Brandgefahr vorbeugen

Thermografie

Elektrothermografie ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema in der Industrie geworden. Dadurch bieten sich für engagierte Fachunternehmen neue Chancen. Ein Beispiel dafür ist die Duisburger Firma EGI.

02. September 2013

Die EGI Elektro-Anlagen GmbH Ingenieurbüro existiert seit 1980 als technisch versiertes Handwerksunternehmen für Elektrotechnik in Duisburg. Heute bietet EGI seinen Kunden in der Industrietechnik, aber auch in der Gewerbe- und Haustechnik neben der traditionellen Elektroinstallation qualifizierte Dienstleistungen in den Bereichen Beleuchtungstechnik, Schaltanlagenbau, Brandmeldeanlagen, strukturierte Datennetze, LWL-Technik und KNX-Gebäudeautomation. Ergänzt wird das Portfolio der Dienstleistungen durch ein integriertes Ingenieurbüro für Planungs- und technische Dokumentationsaufgaben.

Mittlerweile arbeiten mehr als 40 Mitarbeiter für das Unternehmen, dem seit 2005 Michael Weigt als Geschäftsführer vorsteht. Er war es auch, der über die Erweiterung des Geschäftsmodells nachdachte und so auf die Thermografie aufmerksam wurde.

Am Anfang stand eigentlich kein konkreter Auftrag von Kundenseite, sondern der Versuch, zusätzliche Geschäftsfelder zu erschließen. »Ausgangspunkt unserer Überlegungen war: Welche Dienstleistung können wir anbieten, die zusätzliches Equipment und Know-How erfordert, über das unsere Kunden nicht selbst verfügen. Thermografische Untersuchungen an elektrischen Anlagen haben sich dafür angeboten«, erklärt Michael Weigt.

Zusätzliches Geschäftsfeld

2007 sondierte Weigt den Infrarotkamera-Markt, informierte sich über die Hersteller und testete auf Messen wie der Frankfurter Light and Building Wärmebildkamera-Modelle unterschiedlicher Hersteller. Schnell kam dabei Infrarotkamera-Weltmarktführer Flir in die engere Wahl. »Ich wollte von Anfang an kein besseres Spielzeug, sondern eine wirklich ausgereifte Wärmebildkamera, die über eine gewisse Auflösung verfügen sollte«, verdeutlicht Weigt. Überzeugt hat den ambitionierten Hobbyfotografen neben der gelungenen Konzeption dann auch die ergonomische und einfache Bedienung der Flir T360.

Die Kaufentscheidung für die T360 (die nicht etwa eine Einsteigerkamera ist, sondern bereits ein gehobeneres Modell aus der mittleren Flir-Palette) kam allerdings 2008 zu einem ungünstigen Zeitpunkt, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Denn mit der Finanzkrise im folgenden Jahr war ein zusätzliches Geschäft in einem für das Unternehmen neuen Bereich zunächst kaum zu erzielen.

Waren es anfangs noch Untersuchungen einzelner Schaltschränke in Schulen, Krankenhäusern, Banken und öffentlichen Gebäuden, prüft EGI bei industriellen Kunden mittlerweile ganze Schalträume. »Ein solcher Schaltraum kann bis zu 40 Schränke umfassen – und die müssen alle vier Jahre geprüft werden. So verlangen es nicht nur die vorgeschriebenen Richtlinien, sondern auch die Versicherer heute aus Brandschutz-Gründen. Und das ist auch äußerst sinnvoll«, wie Michael Weigt aus der Berufspraxis weiß.

Denn manchmal sind solche Schalträume schon 30 Jahre in Betrieb. »Dann können alte Kabel porös werden«, erklärt Weigt. »Durch äußere Einflüsse wie zum Beispiel UV-Strahlung und anschließenden chemischen Prozessen im Material verändert sich der Weichmacher mit der Zeit, die Kunststoff-Ummantelung des Kabels härtet aus, wird brüchig und blättert ab«, weiß Weigt. Außerdem bleibt es nicht aus, dass hier und da Kontakte oxidiert sind und Sicherungselemente überlastet werden.

Die Infrarotkamera entdeckt das sofort durch Temperaturdifferenzen. Solche defekten elektrischen wie mechanischen Bauteile wie zum Beispiel Automaten, Sicherungen, Schraub- beziehungsweise Klemmkontakte sowie Kabel werden dann zum Austausch beim nächsten geplanten Stillstand vorgemerkt.

Zur Untersuchung mit der Wärmebildkamera muss das System möglichst unter Volllast laufen, damit Problemstellen heiß und auffällig werden. Die Thermografie kann auch asymmetrische Lasten entdecken. Der Grund dafür muss nicht immer in fehlerhaften Modulen liegen. Oft wurden ältere Anlagen im Laufe der Zeit einfach immer wieder erweitert, ohne das zu dokumentieren. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Stromkreis stärker belastet wird als vorgesehen. Hier ist sofortiges Handeln notwendig, denn durch zu große Leistungen entstehen Wärmeprobleme – und damit akute Brandgefahr.

»Bei regelmäßiger Wartung und Instandsetzung funktionieren auch ältere Schalträume einwandfrei – und ungeplante Stillstände mit möglicherweise hohen Ausfallkosten lassen sich effizient vermeiden«, sagt Michael Weigt.

Scharfes Gesamtbild

Ab 2010 bekam EGI immer mehr thermografische Prüfaufträge. Den großen Durchbruch erlebte das Unternehmen 2012 – und Michael Weigts Strategie ging voll auf: Es kamen so viele Aufträge für die Prüfung ganzer Schalträume, dass sich die Anschaffung einer neuen Infrarotkamera lohnte. EGI entschied sich diesmal für eine Flir T440. Wie die T360 besitzt die Kamera eine Bildauflösung von 320 x 240 Pixeln. Zusätzlich ist sie in der Lage, scharfe MSX-Bilder zu erstellen.

Dafür werden Infrarotbild und das Bild der eingebauten 3,1-Megapixel-Digitalkamera so zu einem gestochen scharfen Gesamtbild kombiniert, dass sogar einzelne Beschriftungen an den Bauelementen lesbar werden. Die Ergebnisse können mit der aktuellen Version der Software Flir Reporter nachbearbeitet werden und sprechen mit ihrer bisher nicht gekannten Detailfülle für sich.

Die Flir T440 ist standardmäßig mit einem 25°-Objektiv ausgestattet. Dieses Objektiv ist für viele Anwendungen ideal. Aber in den engen Räumen hat ein Thermograf oft nicht viel Platz nach hinten. Daher entschied sich die EGI für ein zusätzliches 45°-Weitwinkel-Wechselobjektiv, denn manchmal beträgt beim Thermografieren der Abstand zum Schaltschrank lediglich 80 cm. Das 45°-Objektiv liefert auch bei diesem geringen Abstand ein Gesamtbild, auf dem auch Problemstellen bei dünnen Kabeln noch deutlich identifiziert werden können.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013