Mehr Anlageneffizienz

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Instandhaltungsstrategie - Die litauische Papierfabrik Grigiškes hatte Probleme mit der Zuverlässigkeit ihrer Anlagen. Ein Team von SKF-Experten leistete einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung ungeplanter Stillstände und optimierte die Instandhaltung.

23. September 2015
Täglich werden bei Grigiškes tausende Rollen von Toilettenpapier produziert. Quelle: Augustas Didzgalvis/SKF
Bild 1: Mehr Anlageneffizienz (Täglich werden bei Grigiškes tausende Rollen von Toilettenpapier produziert. Quelle: Augustas Didzgalvis/SKF)

Am Ufer des Flusses Neris nahe der litauischen Hauptstadt Vilnius produziert Grigiškes auf einem 57 Hektar großen Gelände Papier und Karton. Die Fabrik wurde schon 1823 gegründet, baute aber erst 2012 eine moderne Produktionslinie für die Herstellung von Wellpappe.

In der Instandhaltungswerkstatt und im Lager herrscht heute penible Ordnung. Sie hilft bei der effizienten Verwaltung der Vielzahl von Komponenten und sorgt dafür, dass bei Bedarf die richtigen Ersatzteile zur Verfügung stehen. So war es jedoch nicht immer.

Als 2001 neue Eigentümer die Muttergesellschaft AB Grigiškes übernahmen, hatte die Papierfabrik zu kämpfen. Als erstes wurden die Geschäftsprozesse umstrukturiert. »Der technische Service war einer jener Bereiche, in denen Prozesse und Systeme eingeführt werden mussten, um Klarheit über die aktuellen Geschehnisse zu schaffen, sodass die Techniker nach festgelegten Anweisungen und Verfahren ihre Arbeit tun konnten«, erklärt der Geschäftsführer von AB Grigiškes, Robertas Krutikovas.

Analyse der Instandhaltungsstrategie

Eine von SKF Litauen 2007 vorgenommene Analyse ergab, dass die Instandhaltungsstrategie der Papierfabrik einer Überprüfung bedurfte. Grigiškes brauchte eine regelmäßige zustandsabhängige Instandhaltung und ein computergestütztes Instandhaltungsmanagement-System (CMMS) – wichtige Voraussetzungen, um Instandhaltungsmaßnahmen zum richtigen Zeitpunkt und effizient vornehmen zu können. Das Un-ternehmen beschloss, bereits vorhandene Instandhaltungsoptimierungsverfahren anzuwenden und die Prozesse zu beschleunigen. Zu diesem Zweck beauftragte man erfahrene Spezialisten mit der Umsetzung von Veränderungen.

Grigiškes wollte die richtigen Prozesse und Systeme einführen, modernes Know-how nutzen und unter Beibehaltung seines technischen Personals die Instandhaltungskultur in der Fabrik verändern. Die – alternativ denkbare – Komplett-Auslagerung der Instandhaltung an ein externes Serviceunternehmen scheute Grigiškes, weil man im Falle einer Vertragskündigung nicht ohne Weiteres zu einer Inhouse-Lösung hätte zurückkehren können.

So unterzeichneten Grigiškes und SKF Litauen Anfang 2011 einen Vertrag über zuverlässigkeitsorientierte Instandhaltung (Proactive Reliability Maintenance, PRM). In den folgenden zwölf Monaten wurde die Instandhaltungsabteilung komplett umorganisiert. SKF-Berater und Techniker von AB Grigiškes stellten eine Datenbank der Fabrik-Ausstattung zusammen, in der 3000 Geräte und Anlagen und deren Hierarchie erfasst wurden.

Gleichzeitig führten sie ein computergestütztes Instandhaltungsmanagement-System ein. Für die einzelnen Maschinen und Anlagen entwickelten sie jeweils Instandhaltungsstrategien nach dem zuverlässigkeitsorientierten Konzept von SKF, das für den Werksbetrieb neuralgische Punkte definiert und somit wirtschaftliche Aspekte sowie Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz berücksichtigt. Darüber hinaus wurde ein zustandsabhängiges Instandhaltungssystem mit kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen und einer Fehlerursachenanalyse (RCFA) auf den Weg gebracht.

Außerdem erhielten die Techniker eine Schulung in der Analyse von Lagerausfällen, Erkennung von Fehlerursachen und Entwicklung von Lösungsstrategien zur Vermeidung von Fehlerwiederholungen. Die Ersatzteil- und Schmierstoffbestände wurden überprüft und die Schmierung wurde optimiert. Das Personal lernte, mithilfe des Datensammlers SKF-Microlog Schwingungsmessungen vorzunehmen und für Schmierverfahren das CMMS zu nutzen.

Hindernisse überwinden

SKF stellte für dieses Projekt ein Team von elf Spezialisten aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Projektmanagement, Instandhaltungsstrategie und CMMS-Implementierung zusammen. »Die größte Herausforderung bestand darin, die Mitarbeiter für das Projekt zu gewinnen. Aber die starke Einbindung der Unternehmensführung von AB Grigiškes und deren Engagement waren sehr hilfreich bei der Überwindung aller Hindernisse«, sagt Vytenis Galkis, Geschäftsführer von SKF Litauen. »Außerdem änderten die Mitarbeiter ihre Grundhaltung, als sie erkannten, welche Vorteile sie persönlich von diesen Neuerungen haben würden: keine Notfalleinsätze mehr mitten in der Nacht oder an Weihnachten, um einen plötzlichen Maschinenausfall zu beheben«, so Galkis.

Bei der zustandsabhängigen Instandhaltung vor Ort werden nun Schwingungsdaten, Temperaturwerte und Geräuschpegel mit Hilfe der ›SKF @ptitude-Analyst-Software‹ kontinuierlich analysiert. So lässt sich der Wartungs-, Reparatur- und Austauschbedarf frühzeitig feststellen. Auch der Ablauf ist rationeller geworden.

Die Techniker erhalten ihren Arbeitsauftrag und wissen, was sie zu tun haben, welche Werkzeuge sie brauchen, welche Ersatzteile erforderlich sein könnten und wo sie zu finden sind. Sie identifizieren die zu schmierenden Teile und können exakt angeben, welcher Schmierstoff in welcher Menge benötigt wird.

Deutliche und messbare Ergebnisse ließen bei Grigiškes nicht lange auf sich warten. Die ungeplanten Stillstände der wichtigsten Papiermaschine gingen 2012 um 41,8 Prozent und 2013 um weitere 12,3 Prozent zurück. Auch Anzahl und Dauer der geplanten Stillstände schrumpften. Die Anlageneffizienz der Maschine stieg in diesen zwei Jahren von 77 auf 85 Prozent. Dank dieser Ergebnisse konnten Instandhaltungskosten und Personalbestand trotz Erweiterung des Maschinenparks und einem Produktionsanstieg von 30 Prozent allein 2013 auf dem gleichen Niveau gehalten werden.

»Wir haben zum Beispiel unsere Wälzlagerkosten um 50 Prozent gesenkt, obwohl wir inzwischen nur Premium-Lager einkaufen«, sagt Krutikovas. »Das liegt daran, dass wir sie erst dann austauschen, wenn es wirklich erforderlich ist.«

Erschienen in Ausgabe: 02/2015