Klüger investieren

Gebrauchtmaschinen

Niedrigeres Investitionsvolumen und ausreichende Produktionsleistung sind Argumente für den Kauf einer gebrauchten Maschine. Aber ist es so einfach? Der Rohrbiegemaschinen-Hersteller Schwarze-Robitec zeigt auf, worauf es beim Gebrauchtmaschinenkauf ankommt.

27. März 2013

Gerade bei hochkomplexen Anlagen des Spezialmaschinenbaus kommt es auf eine ganze Reihe von Faktoren an, die über die Wirtschaftlichkeit beim Einsatz einer gebrauchten Anlage bestimmen. Im schlimmsten Fall wird die neue Gebrauchte zum Störfall im Produktionsablauf, weil Bauteilqualität und Ausbringungsleistung nicht stimmen.

Wer kauft schon ein Auto, ohne Probefahrt und ohne seine Ausstattung zu kennen? Oft gleicht aber die Investition in eine gebrauchte Anlage diesem Szenario. Das gilt vor allem, wenn komplexe Spezialmaschinen aus einem Nischenbereich ohne Rücksprache mit dem Originalhersteller gekauft werden. Die Rohrbiegebearbeitung im industriellen Maßstab ist dafür ein gutes Beispiel: In vielen Branchen kommen kundenspezifische Anlagenlösungen zum Einsatz, die mit CNC-Steuerung, Hochleistungsantrieben und komplex konstruierten Biegewerkzeugen für hochgenaue Biegeergebnisse sorgen. Die anspruchsvolle Anlagentechnologie kann nicht einfach ab- und aufgebaut werden, um bei einem anderen Unternehmen neue Komponenten zu produzieren.

Detailfragen zur Bauteilgeometrie, dem Werkstoff und der Ausbringungsmenge beeinflussen in entscheidendem Maß die Einsatzmöglichkeiten der Maschine, wie Hartmut Stöhr, Geschäftsführer beim Biegemaschinenspezialisten Schwarze-Robitec (Hersteller der Maschinen der Marken Schwarze-Robitec, Robitec und Schwarze-Wirtz), deutlich macht: »In unserem Fall erschwert schon das Verfahren selbst den Verkauf von Gebrauchtmaschinen durch Dritte. Wenn eine unserer Rohrbiegemaschinen zum Beispiel für die Bearbeitung von dünnwandigen Abgasrohren in Massenfertigung ausgelegt wurde, ist sie eventuell nicht für das Biegen von dickwandigen Hochdruckrohren für den Anlagenbau geeignet.« Ob Antriebskonzept und Maschinendesign unter den neuen Bedingungen für eine perfekte Bauteilqualität sorgen, kann letztlich nur ein Experte von Schwarze-Robitec beurteilen.

Ungewöhnlich hohe Risiken

Dass der Kauf von gebrauchten Spezialmaschinen trotzdem immer wieder ohne Nachfrage beim Hersteller erfolgt, ist das Ergebnis von wirtschaftlichen Überlegungen, wie Stöhr weiß: »Es klingt natürlich reizvoll, wenn für die eigene Produktion eine Maschine eines namhaften Herstellers zu einem scheinbar sehr günstigen Preis angeboten wird.«

In der Folge gehen Käufer von Spezialmaschinen jedoch häufig zu hohe Risiken ein. So werden Maschinen ohne vorherige Tests übernommen. Eine erste Prüfung findet erst am neuen Produktionsstandort statt. Ob die Anlage über die geforderte Leistungsfähigkeit verfügt, kann unter diesen Voraussetzungen natürlich nicht überprüft werden.

»Zumindest sollte noch vor dem Kauf sichergestellt sein, ob die Maschine überhaupt ordnungsgemäß funktioniert. Die Steuerung darf keine Fehler zeigen, die Mechanik nicht verschlissen sein und die Maschine muss in ihren Komponenten vollständig sein«, deutet Schwarze-Robitec-Geschäftsführer Bert Zorn die vielleicht einfachste Grundbedingung an. »Anschließend muss sie im Testbetrieb vorgeführt werden, damit man beispielsweise klären kann, ob alle Achsen noch korrekt funktionieren. Diese Kriterien sind aber wirklich nur das Mindeste und genügen in den seltensten Fällen. Es kommt meist auf viel mehr an«, so Zorn weiter.

Immer wieder werden die Biegespezialisten mit Anfragen von Anwendern konfrontiert, die bereits eine Gebrauchtmaschine gekauft haben und kurze Zeit nach dem Produktionsstart vor größeren Problemen stehen. »Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und die Maschine nicht funktioniert, werden wir kontaktiert«, so Zorn. Kleinigkeiten können dabei bereits den Ausschlag geben – zum Beispiel wenn falsche Hydraulikfilter verwendet werden, was nach kurzer Zeit zu Problemen an den Hydraulikpumpen führt.

Auf der anderen Seite kommt es vor, dass schwarze Schafe die Unwissenheit der Käufer ausnutzen: Alte Anlagen werden neu lackiert, anschließend sogar mit falschen Typenbezeichnungen versehen und dementsprechend teurer verkauft. Ein Problem ist zudem, wenn Originalbauteile ausgetauscht wurden oder unsachgemäße Reparaturen oder Umbauten an der Maschine durchgeführt wurden. Auch werden Kunden über mögliche Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung sehr alter Teile völlig im Unklaren gelassen.

Bei Produktionsproblemen sind dann manchmal sogar die Monteure des Originalherstellers ratlos, weil sie die fremden Teile nicht reparieren können und es dann zum teuren Rückrüsten auf den Originalstand kommen kann. Letztlich empfiehlt Schwarze-Robitec deshalb, vor jeder Investitionsentscheidung einmal bei ihnen nachzufragen.

Auskunft beim Experten einholen

»Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wenn man uns kontaktiert«, erklärt Jürgen Korte, Prokurist bei Schwarze-Robitec. »Wir können in unseren Unterlagen nachschauen, um welche Maschine es sich bei dem Angebot genau handelt. Dabei können wir neben dem Auslieferungszustand und dem exakten Alter der Maschine auch Aussagen darüber treffen, ob die Maschine einer regelmäßigen Wartung durch den Hersteller unterzogen wurde«, sagt Korte. Das sei zumindest ein erster Hinweis auf den aktuellen Zustand der Anlage. »Außerdem können wir einschätzen, ob der angebotene Maschinentyp überhaupt für den Anwendungsbereich infrage kommt«, so der Prokurist.

Absolute Sicherheit geben diese Indikatoren nicht. Als Königsweg empfiehlt der Biegespezialist deshalb den Gebrauchtmaschinenkauf beim Originalhersteller. Schwarze-Robitec bietet neben werksgeprüften Gebrauchtmaschinen auch generalüberholte Maschinen an. Generalüberholt bedeutet, die Maschine wird beim Hersteller in einen neuwertigen Zustand versetzt, indem sie komplett zerlegt und von Grund auf neu aufgebaut wird. Das umfasst neueste Steuerung, Elektroinstallation, Hydraulik et cetera.

Aus Sicht der Experten sind die Produktpalette und die tägliche Nutzung der Maschine entscheidend, ob auf eine gebrauchte Maschine verzichtet und eher auf eine gänzlich neue Anlage gesetzt werden sollte »Wenn keine Serienteile herzustellen sind und ausreichend Zeit für Wartung und Instandsetzung eingeplant wird, ist eine Gebrauchtmaschine sicherlich eine Möglichkeit, die man in Erwägung ziehen kann«, erklärt Zorn. Wenn die Produktion jedoch eine hohe Verfügbarkeit der Anlagen voraussetzt und man die Vorteile der neuesten Steuerungsgenerationen nutzen will, sei man mit einer neuen Maschine oder einer generalüberholten Anlage besser beraten.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013