»Die Firmen suchen Dienstleister, die auch strategische Partner sind.«

Servicepartner

Vor der Achema gibt Dr. Joachim Kreysing, Leiter Division Central Europe bei Bilfinger Berger Industrial Services, einen Überblick über die Serviceleistungen des Unternehmens.

11. April 2012

Herr Dr. Kreysing, Bilfinger Berger Industrial Services ist europäischer Marktführer im Industrieservice für die Prozessindustrie. Mit der Achema 2012 steht der Branchentreff der chemischen Industrie vor der Tür. Welche konkreten Serviceleistungen erbringt Ihr Unternehmen denn für diese Branche?

In der chemischen Industrie sind wir sehr stark im Geschäft der Instandhaltung vertreten. Das umfasst sowohl die kontinuierliche Instandhaltung als auch die in regelmäßigen Abständen durchzuführenden Großstillstände oder Turnarounds. Daneben haben wir jedoch auch Aufträge für Engineering-Leistungen, Fertigung und Montage oder Optimierung von Anlagen oder Anlagenteilen.

Welche besonderen Anforderungen stellt die chemische Industrie an einen Instandhalter?

Die Unternehmen haben sehr hohe Erwartungen, was Arbeitssicherheit, Anlagenverfügbarkeit, Instandhaltungszeiten und Kosten anbetrifft. Darüber hinaus suchen die Firmen Dienstleister, die auch strategische Partner sind und gemeinsam mit dem Auftraggeber individuelle Lösungen entwickeln, die über das reine Abarbeiten notwendiger Standardleistungen hinausgehen. Das kann beispielsweise die Entwicklung eines Konzepts für die gesamte Maintenance eines Unternehmens sein.

Gilt das nicht hauptsächlich für große internationale Unternehmen? Wie stellen Sie sich auf die Anforderungen kleinerer Unternehmen ein?

Eine unserer Stärken ist es, dass wir auf diese Unterschiede mit flexiblen Modellen reagieren können. Die Vertragsformen reichen von Einzel- und Rahmenverträgen über Main Contracts bis hin zu Full-Service-Instandhaltung und Generalunternehmerverträge. Bei Kunden, mit denen wir im Rahmen von Full-Service-Verträgen zusammenarbeiten, übernehmen wir beispielsweise die volle Verantwortung für die Instandhaltung. Bei dieser Form der Kooperation arbeiten wir mit langfristigen Verträgen, die mindestens eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Außerdem entwicklen wir gemeinsam mit Kunden neue Vertragskonzepte, die beispielsweise Boni für die Vermeidung ungeplanter Reparaturen und Stillstandzeiten enthalten.

Der Verband der Chemischen Industrie hat für 2012 eine Wachstumspause angekündigt. Das wirkt sich doch sicher auch auf Ihr Geschäfts aus.

Wirtschaftliche Entwicklungen wirken sich auf alle Marktteilnehmer aus. Wir erwarten aufgrund der angekündigten Wachstumspause jedoch keine gravierenden Veränderungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Verband für 2013 bereits wieder mit einem Anstieg der Chemieproduktion um zwei bis drei Prozent rechnet und wir mit vielen unserer Kunden langfristige Verträge haben. Es kann aber vorkommen, dass Projekte in solchen Zeiten um ein, zwei Jahre verschoben werden.

In der Regel werden heute große Anlagen nicht mehr in Deutschland oder Europa gebaut, sondern in Asien oder den arabischen Ländern. Wie reagieren Sie darauf?

Wir sind mit unseren Gesellschaften seit Jahren in ganz Europa und Nordamerika vertreten Vor wenigen Monaten stiegen wir mit dem Kauf von Neo Structo auch in den indischen Markt ein. Darüber hinaus sind wir für unsere Kunden jedoch seit Langem weltweit tätig. Die Abwicklung von Aufträgen in internationalen Märkten ist für uns also kein Novum. Im Zuge der internationalen Anforderungen unserer Kunden sind auch unsere zentralen Einheiten sehr gefragt. Sie setzen regelmäßig Beratungsprojekte im In- und Ausland um und führen Instandhaltungsanalysen durch. Daraus resultieren konkrete Vorschläge zur Strategie und Umsetzung in der Instandhaltung.

Wie macht sich der Mehrwert, den Sie durch Ihre internationalen Gesellschaften bieten, konkret bemerkbar?

Unsere internationalen Kunden wollen häufig Modelle der Zusammenarbeit, die wir in einem Land mit ihnen umsetzen, auch auf andere Standorte übertragen. Durch die BIS-Gesellschaften in diesen Ländern verfügen wir in diesen Märkten vom Start weg über länderspezifisches Know-how, das exakt auf den Bedarf zugeschnitten ist. Davon profitieren die Kunden in hohem Maß – nicht zuletzt deshalb, weil die neuen Projekte mit kürzeren Vorlaufzeiten angestoßen und umgesetzt werden können. Weitere Aspekte sind Flexibilität und Servicebereitschaft. Bei großen Turnarounds können wir beispielsweise BIS-Mitarbeiter von benachbarten Standorten hinzuziehen und so die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellen.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Welchen Beitrag leistet Ihr Unternehmen auf diesem Gebiet für seine Kunden?

Kosteneinsparungen und damit auch die Einsparung von Energie und Effizienzsteigerung sind für uns schon lange ein Thema. Wir engagieren uns aber auch industrieweit für das Thema Nachhaltigkeit. So sind wir Gründungsmitglied der European Industrial Insulation Foundation (EiiF). Ziel der Stiftung ist es, das Potenzial, das nachhaltige Isolierung bietet, bekannt zu machen und der Industrie Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe Unternehmen nachhaltiger und wirtschaftlicher agieren können. So wurde beispielsweise das Programm TIP Check, das für Technical Insulation Performance Check steht, ins Leben gerufen. Es zeigt Unternehmen, wo Defizite bei der Isolierung bestehen, wie sie beseitigt und welche Kosten eingespart werden können. Einen besonderen Impuls erwarten wir von der Ecofys-Studie, die der Verband in Kürze veröffentlichen wird und die aufzeigt, welche Energieeinsparungen industrieweit

möglich sind.

Und noch ein Blick auf die Achema – was sind Ihre Hauptthemen?

Die Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien werden einen unserer Schwerpunkte bilden. Aber wir werden auch unsere Lösungen rund um Instandhaltung und Projekte vorstellen, beispielsweise mit den Themen Turnaround und Leistungen auf dem Gebiet der Biotechnologie.

Dr. Joachim Kreysing leitet seit April 2008 die Division Central Europe der Bilfinger Berger Industrial Services GmbH. Er kam 2005 als Geschäftsführer mit der Akquisition der heutigen BIS Prozesstechnik GmbH und BIS Industrieservice Mitte GmbH in Frankfurt am Main zur Unternehmensgruppe. Vor seinem Wechsel in die Industriedienstleistung im Jahr 2003 arbeitete der promovierte Chemiker sechs Jahre in der Unternehmensberatung und davor zwei Jahre in der Forschung.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012