»Je größer eine Maschine ist, umso wirtschaft­licher ist eine Modernisierung.«

Retooling

Uwe Wenzel, Vertriebsleiter bei der Global Retool Group und der Wema Vogtland Technology GmbH, spricht im Interview über Überholung, Retooling und Retrofit von Maschinen und über das Know-how der Global Retool Group.

02. September 2013

Herr Wenzel, Sie haben sich in ihrem ganzen bisherigen Berufsleben dem Thema Retrofit gewidmet. Was begeistert Sie an dieser Aufgabenstellung?

Retrofit ist nicht nur ressourcenschonend, auch der Geldbeutel wird geschont. Nur 20 bis 50 Prozent des Neupreises einer Maschine werden für komplette Überholungen angesetzt.

Wieso wird ein Retrofit bei einer Maschine notwendig?

Wie Sie beigefügtem Diagramm entnehmen können, verliert eine Werkzeugmaschinen im Laufe der Jahre an Leistungsfähigkeit. Durch Verschleiß sind die ursprünglichen Leistungsdaten nicht mehr erreichbar. Die mechanischen Bauelemente laufen ein und somit ist oft das Dämpfungsverhalten der Achsen nicht mehr so gut, und in den Getrieben kommen kleinste Lose der Zahnräder zum Tragen. Nach circa zehn Jahren rechnet man mit nur noch circa 80 Prozent der ursprünglichen Produktivität. Nach 15 Jahren geht es unter 75 Prozent. Durch den Austausch der verschlissenen Teile kann man wieder an die 100 Prozent Leistung kommen. Durch den Anbau von neuen, modernen Komponenten lassen sich Leistungssteigerungen von 25 Prozent erzielen.

Sie sprechen von Retrofit, Ihr Unternehmen, die Global Retool Group, ist im Bereich von Retooling sehr stark am Markt präsent. Wo sehen Sie die Unterschiede?

Ich möchte eigentlich von drei verschiedenen Aufgabenstellungen sprechen. Erstens ist es Overhauling, also Überholung. Hier wird die Maschine durch teilweisen Austausch oder kompletten Austausch von Bauteilen wieder in den Ursprungszustand versetzt. Als zweites ist Retrofit, also Modernisierung, zu nennen. Hier wird die Maschine durch neue Komponenten wie CNC-Steuerung, Werkzeugwechsler, Palettensystem, Schnelllaufspindel usw. auf eine höhere Leistung gebracht. Die dritte Aufgabenstellung ist das Retooling, also die Anpassung an neue Bearbeitungsprozesse. Hier werden nicht nur die Maschinen angegangen, sondern der gesamte Bearbeitungsprozess wird für die neuen Aufgaben der Maschinen angepasst.

Realisieren Sie auch reine Steuerungsumbauten?

Natürlich machen wir dies auch. Oft ist die Maschine noch in einem sehr guten Zustand. Jedoch wurde die CNC-Steuerung oder die PLC vom Hersteller abgekündigt und somit bekommen Sie nur schwer und zu hohen Preisen Ersatzteile, oder Komponenten sind nicht mehr erhältlich. Hier setzen wir mit unserer Firma Sateg an, die immense Erfahrungen auf dem Gebiet Steuerungsbau hat. Bei solch einer Aufgabenstellung benötigen Sie eine neue Bedientafel und zumindest einen Teilschrank. Wir versuchen durch Anpassungsarbeiten die alten Messsysteme zu verwenden und auch mit den alten Antrieben zu arbeiten. Teilweise ist es jedoch auch hier notwendig, durch ein Update die Versorgungssicherheit an Ersatzteilen wieder herzustellen.

Wie sieht die Ersatzteilversorgung aus?

Da wir regelmäßig Ersatzteile benötigen, haben wir mit vielen Herstellern Vereinbarungen getroffen. Normale Kaufteile kaufen wir natürlich bei den Produzenten, wie zum Beispiel Siemens oder Heidenhain ein. Fertigungsteile beziehen wir beim Maschinenhersteller oder fertigen diese Teile in unserem eigenen Haus.

Welche Funktion hat die Wema Vogtland Technology GmbH innerhalb der Global Retool Group?

Wema Vogtland ist weltweiter Marktführer im Bereich Overhauling, Retrofit und Retooling. Unser Unternehmen baut Sondermaschinen und konzentriert sich im Kerngeschäft auf Retooling und Retrofit von Werkzeugmaschinen. Die Mitarbeiter haben aufgrund der bisherigen Tätigkeiten einen immensen Erfahrungsschatz im Bereich Überholungen. Dadurch, dass wir herstellerunabhängig sind, gibt es auf der Welt keine zweite Firma, die sich so gut wie die Wema mit Überholung, Retooling und Retrofit auskennt. Es gibt fast kein europäisches Fabrikat, das noch nicht in Plauen auf den neuesten technischen Stand gebracht wurde. Mittlerweile nutzen wir dieses Know-how auch, um unseren Kunden Service- und Wartungsverträge anzubieten. Das Know-how, das im Bereich Retooling erlangt wurde, kann natürlich auch für die Instandhaltung und Wartung beim Kunden genutzt werden.

Welchen Vorteil hat der Kunde dadurch?

Der Kunde muss nicht mit verschiedenen Herstellern Verträge abschließen und für jeden einzelnen die Fahrtkosten bezahlen. Mit der Global Retool Group hat er einen Anbieter, der alle gängigen Werkzeugmaschinen in der Fertigung warten kann und im Störfall auch wieder in Funktion bringt. Generell ist sehr wichtig, dem Kunden genau zuzuhören, um zu erfahren, was er wirklich möchte und benötigt, um ihm dann eine passende und wirtschaftliche Lösung anbieten zu können.

Wie ist die Global Retool Group insgesamt aufgestellt?

Wir sind ein Zusammenschluss von mehreren Firmen, die auf ihrem Gebiet nicht nur Spezialisten sind, sondern auch oft Marktführer. Mit der Wema Vogtland, die sich seit Jahren mit Sondermaschinen, Retooling und Retrofitting befasst, haben wir für diesen Geschäftsbereich die Kernfirma. Die SVQ ist seit Jahren der Spezialist für Spannvorrichtungen für die Zerspanung, aber auch Schweißvorrichtungen und komplette Schweißanlagen. Mit der Marke Spicher verfügt die Gruppe über eine breite Palette an Automationsprodukten mit zahlreichen Patenten. Die Sateg, die neben einem reinen Schaltschrankbau Steuerungsumbauten und Steuerungen für praktisch jede Art Maschine, Prüfstände und verkettete Anlagen liefert, rundet das Produktportfolio ab.

Wie ist die GRG weltweit aufgestellt?

Wie unser Name Global Retool Group schon sagt, sind wir global aufgestellt. Aus dem Automobilbereich kommend, wo die großen Hersteller erwarten, dass man für die weltweiten Werke auch jeweils vor Ort Niederlassungen hat, hat die GRG schon sehr frühzeitig auf Globalisierung gesetzt. Wir haben Service- und Fertigungsstandorte in Osteuropa, in den USA und in China. Durch diese globale Aufstellung sind wir auch der ideale Partner für weltweite Maschinenverlagerungen.

In welchen Bereichen möchten Sie künftig noch weitere Kunden gewinnen?

Über den Automobilbereich hinaus möchten wir vermehrt den breiten Markt der Werkzeugmaschinen bearbeiten. Von den spanabhebenden Werkzeugmaschinen sind rund 30 Prozent bei Zulieferern und OEMs des Automobilsektors im Einsatz und 70 Prozent woanders. Diese 70 Prozente gilt es anzusprechen und bei den Zulieferern und OEMs jene Bereiche, die bisher noch nicht berücksichtigt wurden, auch mit abzudecken – beispielsweise bei der Einzelteilfertigung und im Formenbau.

Welche Vorteile sehen Sie noch im Bereich Retrofit?

Bei Lieferzeiten, wie wir sie in Hochkonjunkturphasen kennen, bietet das Überholen oder Retrofitting eine wesentlich kürzere Lieferzeit.

Wo sehen Sie den Bedarf an Retrofit in den nächsten Jahren? Bei kleineren oder größeren Maschinen?

Je größer eine Maschine ist, umso wirtschaftlicher ist eine Modernisierung. Bei den großen Bearbeitungszentren kommen vor allem auch noch Fundamentkosten hinzu, die oft bis zu 20 Prozent des Maschinenpreises ausmachen. Bei kleinen Maschinen ist in der Regel nur eine Überholung, also der Austausch von Verschleißteilen, sinnvoll. Bei etwas größeren Maschinen rechnet sich bereits der Einbau neuer CNC-Steuerungen. Bei den ganz großen Bearbeitungszentren rechnet sich auch der Anbau von Werkzeugwechselsystemen oder Werkstückwechselsystemen.

Wie wird sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln?

Der Markt wird in den nächsten Jahren erheblich wachsen und die Global Retool Group will an dieser Entwicklung partizipieren. Als Marktführer und herstellerunabhängiger Anbieter liegen die Vorteile auf der Hand: Der Kunde hat einen globalen Fachbetrieb mit einem riesigen Know-how, und er muss nicht mit jedem neuen Auftrag einen anderen Partner für das Retrofit einschalten.

Wieso glauben Sie, dass der Markt die nächsten Jahre stark wachsen wird?

Die Themen Umwelt und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Auch wird immer häufiger der wirtschaftliche Vergleich zwischen einer Neuinvestition und einem Retrofit angestellt. Das Ergebnis ist meist, dass ein Retrofit wirtschaftlicher ist. Ein besonders wichtiger Aspekt ist, dass die Technologiesprünge bei Neumaschinen im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren immer geringer werden. Das heißt, eine Neumaschine hat nicht mehr wesentlich höhere Drehzahlen oder Geschwindigkeiten, die den Bearbeitungsprozess verkürzen. Somit ist ein Retrofit einer etwas älteren Maschine sinnvoll. Letztlich ist für Kunden entscheidend, dass das Werkstück in ausreichender Genauigkeit zu möglichst günstigen Kosten hergestellt werden kann.

Sehen Sie in den Low-cost-Maschinen der Hersteller eine Konkurrenz zum Retrofitting?

Ganz klar nein. Retrofitting ergibt bei einfachen Maschinen keinen Sinn. Hier sind Low-cost-Maschinen wirtschaftlicher. Aber je komplexer die Maschinen sind, umso sinnvoller ist eine Modernisierung. Auch sind komplexere Anlagen im Mehrachsbereich und mit komplexeren Bearbeitungstechnologien geradezu für Modernisierungen prädestiniert. Hier gibt es weder im Low-cost-Bereich noch von vielen ausländischen Herstellern eine Alternative.

Vita

Von 1990 bis 2003 verantwortete Wenzel bei einem Großmaschinenhersteller das Thema Retrofit für Konstruktion und Umsetzung. Von 2003 bis 2009 war er als Geschäftsführer der DMG Gebrauchtmaschinen GmbH für die Instandsetzung und Modernisierung von jährlich circa 600 gebrauchten Maschinen zuständig. Von 2009 bis 2013 war Uwe Wenzel freiberuflich als Sachverständiger für Maschinen tätig. Seit 2013 verantwortet er den Vertrieb innerhalb der Global Retool Group.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013