Multidienstleistungen

Studie - Die von Lünendonk & Hossenfelder ermittelte neueste Lünendonk-Studie zeigt, dass die Studienteilnehmer im Industrieservice einen wesentlichen Beitrag zur Produktivität ihres Unternehmens sehen.

05. April 2019
PowerPoint-Präsentation
(Quelle: Lünendonk & Hossenfelder)

Die Ergebnisse der neuesten Lünendonk-Studie verdeutlichen, dass dem deutschen Industrieservice-Markt offenbar Änderungen in der Nachfragestruktur bevorstehen. Viele Auftraggeber von Instandhaltungs-, Engineering- und Standortdienstleistungen planen demnach künftig eine stärker gebündelte Vergabe von bisher einzeln eingekauften Services. Wesentliche Treiber sind der akute Personalmangel im Markt und der Wunsch, die Möglichkeiten der Digitalisierung für einen wirtschaftlicheren Anlagenbetrieb zu nutzen.

Diese Veränderung werde sich laut Lünendonk & Hossenfelder in den kommenden Jahren auf die Struktur des noch vergleichsweise jungen Industrieservice-Markts auswirken, der bisher von einem eher geringen Reifegrad mit vielen, ausschließlich regional tätigen Einzelgewerkeanbietern sowie den Service-Einheiten von Anlagenherstellern geprägt ist.

Dies sind Ergebnisse einer erstmals ermittelten Auftraggeberbefragung. Die aktuelle Studie ergänzt die seit 2008 jährlich von Lünendonk & Hossenfelder erhobene Dienstleister-Perspektive. Die unabhängige Analyse wurde durch die Unterstützung der Industrieservice-Unternehmen Bilfinger, DB Services, Griesemann-Gruppe, Infraserv Knapsack und Weber-Unternehmensgruppe ermöglicht. Der Lünendonk-Studie liegen Zahlen, Daten und Fakten von 37 befragten Entscheidern für die Vergabe von Industrieservice-Aufträgen in Deutschland zugrunde.

Strukturelle Veränderungen

Strukturelle Veränderungen

Mit einer deutlichen Mehrheit von 80 Prozent sehen die Studienteilnehmer in externen Industrieservices einen klaren Mehrwert für die Produktivität ihres Unternehmens. Dies ist einer der Gründe für die gewünschte intensivere Zusammenarbeit neben einer stärkeren Konzentration auf das Kerngeschäft sowie dem akuten Fachkräftemangel und dem damit einhergehenden Verlust von Fachwissen in der Auftraggeberorganisation.

Darüber hinaus fühlen sich die Studienteilnehmer durch eine zunehmende Regulierung herausgefordert, die die Komplexität der Instandhaltung weiter erhöht. Wirtschaftliche Gründe sind – obwohl bei einigen Unternehmen wichtige Treiber – bei den Studienteilnehmern etwas weniger wichtig als die Erhöhung der Leistungsfähigkeit.

Die von den Studienteilnehmern geäußerte Prognose, künftig stärker auf Industrieservice-Unternehmen zu setzen anstelle auf Anbieter von Einzelgewerken, ist ebenso ein Zeichen der Professionalisierung des Marktes wie ein geplanter Anstieg der Dauer von Rahmenverträgen.

Darüber hinaus erzeugt die zunehmende Digitalisierung Handlungsdruck und erfordert das Überdenken der bisherigen Instandhaltungsstrategie. Die These »Wir werden künftig eher Anbieter beauftragen, die Intelligenz in die Services bringen« erhielt die meiste Zustimmung der Teilnehmer und ist damit ein deutlicher Hinweis auf das große Potenzial der Digitalisierung.

Besondere Herausforderungen

Thomas Ball, Senior Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder, kommentiert die Ergebnisse: »Regulierung, Fachkräftemangel und Digitalisierung sind so einschneidende Herausforderungen für Auftraggeber, dass deren Lösung den Industrieservice-Markt verändern wird. Viele mittelständische und kleinere, regional tätige Einzelgewerkeanbieter sind jedoch nicht in der Lage, in kreative Systeme zu investieren, um die aktuellen Probleme im Markt zu lösen. Gerade der Fachkräftemangel erfordert technische Lösungen, um das vorhandene Personal – insbesondere hoch qualifizierte Experten – effizienter einzusetzen.«

Der Industrieservice werde sich laut Ball weiter transformieren, hin zu einem wesentlichen Flexibilisierungs- und Effizienzinstrument für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dieser Trend werde mittelfristig zu einer stärkeren Bedeutung von Industrieservice-Anbietern führen, die zudem auch komplexe Aufträge mit multiplen Gewerken managen können.

Mehr Fremdvergaben

Björn Griesemann, geschäftsführender Gesellschafter der Griesemann-Gruppe, weist auf die steigende Fremdvergabe bei Engineering-Services hin: »Engineering-Leistungen sind für viele Auftraggeber sensibel, denn sie sind nah am Kerngeschäft. Externe Partner verfügen über dringend benötigtes Spezialwissen, das aber oft nur für begrenzte Projekte benötigt wird. Von einer stärkeren Fremdvergabe im Markt profitieren am Ende auch Unternehmen, denen es derzeit schwerfällt, entsprechende Qualifikationen für die eigene Organisation zu finden.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 14 bis 15

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