Mobile Wartungslösung

Markt

Wartung - Das Kernkraftwerk Emsland setzt bei der Wartung von Motoren und Stellantrieben auf eine mobile Instandhaltungslösung. So reduziert der Energieerzeuger Fehlerrisiken und beschleunigt den gesamten Workflow.

24. März 2016
Mit der mobilen Instandhaltungslösung konnte die RWE-Tochter die Dokumentationsqualität ihrer Instandhaltungsprozesse nachhaltig optimieren.
Bild 1: Mobile Wartungslösung (Mit der mobilen Instandhaltungslösung konnte die RWE-Tochter die Dokumentationsqualität ihrer Instandhaltungsprozesse nachhaltig optimieren.)

In kerntechnischen Anlagen ist Sicherheit oberstes Gebot. Schließlich gilt es, Mensch und Umwelt zuverlässig vor radioaktiver Belastung zu schützen. Entsprechend streng sind die Vorschriften und Dokumentationsauflagen. Allein für die jährliche Revision, bei der das Kraftwerk für 20 Tage vom Netz geht, müssen im Schnitt mehrere Tausend Arbeitsaufträge erfüllt werden.

Hoher Arbeitsaufwand

Da bildet auch das Kernkraftwerk Emsland (KKE) in Lingen keine Ausnahme. »Bei unserer letzten großen Revision in 2015 wurden rund 6.700 Einzelarbeiten durchgeführt«, erinnert sich KKE-Werkstattleiter Günter Keiser. Darunter eine Generatorinspektion, die Sanierung der Wasserverteilungskanäle im Kühlturm sowie ein Wechsel einiger Brennelemente. Eine echte Mammutaufgabe, die aufgrund des engen Zeitfensters nur mit Unterstützung von außen zu schaffen war: Um alle Arbeiten und Kontrollen termingerecht auszuführen, waren neben den etwa 300 kraftwerkseigenen Mitarbeitern rund 1.700 externe Fachleute mit der Wartung der Anlage beschäftigt.

Wie schon bei den Revisionen der vergangenen Jahre, kam dabei auch diesmal die mobile Instandhaltungslösung des KKE zum Einsatz. Das System basiert auf dem Motion-F5-Tablet der Extra Computer GmbH sowie der Paledo-Software der Syntactix GmbH und schafft bei der norddeutschen RWE-Tochter die Basis für effiziente und sichere Instandhaltungsprozesse. »Mit Hilfe der mobilen Lösung können wir einzelne Arbeitsschritte beschleunigen, reduzieren gleichzeitig aber auch das Risiko von Übertragungs- und Eingabefehlern«, lobt Keiser.

Mussten die Techniker früher eine Vielzahl papierbasierter Formulare ausfüllen und diese anschließend manuell im System erfassen, erledigt Paledo dies heute vollautomatisch. Dazu gibt der Techniker die ermittelten Werte per Digitizer direkt im Tablet ein und synchronisiert sie nach Abschluss des Arbeitsauftrages per Knopfdruck mit dem Messdatennetz. Der Abgleich erfolgt direkt nach Rückgabe des Geräts in der Werkstatt per Dockingstation. Eine enorme Arbeitserleichterung. Immerhin fallen im Rahmen einer einzigen Wartungswoche an die 1.000 Dokumentationsprotokolle an.

Zudem sind die Tablets vielfältig einsetzbar. Egal ob Motoren oder Antriebswellen überprüft werden müssen: Die mobilen Geräte enthalten sämtliche Datensätze, die im Rahmen der Wartung erforderlich sind. Denn Paledo ist über eine Schnittstelle direkt mit dem wissensbasierten Instandhaltungssystem (WIS) des Kraftwerks verbunden. So können Arbeitsaufträge im operativen System erfasst und zum gewünschten Zeitpunkt per Knopfdruck an das mobile Endgerät übermittelt werden.

Ein weiterer Vorteil: Unleserliche Eingaben gehören der Vergangenheit an, das erspart zeitaufwendige Rückfragen und verbessert die Qualität der Dokumentationsprotokolle. Darüber hinaus lassen sich via Tablet aber auch die komplette Wartungshistorie sowie wichtige Hintergrundinformationen abrufen. Dank der integrierten Kamera lassen sich zudem Mängel per Fingerstreich bildlich dokumentieren und kommentieren. »Für den Techniker bedeutet das: Er benötigt für seine Arbeit nur noch ein einziges Gerät und hat alle benötigten Informationen wie Stücklisten, Montageanweisungen oder Schnittzeichnungen auf Knopfdruck zur Hand«, erklärt der Werkstattleiter.

Effiziente Wartungsprozesse

Auftragskopf und Datum werden ebenfalls automatisch vom WIS-System an die mobilen Erfassungsgeräte übermittelt. Auch das reduziert Fehlerrisiken bei der Eingabe. Darüber hinaus ebnen hinterlegte Plausibilitätsprüfungen, definierte Pflichtfelder sowie der Einsatz von Barcode-Scannern den Weg zu effizienten Wartungsprozessen. So lassen sich geprüfte Module mit Hilfe des Barcode-Scanners im Handumdrehen fehlerfrei dem entsprechenden Arbeitsauftrag zuordnen. »Geschieht dies manuell, ist das nicht nur wesentlich zeitaufwendiger, sondern birgt auch ein größeres Fehlerrisiko«, sagt Keiser.

Für den Werkstattleiter steht deshalb fest, dass die mobile Wartungslösung die Techniker enorm entlastet: »Früher mussten sie die gesammelten Daten nach der Gerätewartung noch selbst am PC übertragen. Eine lästige und zeitfressende Arbeit«, weiß Keiser. Gleichzeitig funktioniert Paledo genauso einfach wie die papierbasierte Dokumentation und kommt deshalb nicht nur bei jungen Kollegen enorm gut an.

Inzwischen sind die 28 Motion-Tablets im KKE regelmäßig in Gebrauch – und zwar auch abseits der jährlichen Revision. Denn neben der Wartung der Stellantriebe und Motoren nutzt die RWE-Tochter die mobile Dokumentationslösung auch für weniger sensible Instandhaltungsaufgaben: Die Prüfung von Hubwagen und Leitern wird ebenfalls per Tablet dokumentiert.

Die hohe Akzeptanz der Lösung ist neben der enorm einfachen Bedienung auch der leistungsstarken Hardware zu verdanken. »Das Motion-Tablet ist leicht, robust und gut zu reinigen – und somit für den Einsatz in unserer Anlage optimal geeignet«, resümiert der Werkstattleiter. Für ihn steht der Mehrwert der Lösung außer Frage. Schließlich konnte die RWE-Tochter damit die Dokumentationsqualität ihrer Instandhaltungsprozesse nachhaltig optimieren. Kein Wunder also, dass auch andere Energiekonzerne auf die mobile Instandhaltungslösung setzen.

Daten & Fakten

• Projektvolumen (in Euro): etwa 100.000

• Projektdauer (Laufzeit): Einführung etwa 1 Jahr

• Arbeitsaufwand (in Bearbeiterwochen): etwa 4 Wochen

• Vorhandene IT-Umgebung: SAP / DHCP Domaincontroller Win2008 Server

• Dienstleister: Syntactix GmbH, Extra Computer GmbH

Erschienen in Ausgabe: 01/2016