Entscheidungshilfen

Management

Forschung - Das Hamburger Forschungsinstitut für Logistik (FIL) entwickelt Methoden und Tools zur Optimierung der Instandhaltung und Ersatzteillogistik für Auftraggeber aus anlagenintensiven Branchen.

24. März 2015

Bereits vor 25 Jahren gründete Professor Dr. Günther Pawellek das FIL, um innovative Lösungsansätze aus der Forschung zur Instandhaltungslogistik für die Praxis anwendbar zu machen. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg sowie den Unternehmen des Arbeitskreises ›Integrierte Instandhaltung und Ersatzteillogistik‹ der Forschungsgemeinschaft für Logistik e.V., Hamburg, entstehen seit dieser Zeit neue Methoden und Tools zur effizienten Planung und wirtschaftlichen Betriebsführung von Maschinen und Anlagen in den verschiedensten Branchen. Besonders spannende Arbeitsschwerpunkte des FIL sind beispielsweise die wissenbasierte Instandhaltungsoptimierung und die mobile Instandhaltung im operativen Betrieb.

Wissenbasiert instandhalten

Bei der Planung und Überwachung der Instandhaltungsstrategie eines Unternehmens sind eine Vielzahl von Einflussfaktoren zu berücksichtigen, wie zum Beispiel das Ausfallverhalten von Anlagen und Komponenten, die Instandhaltungsprozesse, das technische Controlling, die Instandhaltungsorganisation, die Beschaffung, Lagerung und Bereitstellung der Ersatzteile sowie die Qualifikation der Mitarbeiter und Führungskräfte. Um Entscheidungen über bestehende Prozesse oder alternative Instandhaltungs- und Logistikstrategien treffen zu können, müssen alternative Maßnahmen erarbeitet und miteinander verglichen werden.

Für diese Anforderungen wurde vom FIL in Zusammenarbeit mit dem Institut für Technische Logistik der TU Hamburg-Harburg ein Entscheidungsunterstützungssystem entwickelt, das ein situatives flexibles Planungsvorgehen für die unterschiedlichsten Problemstellungen erlaubt. Die Teilprojektteams werden bei ihren Planungsaufgaben bezüglich der jeweils anzuwendenden Methoden und Tools unter Berücksichtigung ihrer inhaltlichen Abhängigkeiten assistiert. Einzeloptima sollen vermieden werden, das Gesamtoptimum steht im Fokus.

Mit diesem modular aufgebauten Planungsassistenzsystem können komplexe Aufgaben der Ziel-, Konzept-, Detailplanung und Realisierung für Anlagenbetreiber effizienter bearbeitet werden. Die Methoden und Tools werden in das vom FIL entwickelte Methodenportal www.meport.net schrittweise integriert. Die firmenspezifische Meport-Version kann zum Beispiel der Geschäftsprozessunterstützung im Sinne des ganzheitlichen Produktionssystems dienen.

»Durch Methodenschulung, Wiederverwendung von Methodenbausteinen und Beispielprojekten können die Mitarbeiter und Führungskräfte wesentlich schneller und mit höherer Qualität ihre Wartungs- und Instandhaltungsprozesse analysieren, bewerten und optimieren«, erläutert Ingo Martens, Leiter Anlagenwirtschaft im FIL. Beispielhaft seien die beiden Tools für die Instandhaltungs- und Ersatzteillogistik genannt. Das DIS-Tools zur Differenzierung von Instandhaltungsstrategien unterstützt bei der baugruppenbezogenen Auswahl von Instandhaltungsstrategien, wie zum Beispiel störungsbedingte, zeitbezogene, operative und zustandsabhängige Instandhaltung.

DIS arbeitet wissenbasiert in Abhängigkeit des vorhandenen Zustandswissens über die Anlage und Prozesse. Durch eine hierarchisch aufgebaute Bewertungssystematik erfolgt die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Der Entscheidungsweg wird in einer Datenbank hinterlegt und ist bei späteren Konfliktfällen nachvollziehbar.

Abhängig von den ausgewählten Instandhaltungsstrategien werden die Strategien der Ersatzteillogistik mit Unterstützung des TDL-Tools zur teiledifferenzierten Logistikoptimierung bestimmt. Dabei wird der Materialfluss zwischen Zulieferer und Einbauort mit den möglichen Lagerebenen betrachtet. Auch der Informationsfluss wird unter Berücksichtigung möglicher Beschaffungs-, Lagerhaltungs- und Bereitstellungsstrategien mit seinen unterschiedlichen Regelkreisen baugruppenbezogen optimiert. Die vom FIL entwickelte TDL-Methode ist ein sehr effizientes Werkzeug zur Senkung der Komplexität in Versorgungsketten.

Im Wesentlichen werden dabei die Erfahrungen der Mitarbeiter beziehungsweise das Wissen oder die Situation strukturiert in einem Modell für die integrierte Instandhaltung und Ersatzteillogistik abgelegt. Ergebnis der Anwendung von Methoden und Tools der wissenbasierten Instandhaltung sind hinsichtlich eines wirtschaftlichen Betriebs optimierte Prozesse in der Anlagenwirtschaft.

Mobile Instandhaltung

Im laufenden Betrieb ist die Verfügbarkeit der Maschinen und Anlagen ein wichtiger Produktionsfaktor. Es treten jedoch immer wieder ungeplante Störungen auf, die die reibungslose Produktion gefährden können. Dann werden Instandhaltungsaufträge generiert, die sehr zahlreich und in verschiedenen Prioritäten vorliegen können. Bei vielen neuen und aktiven Instandhaltungsaufträgen kann dieses den Disponenten schnell überfordern.

Ziel der mobilen Instandhaltung ist die schnelle Erfassung und Abarbeitung der Instandhaltungsaufträge, das heißt einfache Erfassung von Störungen, schnelle Auslösung der Aufträge, Entlastung der Disposition, Steuerung der einzelnen Instandhalter und Dokumentation der Aktivitäten.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde vom FIL gemeinsam mit der TU Hamburg-Harburg ein Online-Störungsmanagement (OSM) entwickelt, das Störungen vor Ort mit mobilen Standard-Geräten (zum Beispiel Smartphone, Tablet-PC) erfassen kann. Die sofortige Weiterleitung der Aufträge an die internen und externen Stellen, wie zum Beispiel Mechanik, Elektrik, technische Dienstleister, erfolgt unter Zuhilfenahme der Warteschlangentheorie.

Zwar ist bei großen komplexen Industrieanlagen und Immobilienbeständen im technischen Service ein solches ›Ticket Management‹ in den Facility-Management-Systemen seit etwa neun Jahren Standard. Jedoch haben alle bisherigen Systeme eine unangenehme Gemeinsamkeit: Sie sind komplex und teuer. Das vom FIL neu entwickelte OSM-System dagegen bietet eine einfache und preiswerte Lösung, da sie auf einer Open-Source-Software basiert.

Lediglich ein überschaubarer Kapazitätsaufwand für die Anpassung an die jeweilige Organisation und Implementierung fallen an. Auch die Verbindung mit den verschiedensten analogen und digitalen Mess-Sensoren ist möglich. »Damit ist OSM erstmals auch für kleinere und mittlere Unternehmen eine Lösung, um das Störungsmanagement auch bei Integration entsprechender externer Dienstleister effizient und transparent zu steigern«, so Andreas Schramm, Leiter der Unternehmenslogistik im FIL.

Erschienen in Ausgabe: 01/2015