Geschäfte mit Profil

Maschinen-Retrofit

Herbert Maschinenbau stellt Formen und Werkzeuge für die Produktion von Fahrzeugreifen aller Art her und setzt auf Retrofitting de luxe durch die Dörries Scharmann Technologie (DST), eine Tochter der Schweizer Starrag Group.

28. August 2014
»Wenn wir als Generalunternehmer eine gebrauchte Maschine verkaufen, dann nur mit einem umfänglichen Retrofit.« Hans Jeschke, Direktor Service bei Dörries Scharmann Technologie.
Bild 1: Geschäfte mit Profil (»Wenn wir als Generalunternehmer eine gebrauchte Maschine verkaufen, dann nur mit einem umfänglichen Retrofit.« Hans Jeschke, Direktor Service bei Dörries Scharmann Technologie.)

Herbert Maschinenbau in Hünfeld stellt Formen her, mit denen Reifen unter anderem für Fahrräder, Pkw, Bagger oder Erdbewegungsmaschinen entstehen. Außerdem arbeitet das Unternehmen auch als Job-Shop, der im Kundenauftrag zerspant.

Da die Hessen im Gegensatz zu Wettbewerbern ihre Formen nicht gießen, sondern zerspanen, spielt die Produktion mit ihren rund 50 Werkzeugmaschinen eine sehr wichtige Rolle. Sie müssen bei den Formen teilweise auf 30 bis 50 µ exakt zerspanen. Vor sechs Jahren entdeckte Herbert, dass auch gebrauchte Maschinen nach einem gezielten Retrofit ihre hohen Ansprüche erfüllen können.

Senkrechtdrehmaschine

»2005 sind wir in das Geschäft mit 4,0 bis 5,5 Meter großen Formen eingestiegen«, erinnert sich der Produktionsleiter Wolfgang Stumpf. Als ein Reifenhersteller den eigenen Reifenformenbau auslagerte, hat Herbert eine Dörries-Senkrechtdrehmaschine Typ VC 6500/600 MC (Baujahr 1999) von ihm gekauft.

Die gesamte Logistik inklusive Transport und Inbetriebnahme der Maschine übernahm die DST aus Mönchengladbach. Aufgrund der guten Erfahrungen mit DST entschied sich Herbert, zum wirtschaftlichen Zerspanen von bis zu 4,2 Meter großen Formen eine Dörries-Senkrechtdrehmaschine zu kaufen.

»Es stand wieder ein solides Arbeitspferd an, das leistungsfähig und robust ist, mit dem wir auch verstärkt in die Lohnfertigung für Firmen aus der Region einsteigen wollen«, erklärt Stumpf: »Sie muss daher auch flexibel sein. Wir wollen sie beispielsweise zum Drehen von Bauteilen für Windkraftanlagen und für Windmaschinen einsetzen.«

Die Gunst der Stunde schlägt für die Hessen 2013, als ein Liebherr-Werk eine gebrauchte Dörries-Senkrechtdrehmaschine Typ CTE 320 (Baujahr 1983) anbietet, die bereits 2001 eine neue Siemens-Steuerung (840 D) erhalten hatte. »Beim Retrofitting wollten wir keinerlei Kompromisse eingehen«, blickt der Produktionsleiter zurück.

»Um die Qualität einer neuen Maschine zu erhalten, ließen wir alles erneuern, was nicht unseren Ansprüchen entsprach«, erkläft Stumpf. Das Retrofitting übernahm der DST-Service, der die Hydraulik komplett und die Elektronik teilweise erneuert, die Hauptlager ersetzt und sämtliche Führungen überholt hat. Der Kauf der Gebrauchten war allerdings eine Ausnahme, denn normalerweise bietet die Tochter der Starrag Group nur neue Maschinen an.

»Wenn wir als Generalunternehmer eine gebrauchte Maschine verkaufen, dann nur mit einem umfänglichen Retrofit«, betont Hans Jeschke, Direktor Service bei DST. »Denn unsere Kunden erwarten, dass sie von uns eine Gebrauchte erhalten, die den gleichen, sehr hohen Qualitätsansprüchen entspricht, die an eine neue Maschine gestellt werden. Daher haben wir auch die komplette Mechanik überholt und in Neuzustand versetzt.«

Komplette Einhausung

Die gesamte Fitness-Kur für die 30 Jahre alte Maschine hatte einen Schwerpunkt im Bereich HSE: Die drei Buchstaben stehen für ›Health, Safety and Environment‹. Stumpf: »Weil uns die Gesundheit und die Arbeitssicherheit der Mitarbeiter besonders am Herzen liegt, ließen wir die Maschine komplett neu einkleiden.« Dank der kompletten Einhausung werden die Mitarbeiter nicht mehr den Aerosol-Dämpfen ausgesetzt und die Lärmemissionen werden reduziert.

Eine derartige Fitness-Kur kommt aber nicht immer in Frage. Kurt Frings, Head of Service, Project Engineering and Field Service: »Die Maschine muss schon eine gewisse Größe und bestimmte Merkmale wie robuste Mechanik aufweisen. Es muss einiges an Substanz übrig bleiben, damit sich ein Retrofit lohnt.«

In Hünfeld hat sich das Retrofit sicherlich rentiert, denn der Auftraggeber erhält nicht nur eine neuwertige Senkrechtdrehmaschine mit einem besonderen Extra. Service-Direktor Jeschke: »Die gebrauchte Maschine enthielt ein hochwertiges Zwölf-Backen-Futter mit Pendelausgleich, das der Kunde bei einer Neuinvestition nur mit einem erheblichen Aufpreis erhalten hätte.«

Erschienen in Ausgabe: 02/2014