22. JULI 2018

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Trends in Flottenmanagement und Instandhaltung


Digitale Datenerfassung und -vernetzung führen zu neuen Konzepten im Schiffsbetrieb und der Instandhaltung. Martin Johannsmann, Leiter Marine Business Unit bei SKF, erläutert einige der wichtigsten Trends in den Bereichen Schiffsbetrieb, Zustandsüberwachung und Instandhaltung in der maritimen Industrie.
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Traditionell erfolgen umfangreichere Wartungsarbeiten auf Schiffen in Trockendocks. In der Schifffahrt von heute muss das nicht zwangsläufig so sein, denn auch hier wird die Technologie der Zustandsüberwachung, der Vernetzung hieraus gewonnener Informationen und insbesondere die Flottenunterstützung von Land zunehmend genutzt. Vor allem die verknüpfte Nutzung dieser Daten – um sowohl die Instandhaltung als auch die Sicherheit und darüber hinaus die Umweltverträglichkeit zu verbessern – führt zu signifikanten Vorteilen für das Flottenmanagement.

Nehmen wir zum Beispiel die italienische Kreuzfahrtgruppe „Costa Group“. Deren so genanntes „Fleet Operation Center“ (FOC), das kürzlich in Hamburg in Betrieb genommen wurde, dient als operatives Zentrum für 26 Kreuzfahrtschiffe der Gruppe. Im FOC arbeiten 14 Spezialisten an einer digitalen Rund-um-die-Uhr-Überwachung und -Analyse der Daten, die sie direkt von den Schiffen erhalten.

Viele andere Reedereien verfolgen ähnliche Ansätze, aber das FOC der Costa Group dürfte das bekannteste sein – nicht zuletzt wegen seines hohen technischen Niveaus. Ganz bestimmt ist es ein hervorragendes Aushängeschild für die Bedeutung der modernen Borddatenüberwachung.

CM-Systeme

Das Condition Monitoring (CM), also die Zustandsüberwachung von Anlagen, dient zum einen der Instandhaltungsvorbereitung, zum anderen aber auch einem reibungslosen Betrieb der Schiffe. Die Zustandsüberwachung ist auch in der Schifffahrt weit verbreitet; beispielsweise hat SKF verschiedene CM-Systeme in über 600 Schiffen installiert. Allerdings wird der Großteil dieser Systeme bislang lediglich als eine Art „Insellösung“ genutzt: Mitglieder der Besatzung überprüfen etwa die Wälzlager und entscheiden anhand der Daten, ob und ggf. welche Instandhaltungsmaßnahmen notwendig sind. Dabei erfassen sie die erforderlichen Daten in der Regel mit tragbaren Geräten. Zwar können die Besatzungsmitglieder auf Fachwissen an Land zugreifen, aber miteinander vernetzt sind die jeweiligen Systeme nicht.

Demgegenüber überwacht eine cloud-basierte Lösung die Maschinen mit fest installierten Sensoren, deren Signale drahtlos an eine Onshore-Zentrale – ähnlich dem FOC – übertragen werden, von wo aus Spezialisten Ratschläge zur weiteren Wartungsoptimierung bestimmter Maschinen bzw. Komponenten erteilen können.

Lange hat sich die Branche mit vernetzten CM-Systemen etwas schwer getan. Beispielsweise, weil die Crews Sorge hatten, dadurch selbst von ihrem Management überwacht zu werden. Manch kleinere Reederei wiederum befürchtet einen zunehmenden Aufwand, was das Management entsprechend komplexerer Installationen anbelangt.

Allerdings gibt es auch Einflussfaktoren, die Veränderungen in dieser Richtung vorantreiben. Dazu gehört natürlich der allgegenwärtige Kostendruck, und gerade Instandhaltungsarbeiten in Trockendocks schlagen besonders teuer zu Buche. Senken lassen sich die damit verbundenen Kosten u. a. durch die Verlängerung der Wartungsintervalle. Zur Ausweitung dieser Zeiträume kann modernste Zustandsüberwachungstechnik in Kombination mit einer sachgemäß implementierten, zustandsabhängigen Instandhaltung (Condition Based Maintenace – CBM) maßgeblich beitragen. Beispielsweise hat SKF Erfahrungen mit Monitoringsystemen für Thruster, die die Wartungsintervalle von ursprünglich fünf auf siebeneinhalb Jahre verlängern können.

Wichtige Umweltaspekte

Ähnliche Systeme sind auch zur Überwachung umweltrelevanter Daten erhältlich: So hilft etwa SKF Blue-Mon sowohl dem landbasierten Flottenmanagement als auch der Besatzung, den sich häufig ändernden Umweltvorschriften nachzukommen. Darüber hinaus könnte das System auch Behörden dazu dienen, die Einhaltung von Umweltvorschriften zu kontrollieren. Beispielsweise gelten für den Atlantik andere Vorschriften als für die Ostsee, was bei der Befahrung beider Meere Auswirkungen auf den Betrieb haben kann – zum Beispiel in punkto „Bilgenwasser“: Das Lenzen ist in der Ostsee wesentlich stärker reglementiert als im Atlantik, so dass ein online vernetztes System wie SKF Blue-Mon die Crew dabei unterstützt, ihren lokal geltenden Verpflichtungen nachzukommen und damit örtlich illegale Entsorgungen zu verhindern. Anhand eines GPS-Weltkarten-Overlays, das Einzelheiten zu den aktuellsten Standortvorschriften enthält, lässt sich das Bilgenwasser-Ausgangsventil sogar abschalten.


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Datum:
23.08.2016
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