Kapazitäten managen

Outsourcing

Der Industriedienstleister Wisag Produktionsservice GmbH unterstützt seit 2011 Buderus Spezialguss in Wetzlar und sorgt so für mehr Flexibilität in der Produktion.

02. September 2013
Mit speziellen Luftmaschinen werden verwinkelte und schwer zugängliche Bereiche des Mantelkerns bearbeitet.
Bild 1: Kapazitäten managen (Mit speziellen Luftmaschinen werden verwinkelte und schwer zugängliche Bereiche des Mantelkerns bearbeitet.)

Der Trend zum Outsourcing in der Industriebranche setzt sich fort. Immer mehr Unternehmen konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft und überlassen speziellen Dienstleistern komplette Prozesse.

»Wir haben einen Teilbereich unserer Produktion bewusst an ein Industriedienstleistungsunternehmen ausgelagert. Das heißt, die Wisag übernimmt bei uns zum Beispiel eigenverantwortlich die finale Bearbeitung der Zylinderkopfdeckel, bevor sie anschließend von uns gestrahlt und mit Farbe beschichtet werden«, erklärt Tilo Kühn, stellvertretender Gießereileiter der Buderus Spezialguss GmbH.

Danach erst gehen die fertigen Produkte an den Endkunden. »Durch den Einsatz eines qualifizierten Dienstleisters haben wir die Möglichkeit, uns mit unseren Mitarbeitern stärker auf unsere Kernkompetenzen zu konzentrieren«, ergänzt Kühn.

Die Buderus Spezialguss GmbH ist ein Unternehmen der Dihag Deutsche Gießerei- und Industrie-Holding AG. Im Fokus der Unternehmensgruppe stehen technisch anspruchsvolle Gusserzeugnisse für vielfältige Anwendungsgebiete und Märkte.

Guss-Verputzarbeiten

Am Standort Wetzlar werden in den Hallen der Buderus Spezialguss Verputzarbeiten an Zylinderkopfdeckeln für Schiffsmotoren und Notstromaggregate vorgenommen. Das sogenannte Verputzen der rund 1300 Kilogramm schweren Gusskörper erfolgt in vier Putzkabinen mit jeweils vier Mitarbeitern im Dreischichtbetrieb.

Jeden Tag stimmen die Mitarbeiter mit den Verantwortlichen beim Kunden den Lieferumfang und die zu bearbeitenden Modelle ab. Und täglich erfolgt dann auch eine finale Abnahme der erbrachten Leistung. Denn die Fertigungsschritte des Gussputzens der Zylinderkopfdeckel sind strikt festgelegt und werden von der Buderus-Qualitätsstelle genauestens geprüft und dokumentiert.

Im sogenannten ›kleinen Putzhaus‹ des Unternehmens bereiten die Experten von Wisag Produktionsservice die Zylinderkopfdeckel vor, sodass sie mittels CNC-Fräsen weiterverarbeitet werden können. Diese Aufgabe umfasst das Schleifen, Hämmern, Entgraten und schließlich das Reduzieren der Teile von ursprünglich jeweils 1300 auf 1100 Kilogramm. Pro Monat werden auf diese Weise rund 400 Zylinderkopfdeckel bearbeitet.

Eine besondere Herausforderung sind die Zylinderkopfdeckel, die eine komplexe Geometrie aufweisen. Präzision und Konzentration sind dabei unentbehrliche Voraussetzungen, um die von Buderus geforderte Qualität auch dauerhaft liefern zu können. Neben entsprechender Mitarbeiterqualifikation sind auch Spezialwerkzeuge wie beispielsweise speziell gefertigte Luftmaschinen erforderlich, um verwinkelte und schwer zugängliche Bereiche des Mantelkerns optimal zu bearbeiten.

Flexibel einsatzbereit

Hohe Qualität allein sichert aber noch keinen reibungslosen Prozess: Wisag muss auch mit täglich schwankender Quantität klarkommen. Je nach Lieferumfang müssen die Wisag-Mitarbeiter flexibel einsatzbereit sein.

Das weiß auch Franz-Werner Höck, Serviceleiter bei Wisag Produktionsservice in Siegen: »Liefertreue ist für die erfolgreiche Zusammenarbeit absolute Voraussetzung. Denn bei nicht fristgerechter Lieferung entstehen für unseren Kunden unnötige Kosten. Für uns heißt das, dass wir jederzeit ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen müssen, um Auftragsspitzen zu bewerkstelligen.«

Erfolgreiches Management volatiler Auslastung ist Kernkompetenz eines Industriedienstleisters – zum Vorteil für Buderus. Für fast jeden Bedarf kann das Unternehmen geeignetes Personal zur Verfügung stellen. So waren die Mitarbeiter von Wisag Produktionsservice neben den Arbeiten im ›kleinen Putzhaus‹ über einen längeren Auftragszeitraum in der Kernmacherei von Buderus tätig. Dort unterstützten sie beispielsweise beim Schlichten von Zylinderkopfdeckeln. Hierbei werden die Formteile mit einer Flüssigkeit (Schlichte) überzogen und geschützt, damit es beim Gießprozess nicht zur thermischen Überbelastung durch die Metallschmelze kommt.

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Buderus und Wisag besteht seit Mai 2011. Im September übernahmen die Mitarbeiter dann das ›kleine Putzhaus‹. »Damit dieses Modell reibungslos funktioniert, ist die nachhaltige Identifizierung unserer Mitarbeiter mit dem Qualitätsanspruch unseres Kunden unabdingbar«, erklärt Hans-Werner Höck.

Auch in Zukunft werde die Nachfrage nach industriellen Dienstleistungen steigen. Das ergab der ›Branchenmonitor 2012‹, eine repräsentative Umfrage des Wirtschaftsverbands für Industrieservice e.V. (WVIS) zur Stimmungslage der Branche. Danach rechnen die Anbieter von Industriedienstleistungen in den kommenden Jahren mit Zuwachsraten von sechs bis acht Prozent.

Spezialisierte Dienstleister übernehmen dabei nicht nur zunehmend Verantwortung in qualitätskritischen Produktionsprozessen, sondern in steigendem Maße auch bei komplexen Großprojekten wie der Errichtung von Anlagen sowie der weltweiten Verlagerung ganzer Werke. So werden externe Spezialisten bei der Übernahme von Tätigkeiten, die nicht zum Kernprozess der jeweiligen Unternehmen gehören, auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013