22. JULI 2018

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"Praktisch jedes Druckluftnetz weist Undichtigkeiten auf."


Defekte Schläuche, undichte Ventile, falsche Installationen und ineffiziente Kupplungen treiben die Energiekosten für die Erzeugung der Druckluft unnötig hoch. Denn der Kompressor muss mehr Luft bereitstellen, als bei optimaler Auslegung des Netzes nötig wäre. Atlas Copcos Energieberater Karsten Decker erklärt im Interview, warum das Einsparpotenzial selbst bei kleineren Betrieben beträchtlich ist.
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 … und der zweite Grund für eine professionelle Begehung?
Zweitens sind unsere Techniker natürlich auf alle möglichen Probleme sensibilisiert. Sie schauen bei der Begehung die Druckluftinstallation insgesamt an. Selbst wenn es eigentlich keine größeren Leckagen zu beklagen gibt, fallen ihnen zum Beispiel zu geringe Leitungsquerschnitte, zu viele Verzweigungen oder andere Ineffizienzen auf. Zehn Leitungsbögen hintereinander etwa. Ein langjähriger Mitarbeiter des Kunden würde über so etwas möglicherweise hinwegsehen. Dabei könnte man die zehn überflüssigen Bögen vielleicht in drei Stunden begradigen lassen – und käme dann auf Dauer mit 0,5 bar weniger Druck aus. Das ist eine wahre Goldgrube.

Ich gehe davon aus, dass den meisten Anwendern die Thematik mit Bögen oder Leitungsquerschnitten nicht bewusst ist. Können Sie die Zusammenhänge bitte noch einmal kurz umreißen.
Ein Großteil der Kompressorleistung – das können durchaus bis zu 30 Prozent sein – geht auf dem Weg zum Verbraucher verloren, selbst wenn keine besonders großen Leckagen vorhanden sind. Das Problem sind Luftleitungen mit zu kleinem Querschnitt, falsche Installationen, unvermeidliche Strömungswiderstände in Armaturen und Leitungszubehör – von Rauigkeiten der Wandungen einmal abgesehen. Letztere allerdings treten bei modernen Leitungen wie unserem AirNet praktisch nicht mehr auf. Dazu kommen zu klein gewählte Kupplungen, zu lange Schläuche oder solche mit zu kleiner Nennweite. All diese Punkte führen zu Druckverlusten.

Aber selbst 'perfekte' Kupplungen bringen Druckverluste mit sich. Die kann man doch gar nicht verhindern.
Schon richtig. Aber wer ein Leitungsnetz und die Anschlüsse der Arbeitsplätze plant, sollte die Fallstricke kennen. Alles, was die Strömungsgeschwindigkeit erhöht, senkt gleichzeitig den Druck. So erleichtert beispielsweise ein Kurzschlauch zwar die Handhabung eines Werkzeugs, kann aber wegen der zusätzlichen Kupplung und der Querschnittsreduzierung zu Druckverlusten von bis zu 0,5 bar führen, abhängig von seiner Größe und dem Luftbedarf des Werkzeugs. Und wenn mehr Luftverbraucher – zum Beispiel Werkzeuge oder pneumatische Antriebe – gleichzeitig laufen, als bei der Auslegung des Leitungsnetzes geplant waren, kommt es ebenfalls zu Druckverlusten.

Wir fassen zusammen: Leitungsquerschnitte und Schlauchdurchmesser sollten möglichst groß sein, Kupplungen hohe Durchflussmengen erlauben, und Wartungseinheiten sollten auf geringe Druckverluste hin optimiert sein.
All das hilft jedenfalls, die Verluste in der Installation niedrig zu halten, die Produktivität zu steigern und Energiekosten zu senken.

Abgesehen von den zu hohen Stromkosten: Wie beeinflusst eine schlechte Installation die Leistung der Maschinen?
Solange die Maschinen mit zum Beispiel 4 bar auskommen, ist das kein großes Problem. Bei einigen Werkzeugen, deren Leistung stark vom Fließdruck abhängt, macht sich das natürlich schon bemerkbar. So kann die Werkzeugleistung etwa bei Druckluft-Schleifmaschinen um bis zu 50 Prozent sinken, wenn der Fließdruck im Leitungsnetz von 7 auf 5 bar fällt. Schon bei einem Rückgang von gut 6 auf 5 bar geht die Lastdrehzahl je nach Werkzeugart zum Teil um 25 Prozent zurück, obwohl die Leerlaufdrehzahl nur um fünf Prozent abnimmt. Sprich, ein Mitarbeiter muss mit einer Schleifmaschine entsprechend länger schruppen, um die gleiche Menge an Material abzutragen. Bei Schraubwerkzeugen und Blaspistolen macht sich das nicht so sehr bemerkbar; aber auch sie arbeiten effizienter, wenn der Druck stimmt.

Ab welchem jährlichen Druckluftverbrauch lohnt sich eine Leckageortung für einen Betrieb?
Eine Leckageortung lohnt sich eigentlich für alle Unternehmen; denn praktisch jedes Druckluftnetz weist Undichtigkeiten auf. Sie kostet bei uns etwa 950 Euro als Tagessatz, womit alle anfallenden Kosten abgedeckt sind. Der Betrag amortisiert sich in der Regel bereits nach wenigen Wochen.


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Datum:
08.12.2017
Unternehmen:
Bilder:
Atlas Copco
Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH
Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH
Bild: Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik
Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH

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