»In Zukunft wird es wichtig sein, eine höhere Flexibilität zu gewinnen.«

Unternehmensberatung

Unternehemensberater Prof. Dr. Dimitrios Kalaitzis, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Kalaitzis & Partner GmbH, erklärt, wie sich die Instandhaltungsbranche wandelt und welche Feinheiten ein Berater kennen sollte.

10. September 2012
Dr. Dimitrios Kalaitzis, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Kalaitzis & Partner GmbH
Bild 1: »In Zukunft wird es wichtig sein, eine höhere Flexibilität zu gewinnen.« (Dr. Dimitrios Kalaitzis, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Kalaitzis & Partner GmbH)

Instandhaltung ist zurzeit das Thema, das am häufigsten nachgefragt wird. Gleichwohl jedoch werden bei uns zunehmend Projekte hinsichtlich des Technischen Managements von Unternehmen, wie zum Beispiel Durchführung von Anlageninvestitionen, neue Geschäftsmodelle für Betrieb und Instandhaltung, Rückbau von Anlagen, Energiemanagement sowie rechtliche Aufgabenstellungen, durchgeführt. Unsere Kunden sind dabei mittelständische und große Unternehmen, die auch international tätig sind. Hier vollzieht sich derzeit ein Wandel des Marktes.

Was ist das für ein Wandel?

Im Energiesektor werden zum Beispiel Kernkraftwerke außer Betrieb genommen und rückgebaut. Hier geht es darum, Alternativen zu finden und zu schauen, in welche Anlagen investiert werden sollte. Das können beispielsweise Gas- und Dampfkraftwerke, Kohlekraftwerke oder erneuerbare Energien sein. Hier unterstützen wir unsere Kunden nicht nur beratend bei Investitionsentscheidungen, sondern auch beim Neubau und Betrieb von Anlagen. Zudem haben wir es mit einer zunehmenden Internationalisierung des Marktes zu tun mit sich rasch ändernden Kundenbedarfen. Die Rückkoppelung dazu heißt, dass die Unternehmen zur Erhaltung beziehungsweise Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit darauf mit einer höheren Flexibilität, anderen Konzepten und neuen Geschäftsmodellen reagieren müssen. Diese neuen Geschäftsmodelle wirken sich zum Beispiel auf die bereitzustellenden Anlagen, deren Verfügbarkeiten aber insbesondere auch auf Betrieb und Instandhaltung aus.

Und da stehen Sie dann beratend zur Seite?

Genau. Wir beraten Unternehmen in allen diesen Aufgabenstellungen. Aber auch bei bestehenden Anlagen ermitteln wir zum Beispiel, wo und welche Verbesserungspotenziale, zum Beispiel in Betrieb und Instandhaltung, bestehen und schöpfen diese gemeinsam mit den Kunden aus. Hierzu steigen wir unter anderem ein in die einzelnen Anlagenstrukturen und Werkstätten vor Ort, also in das Operational Maintenance. Da wir erfahrene Berater haben, die zuvor in technischen Linienfunktionen tätig waren, bringen wir dabei die erforderliche fachliche und soziale Kompetenz ein.

Gibt es eine typische Projektagenda?

Jeder Kunde ist anders. Wir stellen uns individuell auf jeden Kunden und seine Zielsetzungen ein, lernen seine Bedürfnisse und Motivationen kennen. Auf dieser Basis gestalten wir gemeinsam ein Projekt. Unser zentrales Merkmal ist, die Mitarbeiter in den Veränderungsprozess einzubinden. Sie müssen an der Entwicklung teilnehmen, damit die Maßnahmen langfristig greifen.

Über wie viele Berater verfügt Ihr Unternehmen?

Wir haben circa 25 ständige Berater und darüber hinaus weitere freiberuflich tätige Mitarbeiter, die uns nach Bedarf zur Verfügung stehen. Einige Mitarbeiter unserer ehemaligen Kunden arbeiten jetzt bei Dr. Kalaitzis & Partner in Projekten oder leitenden Funktionen. Die Instandhaltung ist ein stark wissensgeprägter Bereich und lebt sehr viel von Erfahrung. Es reicht nicht aus, die Sprache des Kunden zu sprechen, es sind auch die Feinheiten zu beachten.

Welche Feinheiten sind das?

Zum Beispiel ist ein Ersatzteillager in der Mechanik nicht so aufgeräumt wie in der Elektrik. Auch ist bekannt, dass es nur wenige Unternehmen gibt, die keine sogenannten schwarzen Lager haben. Teilweise werden die Prozesse in der Praxis nicht so gelebt, wie es in den Handbüchern oder Prozessbeschreibungen steht.

Welche Trends sehen Sie in der Instandhaltung?

Da gibt es eine Vielzahl von Trends. Ich glaube, für Unternehmen wird es in Zukunft wichtig sein, dass sie in der Instandhaltung beziehungsweise insgesamt im technischen Management eine höhere Flexibilität gewinnen. Wandelnde Märkte verlangen vom technischen Management diese Flexibilität und eine schnelle Reaktion. Dafür werden beispielsweise technisches Controlling sowie Führungs- und Steuerungssysteme benötigt. Auch Umwelt-, Qualitäts- und Sicherheitsmanagement werden immer wichtiger. Das Fremdfirmen-Management wird ebenfalls zunehmen und der Umgang mit Partnerunternehmen ist zu überdenken.

Wie sehr trifft der Fachkräftemangel das Instandhaltungsmanagement?

Zurzeit werden qualifizierte Absolventen händeringend gesucht. Es gibt viele Unternehmen, die zum einen Mitarbeiter suchen und keine qualifizierten finden. Zum anderen sind sie teilweise mit der Ausbildung in Form des Bachelor-Systems nicht zufrieden. Manche Unternehmen setzen deshalb auf interne Weiterbildungen dieser Bachelor-Ingenieure. Ihnen fehlt teilweise der Praxisbezug, sodass sie nicht sofort effektiv eingesetzt werden können. Deshalb arbeiten die Unternehmen an Konzepten und Systemen zur Einführung und Hinführung für einen effektiven Einsatz der Absolventen. Und wir arbeiten daran mit

Vita

Prof. Dr. Dimitrios Kalaitzis hat in Dortmund Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Anlagenwirtschaft und -technik studiert und später in Nürnberg über die Rationalisierung der industriellen Instandhaltung promoviert. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Kalaitzis & Partner GmbH unterrichtet er als Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Unternehmensführung und Controlling an der Universität Bamberg.

Erschienen in Ausgabe: 02/2012