Industrieservice ist ein zentraler Wettbewerbsfaktor

Die aktuelle Lünendonk-Studie ›Industrieservice-Unternehmen in Deutschland‹ zeigt unter anderem, dass Industrieservice ein wichtiger Teil der Produktion in Deutschland ist und dass die Gründe für Personalmangel auch branchenspezifisch sind. Mitarbeiterbindung und Zusatzleistungen rücken in den Vordergrund. Der Studie liegen Zahlen, Daten und Fakten von 36 in Deutschland tätigen Industrieservice-Unternehmen zugrunde – darunter die 20 führenden.

21. November 2019
Industrieservice ist ein zentraler Wettbewerbsfaktor
Fachkräftemangel und Preisdruck behindern Industrieservice. (Quelle: Lünendonk & Hossenfelder)

Der herstellerunabhängige Industrieservice ist ein zentraler Wettbewerbsfaktor für produzierende Unternehmen in Deutschland. Das vielfältige Leistungsangebot reicht von der Abdeckung von Auslastungsspitzen über Services, die Spezialwissen erfordern, bis hin zu Engineering Services und dem Outsourcing von komplexer Instandhaltung.

Als eine große Herausforderung der Branche erweist sich der Personalbedarf – sowohl für mittelständische Industrieunternehmen als auch für die Service-Unternehmen. Finden die Unternehmen kein Personal für die Instandhaltung, ist die Produktion gefährdet. Die Gründe hierfür liegen in der generellen demografischen Entwicklung ebenso wie in der zunehmenden Akademisierung, aber auch in industrieservice-spezifischen Ursachen.

Das bedeutet für die Industrieservice-Unternehmen: Sie müssen ihre Vergütungsmodelle verbessern. Auch Auftraggeber werden nicht umhinkommen, über attraktivere Verrechnungssätze die Leistungsfähigkeit der benötigten Dienstleister sicherzustellen. Was aber sind marktspezifische Ursachen und welche Maßnahmen hält die Branche für zielführend? Diese Fragen haben die führenden Anbieter im Rahmen der aktuellen Ausgabe der jährlich erscheinenden Lünendonk-Studie ›Industrieservice-Unternehmen in Deutschland‹ beantwortet.

Gründe für Personalmangel sind vielfältig

Der lang anhaltende Aufschwung seit 2006 führte zu einer Rekordbeschäftigung in Deutschland. Diese Entwicklung in Verbindung mit den geburtenschwachen Jahrgängen und einem gering ausgeprägten Interesse an technischen Ausbildungen und Berufen ist im Industrieservice bereits seit vielen Jahren zu spüren. Des Weiteren verschärfen die demografische Situation und die baldige Verrentung der Babyboomer die Lage.

Neben diesen gesamtwirtschaftlichen Faktoren analysierte Lünendonk auch spezifische Bedingungen der Industrieservice-Branche. Die Dienstleister wurden gebeten, die Einflüsse zu benennen, die im Industrieservice-Bereich besonders zum Personalmangel beitragen. Als größte Herausforderung sehen die Studienteilnehmer das Image der Branche, gefolgt von der demografischen Entwicklung. Zu den direkt beeinflussbaren Gründen für den Personalmangel wird sodann die vergleichsweise niedrige Lohnstruktur genannt, die von der Bereitschaft der Auftraggeber abhängig ist, auskömmliche Verrechnungssätze zu akzeptieren.

Großteil der Dienstleister bietet Zusatzleistungen an

Um dem Mangel entgegenzuwirken, arbeiten die Dienstleister mit zahlreichen Angeboten und Maßnahmen für das Recruiting und die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen. Fast 90 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie grundsätzlich geldwerte Zusatzleistungen wie Mobiltelefone, Dienstwagen oder Tankzuschüsse für ihre Mitarbeiter anbieten. Aber auch Partnerangebote wie der kostenfreie Zugang zu Fitnessstudios oder anderen Freizeiteinrichtungen sind beliebt und werden von mehr als der Hälfte aller Dienstleister genutzt. »Und auch langfristig wirkende Leistungen wie etwa eine betriebliche Altersvorsorge oder sonstige vermögenswirksame Leistungen stehen bei einer großen Mehrheit im Angebot“, erklärt Studienautor Thomas Ball.

Grundsätzlich darf ein modernes Recruiting dabei nicht auf eine zielgruppengerechte Ansprache verzichten. Dies gilt insbesondere, da sich in den letzten Jahren der Rekrutierungsprozess stark verändert hat. Glich er früher einem Einkaufsprozess, bei dem aus den vorhandenen Bewerbungen die besten ausgewählt wurden, so hat sich dies nun umgekehrt. »Personalsuchende müssen stärker als Vertriebler agieren und im Wettbewerb um Mitarbeiter ihr Unternehmen als guten Arbeitgeber verkaufen«, kommentiert Thomas Ball.