»Jugendliche testen eher Grenzen aus, mitunter ist die Bereitschaft höher, Risiken einzugehen.«

Im September beginnt für viele junge Leute ein neuer und spannender Lebensabschnitt: der erste Schritt ins Berufsleben. Dabei gibt es vieles zu beachten und zu bedenken – vor allem, was den Arbeitsschutz betrifft, denn Auszubildende und junge Beschäftigte sind besonders unfallgefährdet. Woran das liegt und was sich dagegen tun lässt, erklärt Ulrich Zilz, Experte der Berufsgenossenschaft Holz und Metall, im Interview.

02. September 2019
»Jugendliche testen eher Grenzen aus, mitunter ist die Bereitschaft höher, Risiken einzugehen.«
Ulrich Zilz von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall. (Quelle: Berufsgenossenschaft Holz und Metall)

Herr Zilz, welchen Risiken sind junge Beschäftigte ausgesetzt?

Laut aktuellen Zahlen der DGUV hatten Auszubildende rund 32.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle im Jahr 2017, darunter waren 117 neue Unfallrenten und drei Todesfälle. Die Unfallquoten der jüngeren Beschäftigten liegen deutlich über denen der älteren. Das hat vor allem zwei Ursachen. Zum einen das Risiko der Unerfahrenheit: Mangelnde Kenntnisse und Stress durch neue Aufgaben führen gerade bei Berufsanfängern häufig zu Unfällen. Zum anderen das Risikoverhalten: Jugendliche testen eher Grenzen aus, mitunter ist die Bereitschaft höher, Risiken einzugehen. Zudem befinden sie sich in einer Übergangsituation, lösen sich vom Elternhaus und müssen sich in der neuen Rolle am Arbeitsplatz behaupten. Sie sind oft unsicher, trauen sich aber nicht, nachzufragen.

Wo sind die Gefahren besonders groß?

Konkret zum Beispiel bei Arbeiten mit Handwerkzeugen oder dem Umgang mit Leitern. Es besteht aber auch hohe Gefahr für Schädigungen, die eher mittel- bis langfristig entstehen und die Gesundheit beeinträchtigen können und die etwa die Themen Lärm, Hautschutz, Rückengesundheit und zunehmend psychische Belastungen betreffen. Ein weiteres erhöhtes Risiko ist der Straßenverkehr. Wegeunfälle ohne Fremdbeteiligung sind dabei besonders auffällig.

Was können Arbeitgeber, Vorgesetzte und Ausbilder dagegen tun?

Neben einer regelmäßigen und fundierten Aufklärung spielt die Unternehmenskultur eine tragende Rolle. Alle Beschäftigten sollen jederzeit die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit berücksichtigen, ältere Kollegen und Kolleginnen sollten stets mit gutem Beispiel vorangehen: Wenn sie beispielsweise beim Tragen von Persönlicher Schutzausrüstung vorbildlich sind, helfen sie Azubis, sich im Unternehmen zurechtzufinden und sich sicher und gesund zu verhalten.

Wie spricht man junge Leute am besten an?

Wichtig ist zum Beispiel eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Ausbilder und Azubi, die sich unter anderem durch ein positives Lernklima und einen offenen Umgang mit Fehlern auszeichnet. Deshalb hat sich das Präventionsprogramm Jugend will sich-er-leben (JWSL) im Schuljahr 2018/19 mit dem Handlungsfeld Fehlerkultur beschäftigt. Es ist auch immer wieder sinnvoll, junge Kolleginnen und Kollegen in Entscheidungen und Prozesse einzubeziehen. Das hilft, schwierige Themen nachzuvollziehen und schafft Akzeptanz. Die Ideen der Auszubildenden sollten genutzt werden, um Lösungen und Verbesserungen gemeinsam zu erarbeiten. So werden die Berufseinsteiger von Anfang an im Betriebsalltag für die Sicherheit und Gesundheit sensibilisiert.

Welches Thema steht bei JWSL für das Schuljahr 2019/20 im Fokus?

Es wird um das Thema ›Suchtprävention‹ gehen. Das Ziel ist, die Risikowahrnehmung und Risikokompetenz der Jugendlichen bei den Themen ›Sucht‹ und ›Konsum‹ zu schulen und dadurch zu erhöhen. Es geht neben stoffgebundenen Süchten, wie Alkohol, Nikotin oder Medikamenten auch um die nicht stoffgebundenen, wie zum Beispiel Glücksspiel oder Videospiele. Für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gilt: Nicht erst eine ausgeprägte Sucht ist gefährdend, bereits der einmalige Konsum bei der Arbeit kann ausreichen, um sich und andere zu gefährden. Die BGHM vergibt im Rahmen ihres Sicherheitspreises einen Sonderpreis für besonders kreative Ideen von Auszubildenden zum Thema Suchtprävention. Weitere Informationen gibt es unter: www.sicherheitspreis.bghm.de.