Die Luft ist rein

Markt

Raumlufttechnik - Im Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie hat Wisag Gebäude- und Industrieservice Süd-West die jährliche Wartung der Raumlufttechnik und der Brandschutzklappen in neun verschiedenen Gebäuden übernommen.

24. März 2015
Die Volumenstrommessung mit Hilfe einer Messhaube gehört zu den Aufgaben der Wisag-Experten.
Bild 1: Die Luft ist rein (Die Volumenstrommessung mit Hilfe einer Messhaube gehört zu den Aufgaben der Wisag-Experten. )

Beinahe 90 Prozent seiner Lebenszeit verbringt der Mensch durchschnittlich innerhalb geschlossener Räume, immer mehr Arbeitsplätze sind klimatisiert. In hohem Maße ist die Raumlufttechnische Anlage, die für die Luftversorgung innerhalb von Gebäuden zuständig ist, für Qualität und Zustand der Luft verantwortlich. Diese Qualität des Lebensmittels Luft trägt dabei bekanntermaßen zu Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen bei. Nicht nur Kopfschmerzen, starke Konzentrationsschwäche und Müdigkeit sind die Folgen dicker Luft.

Auch Reizungen des Atmungstraktes und der Augen, Allergien und Überempfindlichkeiten sowie Beeinträchtigungen des Nervensystems treten bei schlechter Luftqualität gehäuft auf. Um einen hygienisch einwandfreien Zustand der Raumlufttechnischen Anlagen zu gewährleisten, benötigen deshalb sowohl Verantwortliche als auch Wartungspersonal fundiertes Fachwissen.

Wartung und Reinigung

Aus diesem Grund überlässt das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL), eines der weltweit bekanntesten Forschungslabore, die Wartung und Reinigung der Anlagen bereits seit 2002 den Experten der Wisag Gebäude- und Industrieservice Süd-West GmbH & Co. KG, einem Tochterunternehmen der Wisag Industrie Service Holding GmbH. In dem Grundlagenforschungsinstitut arbeiten etwa 85 unabhängige Forschungsgruppen zu Themen des gesamten Spektrums der Molekularbiologie, von der Entwicklungs- und Zellbiologie zur Analyse von Struktur und Funktion von DNA und RNA sowie deren Interaktion untereinander und mit Proteinen.

Das Laboratorium verfügt über Außenstellen in Hinxton in Großbritannien, Grenoble in Frankreich, Hamburg und Monterotondo, Italien. Das Hauptlaboratorium des EMBL, das in diesem Jahr bereits sein 40-jähriges Bestehen feiert, befindet sich in Heidelberg. Hier sind die Mitarbeiter der Wisag Industrie Service, einem der größten deutschen Industriedienstleister, zum einen für die jährliche Wartung der Raumlufttechnik und der Brandschutzklappen in neun verschiedenen Gebäuden zuständig. Zum anderen übernehmen sie auch die Planung sowie die exakte Einhaltung der Terminabsprachen, den Service und die Objektbetreuung beim Kunden vor Ort.

Solche regelmäßig wiederkehrenden Inspektionen sowie Wartungs- und nötigenfalls Reinigungsarbeiten sind Voraussetzung für die Umsetzung der Richtlinie VDI 6022 – Hygieneanforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Geräte. Zur Einhaltung dieser Richtlinie des Fachbereiches Technische Gebäudeausrüstung des Vereins Deutscher Ingenieure ist jeder Betreiber einer Raumlufttechnischen Anlage selbstverantwortlich verpflichtet. Alle Mitarbeiter der Wisag, die im EMBL vertreten sind, müssen dafür eine spezielle Schulung in VDI 6022 absolvieren, da beispielsweise die Wartung und Reinigung der Raumlufttechnischen Anlagen ausschließlich unter speziellen Reinraumsituationen stattfinden können.

Definierte Sicherheitsstandards

»Die mikrobiologischen Konsequenzen der Versuche, die in den Räumen ablaufen, dürfen nicht beeinträchtigt werden. Unsere Mitarbeiter vor Ort arbeiten zum Teil in Räumen mit lebendigen Organismen, die nicht zu Schaden kommen dürfen«, erklärt Thorsten Ewert, Bereichsleiter Instandhaltung der Wisag Gebäude- und Industrieservice Süd-West. »Hinzu kommt eine vom Kunden durchgeführte Sicherheitsunterweisung: Das Grundlagenforschungsinstitut hat klar definierte Sicherheitsstandards. Ohne Sicherheitsunterweisung darf hier kein externes Unternehmen tätig werden.«

Die besondere Herausforderung der Tätigkeit liegt laut dem Bereichsleiter darin, die übergreifende Zusammenarbeit der unterschiedlichen Gewerke an einem Projekt zu realisieren und zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Alles muss nahtlos ineinandergreifen, der Kunde erwartet jederzeit einen professionellen Ablauf. Terminabsprachen müssen präzise eingehalten werden, jede noch so kleine Temperaturschwankung kann zu einer negativen Beeinträchtigung der Versuche führen.

»Die Luftqualität ist hier extrem wichtig«, betont Rainer Menzel, Head of Facility Management beim EMBL in Heidelberg. »Schwankungen der Raumluftqualität können unter Umständen wissenschaftliche Arbeit von mehreren Jahren zerstören. Die Auswirkungen solcher Schäden sind finanziell gar nicht zu ermessen«, so Menzel. Hochsensibel sind insbesondere Tierlabore, die unter anderem Zuchtanlagen für Fische und Frösche, Klimakammern für Moskitos und Fruchtfliegen sowie Seewasseranlagen für Meereswürmer enthalten.

»Welcher Schaden hier angerichtet werden kann, mussten wir vor unserer Zusammenarbeit mit der Wisag einmal erleben, als ein Lüftungsbauer den Auftrag hatte, ein Außenluftgitter für die Fischzuluft zu montieren. Besonders wichtig war dabei, es nicht mit Silikon abzudichten, da dieses eine schädliche Säure enthält«, erklärt Menzel. Der damalige Lüftungsbauer benutzte entgegen des Auftrags trotzdem Silikon, die Säuredämpfe gelangten über die Zuluft in die Fischräume und lagerten sich im Wasser des Aquariums ab. Das fatale Ergebnis: 80 Prozent der Population verstarb, die Forschungsarbeit von mehreren Jahren war zerstört.

Ebenso können auch Viren, Bakterien, Pollen und Pilze, die durch den Luftstrom in die Aufenthaltszonen der EMBL-Mitarbeiter gelangen, beim Menschen verschiedenste Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten auslösen. »Wir müssen hierbei den belastbaren Dauerbetrieb jederzeit gewährleisten und dürfen insbesondere die gesundheitlichen Aspekte für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht vernachlässigen«, so Thorsten Ewert.

Brand- und Explosionsrisiko

Doch nicht nur gesundheitliche Auswirkungen hätte eine fehlerhafte Inspektion der Raumlufttechnischen Anlagen zur Folge. Auch das Brandrisiko ist nicht zu unterschätzen. Ablagerungen von Staub, Fett, Öl et cetera stellen in Raumlufttechnischen Anlagen ein permanentes Brand- und Explosionsrisiko dar. Des Weiteren kann eine vernachlässigte Lüftungswartung zu einem erhöhten Energiebedarf der Anlage führen. Eine saubere Anlage spart hingegen rund zehn Prozent an Energie ein.

Über die erfolgreiche Zusammenarbeit der letzten zwölf Jahre freut sich der Bereichsleiter: »Im Jahr 2002 wurde über unsere Spezialgesellschaft Kessler + Luch ein Mitarbeiter mit Mehrfachqualifikation angefordert, also mit Erfahrung im Bereich Heizung und Lüftung, Kesselwartung, Elektro-, Mess- und Regeltechnik. Seitdem schreibt das EMBL den Auftrag alle drei Jahre neu aus – die Wisag hat den Auftrag 2005, 2008, 2011 und 2014 wieder erhalten.«

»Die Anforderungen, die wir an die Wisag hatten, waren und sind immer noch sehr hoch«, erklärt Rainer Menzel. »In der ersten Zeit überprüfen wir natürlich, inwieweit wir uns auf das technische Know-how des Partners verlassen können. Doch das technische Wissen ist nicht alles. Das Verständnis für das Haus muss da sein, und unser Partner muss die Belange des EMBL auch verstehen können. Hinzu kommt noch, dass es unabdingbar ist, sich offen und ehrlich auszutauschen.« Die Chemie muss also stimmen. Nur so können gravierende Fehler verhindert werden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2015