Funktion nach Bedarf

Management

Software - Das Enterprise Asset Management ist ein wichtiger Baustein intelligenter Instandhaltung. Die Wahl des EAM-Systems, die Ausprägung und Konfiguration sowie die Einführungsstrategie haben Einfluss auf den erfolgreichen Einsatz.

24. März 2015
Bei der Einführung eines Enterprise Asset Managements gilt es einiges zu beachten: Die Funktionen sind je nach Ausrichtung des Unternehmens in unterschiedlicher Art und Tiefe einzurichten. Ein typischer Projektablauf umfasst die Schritte vom Scoping bis zum Go Live (Tabelle). Quelle: Mario Simeunovic/pixelio.de
Bild 1: Funktion nach Bedarf (Bei der Einführung eines Enterprise Asset Managements gilt es einiges zu beachten: Die Funktionen sind je nach Ausrichtung des Unternehmens in unterschiedlicher Art und Tiefe einzurichten. Ein typischer Projektablauf umfasst die Schritte vom Scoping bis zum Go Live (Tabelle). Quelle: Mario Simeunovic/pixelio.de)

Die Einführung eines EAM-Systems beschränkt sich dabei nicht allein auf die DV-gestützte Umsetzung einer unternehmensspezifischen Instandhaltungsstrategie, bestehend aus einem Mix von schadensbasierter, zeitbasierter und zustandsorientierter Instandhaltung, wie Michael Lex, Gesellschafter und Prokurist der GiS Gesellschaft für integrierte Systemplanung, erklärt. »Ein EAM-System umfasst deutlich mehr Funktionalitäten, die je nach Ausrichtung des Unternehmens und der zugehörigen Instandhaltung in unterschiedlicher Art und Tiefe einzurichten sind.« Hierbei sind sinnvollerweise auch Schnittstellen, etwa zum Condition Monitoring und zur mobilen Datenerfassung, mit einzubeziehen.

Kernfunktionen im Überblick

Um alle Facetten der Instandhaltung ausreichend bedienen zu können, beinhalten die am Markt befindlichen leistungsfähigen EAM-Systeme eine Vielzahl an Funktionalitäten, konstatiert Lex. Als Kernfunktionalitäten typischer EAM-Systeme zählt er unter anderem das Anlagenmanagement, das Auftragsmanagement sowie Materialmanagement, Beschaffungsmanagement und Vertragsmanagement auf.

Das Anlagenmanagement umfasst die aus EAM- und Unternehmenssicht optimierte Abbildung der Instandhaltungsobjekte und deren räumliche Anordnung. Sie stellt alle notwendigen Informationen für die operative Planung und Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen bereit und sammelt alle Informationen im Sinne eines vollständigen Lebenslaufs. »In Verbindung mit einem Dokumentenmanagement-System und den Verbindungen zu den einzelnen Modulen des EAM-Systems ist das Anlagenmanagement die zentrale Informationsplattform des Systems«, so Lex.

Das Auftragsmanagement ist die Grundlage für die Tätigkeiten direkt vor Ort. »No order, no work muss das Motto der Instandhaltung sein, um alle Facetten, die im Rahmen der Instandhaltungstätigkeiten zu berücksichtigen sind, abzudecken«, stellt der Prokurist heraus.

Arbeitsaufträge sollten neben der konkreten Arbeitsanweisung zum Beispiel auch Vorgaben hinsichtlich der Arbeitssicherheit, des Umweltschutzes und der Dokumentation beinhalten, empfiehlt er. Zur Vermeidung von unnötigen Fehl- und Wegezeiten sollte ein Arbeitsauftrag gegebenenfalls auch Informationen bezüglich benötigter Ersatzteile, Werkzeuge und Hilfsstoffe umfassen.

Tools zur Bewertung

Das Materialmanagement hat die Aufgabe, termingerecht und in ausreichender Qualität benötigte Komponenten, Ersatzteile, Hilfsstoffe und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. »Eine ausreichend detaillierte technische Beschreibung ermöglicht im Bedarfsfall die Auswahl alternativer Materialien«, so Lex. Durch frühzeitige Planung von Arbeitsaufträgen und unter Berücksichtigung der für die Arbeiten erforderlichen Materialien kann das Lager die Lagerhaltung vorausschauend ausrichten.

Das Beschaffungsmanagement unterstützt alle Phasen des Einkaufs. Den Einkäufern werden Werkzeuge wie Bedarfsanforderungen, Angebotsanfragen, Zulieferer-Informationen oder Einkaufs- und Vertragskonditionen an die Hand gegeben.

»Tools zur Lieferantenbewertung und Lieferanten-Performance-Analyse eliminieren Einkäufe bei Lieferanten, deren Qualität oder Lieferzeiten nicht eingehalten werden«, so der Prokurist. Automatisierte Intervall-, Anzeigen- oder ereignisgesteuerte Einkaufsmöglichkeiten würden sicherstellen, dass die richtigen Teile rechtzeitig vor Ort sind.

Das Vertragsmanagement stellt Informationen zu Einkauf, Leasing, Vermietung, Garantieansprüche, Lohnkosten, Master-, Rahmen- und Einzelverträgen bereit. Vertragsbeziehungen verlinken Service Level Agreements mit Lieferantenverträgen. Sie helfen dabei, unzuverlässige oder kostenintensive Lieferanten zu identifizieren.

Eine Bibliothek von Lieferbedingungen ermöglicht, für alle Lieferanten die gleichen Bedingungen zu formulieren. Automatische Benachrichtigungen und Alarmmeldungen helfen, Lieferantenbedingungen einzuhalten und unnötige Vertragsstrafen zu vermeiden.

Entscheidung für das richtige System

Doch schon zu Beginn, bei der Auswahl des Systems, gilt es einiges zu beachten, wie Lex erläutert. »Häufig entscheiden sich Unternehmen für ein EAM-System, das Bestandteil des im Einsatz befindlichen ERP-Systems ist. Dies muss aber nicht immer die optimale Wahl sein.«

So gibt es Unternehmen, die sich trotz Einsatz einer ERP-Lösung entschließen, ein EAM-System wie IBM Maximo einzuführen. »Die Motivation dazu wird zusätzlich unterstützt, wenn das betreffende EAM-System eine leistungsfähige Branchenlösung wie Automotive, Oil & Gas oder Wind anbieten kann.«

»Häufig vorgetragene Bedenken hinsichtlich der erforderlichen Schnittstellen zwischen EAM- und ERP-Systemen stellen heutzutage kein Problem mehr dar.« Diese seien standardmäßig in dem Portfolio solcher EAM-Systeme enthalten und würden damit die kaufmännischen Aspekte des Instandhaltungsmanagements umfassend abdecken.

Der richtige Weg für eine derartige Entscheidungsfindung ist in der Gegenüberstellung der Lösungsansätze unterschiedlicher EAM-Systeme zu sehen, sagt der Prokurist, »idealerweise unterstützt durch Experten, die sowohl die Aufgabenstellung des Unternehmens als auch die Funktionalitäten der zu untersuchenden EAM-Systeme kennen.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2015