Druckluft

Leckagen auf der Spur

Der Druckluft- und Pneumatikspezialist Mader hat das Biotechnologie-Unternehmen Greiner Bio-One dabei unterstützt, Leckagen zu orten und die Druckluft-Leckagerate zu halbieren.

06. September 2017
Ein zweiköpfiges Mader-Team führte die Ortung bei laufendendem Betrieb aus. Während Heiko Leonhardt (links) mithilfe eines Ultraschallmessgeräts die Leckagen ortet, erfasst Manuel Stephan (rechts) die Messwerte auf dem Tablet. Quelle: Mader
Ein zweiköpfiges Mader-Team führte die Ortung bei laufendendem Betrieb aus. Während Heiko Leonhardt (links) mithilfe eines Ultraschallmessgeräts die Leckagen ortet, erfasst Manuel Stephan (rechts) die Messwerte auf dem Tablet. (Quelle: Mader)

Die 60 Kunststoff-Spritzgussmaschinen der Greiner Bio-One GmbH im baden-württembergischen Frickenhausen laufen ohne Pause. Im Drei-Schicht-Betrieb – selbst an Sonn- und Feiertagen – produzieren sie Röhrchen, Petrischalen und andere Spezialprodukte für die Kultivierung und Analyse von Zell- und Gewebekulturen sowie Mikroplatten für das Hochdurchsatz-Screening. Eingesetzt werden die Produkte überwiegend an Universitäten, in Forschungsinstituten und in der diagnostischen, pharmazeutischen sowie in der biotechnologischen Industrie.

Die hohe Beanspruchung des Maschinenparks schlägt sich auch in der Leckagerate nieder. »Verschleiß ist das größte Problem und überwiegende Ursache für Druckluft-Leckagen in unserer Produktion«, sagt Ralf Hipp, zuständig für die Haustechnik und seit 2013 Energiemanagementbeauftragter am Standort Frickenhausen.

Ralf Hipp ermittelte in den ersten Jahren seiner Tätigkeit als Energiemanagementbeauftragter eine Leckagerate von rund 30 Prozent. »Das konnte so nicht bleiben. Wir beschlossen das Thema selbst in die Hand zu nehmen«, erinnert sich Ralf Hipp. »Wir kauften ein Leckageortungsgerät und legten los. Leider blieb es dabei. Entweder fehlte die Zeit oder das Wissen. Wir erreichten zwar kleinere Verbesserungen der Leckagerate, konnten diese aber nicht so deutlich senken, wie wir es uns zum Ziel gesetzt hatten«, erzählt der gelernte Elektriker. Dann folgte ein Anruf von Stefanie Kästle, Leiterin Energieeffizienzmanagement bei Mader. Sie berichtete von den Dienstleistungen, die der Leinfeldener Druckluft- und Pneumatikspezialist neuerdings zur Verbesserung der Energieeffizienz anbietet. Beim Thema Druckluft-Leckagen wurde Ralf Hipp hellhörig. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Leckagerate in Frickenhausen rund 23 Prozent.

Kurze Zeit später erhielt Mader den Auftrag zur zweitägigen Leckageortung. Ein zweiköpfiges Mader-Team führte die Ortung bei laufendem Betrieb aus. Eingesetzt wurde ein Ultraschallmessgerät, mit dem die Leckagen nicht nur entdeckt, sondern auch wirtschaftlich bewertet werden können.

Insgesamt wurden 76 Leckagen mit einem Einsparpotenzial von 25.200 Euro gefunden. Die Leckagebeseitigung organisierte Ralf Hipp intern. Ein bis zwei Personen reparierten anhand der Leckage-Dokumentation des Mader-Teams, das neben Bildern auch eine Beschreibung des Leckageorts enthielt, die Leckagen. Mithilfe der Markierung durch Aufkleber und einer Nummer konnten die Leckagen eindeutig identifiziert und schließlich vom Reparatur-Team als beseitigt dokumentiert werden.

Leckagerate nimmt ab

»Dennoch war die Leckagerate, von 18Prozent, noch nicht das, was wir wollten. Unser Ziel war eine Leckagerate von maximal 10 bis 15 Prozent«, erläutert Ralf Hipp. Dass dies alles andere als leicht zu erreichen ist, zeigte eine erneute Messung. Die Leckagerate war innerhalb von sechs Monaten erneut auf 22 Prozent gestiegen. Greiner Bio-One entschloss sich deshalb zu einer weiteren zweitägigen Leckageortung durch Mader.

Ausgerüstet mit Leckageortungsgerät und Tablet wurden dieses Mal alle Leckagen mit den zugehörigen Messwerten und Fotos direkt vor Ort digital erfasst. Über einen QR-Code erhielt jede Leckage eine eindeutige Kennzeichnung und konnte im Nachgang sicher per Smartphone identifiziert werden. »Alle Messdaten, Bilder und Informationen zur gescannten Leckagestelle werden dann, vorausgesetzt man hat die Mader Leckage-App installiert, direkt auf dem Smartphone angezeigt«, berichtet Stefanie Kästle.

So hat auch Ralf Hipp erstmals – in Echtzeit – von seinem Arbeitsplatz aus den vollen Überblick über den Stand der Dinge: »Über das Onlineportal sehe ich alle georteten Leckagen und kann sie, wenn die Reparatur erfolgt ist, als repariert markieren.«

Die Option, die Leckagen direkt im Anschluss an die Reparatur über die Leckage-App auf einem Smartphone als repariert zu markieren, nahmen sein Team und er nicht in Anspruch. »Zum einen ist die Verwendung von Smartphones im Werk nicht gestattet, zum anderen ist den Kollegen, die für die Reparatur zuständig sind, Papier lieber«, erklärt Hipp.

Auch die zweite Leckageortung hatte einen ähnlich hohen Leckagewert zum Ergebnis wie die erste. »Der Leckagewert war zwar etwa gleich hoch, aber die einzelnen Leckagen waren kleiner. Dies lässt vermuten, dass seit der ersten Ortung wieder neue kleine Leckagen entstanden sind.«

Kritische Leckagestellen identifizieren

Ralf Hipp macht sich keine Illusionen: Durch Verschleiß verursachte Leckagen seien im Drei-Schicht-Betrieb kaum zu vermeiden. »Am häufigsten betroffen sind Schläuche und Ventile«, berichtet er. Die strukturierte, elektronische Erfassung der Leckagen könnte ein sinnvoller Ansatz sein, Leckagen zu vermeiden, ist sich Stefanie Kästle sicher: »Mithilfe der Dokumentation kann analysiert werden, wo Leckagen besonders häufig auftreten. An diesen Stellen könnte dann durch die Verwendung hochwertigerer Komponenten oder den regelmäßigen Austausch von Verschleißteilen der Druckluftverlust vorbeugend verhindert werden.«

Den Erfolg der Leckageortung und -beseitigung bestätigte eine erneute Messung wenig später. Die Leckagerate betrug nun 15 Prozent und war somit um 7 Prozent gesunken. Das entspricht einer Einsparung von 77.000 Kilowattstunden Strom beziehungsweise 10.000 Euro pro Jahr. Amortisiert hat sich der Einsatz des Mader-Teams für Greiner Bio-One erneut innerhalb von weniger als drei Monaten.

Erschienen in Ausgabe: 02/2017

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