten Retrofit unterzogen. Für beide Unternehmen war dieses Projekt das bisher größte dieser Art.

27. März 2013
Blick auf den vollautomatisierten, hydraulisch betriebenen Werkzeugwechsler in der Karusselldrehmaschine Hessapp DV 120.
Bild 1: Neukauf-Alternative (Blick auf den vollautomatisierten, hydraulisch betriebenen Werkzeugwechsler in der Karusselldrehmaschine Hessapp DV 120.)

Auf der Karusselldrehmaschine Hessapp DV 120 fertigt MTU Aero Engines die Triebwerksteile. Doch mit den Jahren wuchsen die gesetzlichen Anforderungen an Ausbringungsmenge, Genauigkeit und Funktionalität sowie an die Personen- und Maschinensicherheit in einem Maß, das die Maschine nicht mehr erfüllte.

Eine Neuanschaffung hätte das Münchener Unternehmen rund 1,4 Mio. Euro gekostet. Zudem hätte die Neuzulassung erheblichen Zeitaufwand bedeutet. So überlegte man, die vorhandene Technik auf Vordermann bringen zu lassen und die aktuellen technologischen Ansprüche erfüllen zu lassen, ohne dass eine erneute Zertifizierung der Maschine erforderlich ist. Martin Moschna vom Anlagenservice-Engineering bei der MTU erstellte ein Lastenheft mit den Anforderungen für ein Retrofit der Vertikaldrehmaschine.

Stimmiges Gesamtkonzept

MEZ Frintrop konnte mit seinem Angebot überzeugen. Der Blechspezialist ist nicht nur im Bereich Maschinenumhausungen einer der erfahrensten Hersteller auf dem deutschen Markt. Das Unternehmen hat durch zahlreiche Sonderlösungen und Spezialaufträge sehr weitreichende Kompetenzen im gesamten Spektrum der Metallverarbeitung entwickelt, sodass er ein stimmiges Gesamtkonzept einschließlich berstsicherer Maschinenumhausung, eines neuen vollautomatisierten, hydraulischen Werkzeugwechslers und neuer Messeinrichtungen realisieren konnte. Das bestehende, intakte Maschinenbett wurde dabei im Kern nicht angetastet und die neuen Funktionen perfekt daran angebunden.

MEZ Frintrop hat die bis auf den Maschinenrahmen demontierte Karusselldrehmaschine vollständig vermaßt und anhand dessen die geforderten Neuerungen mechanisch wie prozesstechnisch auf den Prüfstand gestellt und ein neues Werkzeugwechselkonzept entwickelt. Um die Rüstzeit zu minimieren, wurden hydraulisch betriebene Messachsen und Fahrachsen für die Werkzeugwechselschlitten, die die zwei Bearbeitungsstationen seitlich anfahren, eingeführt. Ein Teil der Elektronik wurde direkt in die Verkleidung integriert, sodass fortan keine separaten Schaltschränke mehr erforderlich sind.

Eine besondere Herausforderung war die Abgrenzung von Spanbereich und Werkzeugwechselraum, da sich beide Bereiche überschneiden. Eine spezielle Türmimik in der Innenraumverkleidung dichtet den Werkzeugwechselbereich während des Bearbeitens ab. So kann kein Schmierstoff- oder Späneeintrag erfolgen. Wenn die Werkzeugwechselkarusselle auf die Grundposition fahren, schwenken drehbare, kegelförmige Blechkonstruktionen darüber. Vor dem Verfahren geben die absolut dichten Abdeckungen durch eine 90-Grad-Drehung die Werkzeugwechsler wieder frei.

Alle Leistungen aus einer Hand

Ein Vorteil bei der Auftragsvergabe war, dass MEZ Frintrop alle Leistungen betreut, die Konstruktion, die Entwicklung von Systemkomponenten und die Fertigung. Als Projektmanager steuerte Henry Frintrop, Leitung Entwicklung bei MEZ Frintrop, die Teammitglieder aus den beteiligten Abteilungen und war der zentrale Ansprechpartner für die MTU.

Auf Basis der von der MTU autorisierten Konstruktionsentwürfe fertigte MEZ Frintrop alle Blechkomponenten und die komplette Umhausung. Sie integriert alle Peripheriekomponenten wie Steuerung, Mess- und Antriebstechnik. Die Maschinenverkleidung besteht aus selbsttragenden Feinblechelementen. Die Seiten wurden mit Servicetüren zum Werkzeugwechselbereich versehen.

Die Rückwandverkleidung integriert die Absaugung und bietet Raum für die Einbringung von Aggregaten. Die Sicherheitsscheiben der Bedienertüren sind mit rotierenden Sichtfenstern für eine optimale Durchsicht ausgerüstet.

Für die Vormontage und Funktionsmontage konstruierten die Techniker von MEZ Frintrop ein Gestell, das in Teilbereichen die Maschinenabmessungen kopiert und gleichzeitig als Transportgestell diente. Die Endmontage erfolgte im MTU-Werk in München.

Daten & Fakten

Die MTU Aero Engines GmbH ist einer der führenden Triebwerkshersteller weltweit und nach eigenen Angaben die Nummer Eins auf ihrem Gebiet in Deutschland.

Die GmbH gehört zur börsennotierten MTU Aero Engines Holding AG, zu der auch spezialisierte Flugzeugturbinen-Instandhaltungsunternehmen zählen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013