Studie

Branche im Wandel

Die deutsche Industrieservice-Branche befindet sich aktuell in einer Phase des Um- und Aufbruchs. Für die Dienstleister geht es darum, neue Tätigkeitsfelder zu erschließen. Zudem wandelt sich das Anforderungsprofil der Kunden.

23. September 2015

Zum dritten Mal in Folge lag das durchschnittliche Umsatzwachstum im Inland unterhalb der Steigerungsrate des jeweiligen Vorjahres. 2014 erzielten die 42 von Lünendonk befragten Industrieservice-Anbieter (IS) ein durchschnittliches Wachstum von 0,8 Prozent.

Die Erwartungshaltungen der IS-Anbieter für das laufende Geschäftsjahr sind konservativ: Laut Prognose streben die Dienstleister für 2015 ein Umsatzwachstum von 3,8 Prozent an. Das geht aus der Lünendonk-Liste und -Studie 2015 ›Führende Industrieservice-Unternehmen in Deutschland 2014‹ hervor.

»Dass die Dienstleister ihr individuelles Umsatzwachstum auf gleichem Niveau wie das allgemeine Marktwachstum sehen, überrascht. Denn normalerweise sprechen sie sich einen Vorsprung gegenüber dem Gesamtmarkt zu«, resümiert Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk. »Die Unternehmen haben jedoch erkannt, dass mittelfristig die Nachfrage nach externen Industrieservices steigen wird. Viele IS-Anbieter haben in den vergangenen beiden Jahren daher interne Strukturen und Portfolios neu organisiert und damit die Weichen für die herausfordernde Zukunft gestellt.«

Proaktive Dienstleister

Die IS-Anbieter spüren, dass sich das Anforderungsprofil der Nutzer wandelt. Für die Industrieservice-Kunden gewinnen Steuerungs- und Managementkompetenzen immer stärker an Bedeutung. Sie erwarten, dass ihre Dienstleister selbstständig und proaktiv arbeiten und notwendige Instandhaltungsmaßnahmen frühzeitig erkennen und ausführen. Dementsprechend erschließen die Industriedienstleister neue Geschäftsfelder, allen voran im Segment Consulting. 74 Prozent der Studienteilnehmer arbeiten dabei in erster Linie an Konzepten zur Predictive Maintenance, weil sie für derartige Konzepte künftig hohe Nachfrage vermuten.

Bereits heute macht sich der gestiegene Bedarf an Beratungs- und Optimierungsleistungen bemerkbar. Im Leistungsspektrum gewinnen diese Services kontinuierlich an Bedeutung – gewichtet nach dem Inlandsumsatz von 6,4 Prozent (2013) und 6,7 Prozent (2014) bis zu 7,3 Prozent (Prognose für 2015).

Professionalisierung

Ebenfalls gefragt ist der Auf- und Ausbau von IT-Know-how. Die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung sollen auch zur Professionalisierung der Produktion und der begleitenden Sekundärprozesse beitragen. Die intelligente Vernetzung von Anlagen untereinander und der effiziente Einsatz von Service-Kräften sind das idealisierte Zukunftsmodell.

Insofern arbeiten die Industriedienstleister an eigenen Monitoring-Tools, die künftig die Steuerung von Einsätzen erleichtern oder sogar Ferndiagnosen oder Fernwartungen ermöglichen. Zielvorgabe ist dabei, die Produktionsprozesse der eigenen Kunden zu optimieren und Kosteneinsparungen zu realisieren.

Sowohl für die Integration vorbeugender Instandhaltungskonzepte als auch für die Implementierung von Software-Tools ist jedoch der Aufbau von Vertrauen zwischen Auftraggeber und Dienstleister erfolgsrelevant. Die produzierenden Betriebe müssen ihren Service-Partnern Zugang zu sensiblem und komplexem Wissen gewähren, damit Optimierungspotenziale erkannt und tatsächlich realisiert werden können.

Wachstumsziele verfehlt

Die 15 nach Inlandsumsatz führenden Industrieservice-Unternehmen in Deutschland verzeichnen zum wiederholten Mal ein geringeres Umsatzwachstum als im jeweils vorangegangenen Jahr. Nach durchschnittlich 2,3 Prozent im Jahr 2012 sowie 1,1 Prozent im Jahr 2013 wuchsen die IS-Anbieter 2014 um 0,4 Prozent. Die Dienstleister erreichen damit auch ihre im Vorjahr gesteckten Wachstumsziele nicht. Für das Geschäftsjahr 2014 prognostizierten die Top 15 eine Steigerung des Inlandsgeschäftes von durchschnittlich 4,4 Prozent.

Ursache für das geringe Wachstum sind auch gesunkene Akquisitionsaktivitäten. Lag der Anteil an anorganischem Wachstum 2013 noch bei 45,5 Prozent, ist er im Jahr 2014 auf 36,4 Prozent gesunken. Viele Dienstleister haben 2014 für interne Umstrukturierungsmaßnahmen und Konsolidierung genutzt. Für das laufende Jahr gehen die führenden IS-Unternehmen nun von 3,6 Prozent Wachstum aus.

Bilfinger mit dem Segment Industrial bleibt wie in den Vorjahren auf Platz eins des Lünendonk-Rankings.

Aufgrund einer veränderten Zuordnung operativer Gesellschaften zu den einzelnen Geschäftsfeldern im Bilfinger-Konzern meldet das Unternehmen allerdings geringere Umsatzzahlen als in den Vorjahren. Dass sich das Segment Industrial trotz eines insgesamt schwierigen Jahres für den Bilfinger-Konzern positiv entwickelt hat, belegt das Umsatzwachstum von 3,2 Prozent auf 815,0 Millionen Euro.

Erschienen in Ausgabe: 02/2015