Fluide unter Kontrolle

Fluidmanagement

Die korrekte Funktion von Fertigungsmaschinen erfordert eine fachgerechte Wartung. Systematisches Fluidmanagement kann Schäden und Ausfälle verhindern – das zeigen die Fachleute der S.I.S. Gruppe bei ihrem Einsatz in der Automobilindustrie.

24. März 2014

Grundsätzlich betrachtet kann eine automatische Fertigungsanlage sehr lange in Betrieb bleiben. Voraussetzung ist, dass man sich um die Pflege kümmert. Jürgen Stroth, Gebietsleiter bei der S.I.S. Gruppe, vergleicht Fertigungsanlagen gern mit Autos.

»Treibstoff nachfüllen allein reicht nicht, man muss hin und wieder nachgucken, ob genug Kühlmittel da ist und ob der Ölstand in Motor und Getriebe stimmt. Und früher oder später muss man das Öl auch mal wechseln, samt Filter.« Genau wie Autos brauchen Maschinen Öle und Fette, um ihre bewegten Teile tatsächlich so beweglich zu halten, wie sie es für ihre Aufgabe benötigen. Hydrauliksysteme sind weit verbreitet – und die brauchen Schmiermittel.

Darin liegt eine Aufgabe, die gern unterschätzt wird. Eine einzelne Maschine hat ihren eigenen Rhythmus, möchte zur richtigen Zeit frisches Öl, braucht Fett von genau der richtigen Qualität. Umso komplexer wird es bei einem Werk mit diversen Maschinen, die unterschiedlich alt sind und von verschiedenen Herstellern für unterschiedliche Funktionen gebaut wurden. »Jede einzelne braucht Aufmerksamkeit, denn ein Ausfall wäre fatal«, erklärt Jürgen Stroht. Moderne, hoch vernetzte Werke sind darauf angewiesen, dass alle Elemente funktionieren, sonst droht Stillstand.

Früher sei es auch nicht einfacher gewesen, meint Stroth. Da habe es Personal gegeben, das ständig Öl- und Fett nachschüttete. »Es gab jedoch keine Kontrolle über das Verhalten der Maschine. Erhöhter Verbrauch kündigt nicht zuletzt einen Defekt an, und wenn man das mitbekommt, kann man rechtzeitig eingreifen. Deshalb arbeiten wir von S.I.S. mit einem Fluid-Kontrollsystem, mit dem wir stets den Überblick über alle Maschinen und Verbräuche haben«, verdeutlicht Jürgen Stroht.

Schmiertechnische Wartung

Ein Auftraggeber der S.I.S. ist ein namhafter Automobilhersteller aus dem Stuttgarter Raum. Rund 5.000 Maschinen versammeln sich dort in den Hallen. Die schmiertechnische Wartung der Maschinen liegt seit einigen Jahren in den Händen der S.I.S. Gruppe. »Zu Anfang unseres Einsatzes haben wir eine Bestandsaufnahme und Datenmigration gemacht: alle Maschinen, etwa 5.000 Stück, mit sämtlichen Schmierstellen, etwa 30.000 an der Zahl. Wir haben die Standortbestimmung übernommen, die Kostenstelle und Einzelheiten zu den benötigten Betriebsstoffen und Wartungsperioden. Wir kennen alle relevanten Daten jeder einzelnen Maschine«, beschreibt Jürgen Stroth die Implementierung des Systems.

Das Ergebnis ist eine umfangreiche Datenbank. Auf diesen Speicher greifen die S.I.S.-Mitarbeiter über mobile Geräte zu, die mit einem Laserscanner ausgestattet sind. Jede Maschine und jede Schmierstelle trägt dafür ein Etikett mit Strichcode. So erhält der S.I.S.-Mitarbeiter alle wichtigen Informationen inklusive Historie, die er für gezieltes Fluidmanagement benötigt. Weiterhin wird über diese Geräte die Arbeitsvorbereitung gesteuert. Wartungs- und Prüfaufträge lassen sie so optimal planen.

»Wir haben genaue Aufzeichnungen über jede Maschine. Uns werden zum Beispiel über Veränderungen im Verbrauch gemeldet. Wenn sich da etwas tut, der Verbrauch also ansteigt, können wir das an die Kollegen bei der Fachabteilung mit einem entsprechenden Hinweis weitergeben. Je nach Kundenwunsch können dies zum Beispiel Verbrauchsmengen, änderungen, Leckagen oder Top-10-Verbräuche sein«, erklärt Stroht.

Fällige Reparaturen werden durch den Bereich Hydraulikschlauchherstellung der S.I.S unterstützt. Um sich gegenseitig ständig auf dem Laufenden zu halten, gibt es regelmäßige Arbeitstreffen, bei denen sich alle Beteiligten intensiv über die Anlagen austauschen.

Jürgen Stroth berichtet: »Selbst wenn sich bei einer Maschine wenig verändert, prüfen wir ständig die Qualität der Betriebsmittel. Das beginnt mit einer einfachen Sicht- und Geruchsprobe. Im Zweifelsfall nehmen wir eine Probe und geben sie an ein Labor. Das liefert uns auch Informationen über Additive, die uns möglicherweise noch fehlen.«

Lebensdauer verlängern

Wie beim Auto ist bei Hydraulik-Anlagen ab und an ein Ölwechsel fällig. Natürlich gilt auch hier, dass die Standzeiten von Betriebsmitteln inzwischen deutlich länger sind als noch vor 20 Jahren. Mit dem richtigen Gerät lassen sie sich sogar noch weiter strecken. »Wir haben spezielle Maschinen, fahrbare Filtrationsanlagen, die wir für einen oder zwei Tage an den Ölkreislauf einer Maschine hängen. Das verlängert die Lebensdauer einer Ölfüllung«, sagt Stroht.

Wenn eine Befüllung dann das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, rückt S.I.S. an, lässt das Öl ab und besorgt die Neubefüllung mit dem richtigen Material. »In den Autowerken kommen etwa 150 verschiedene Fette und Öle zum Einsatz. In unserer Datenbank ist natürlich jeweils die richtige Qualität und Menge verzeichnet«, so S.I.S-Gebietsleiter Jürgen Stroht.

Erschienen in Ausgabe: 01/2014