24. NOVEMBER 2017

zurück

kommentieren drucken  

Technisch vorbeugen statt teuer reinigen


Die Müllverbrennungsanlage Weisweiler schützt das Kühlsystem ihrer Druckluftkompressoren mit einem galvanischen Wasserkonditionierungssystem effektiv und wirtschaftlich vor Verkalkung und Korrosion.
Mehrseitiger Artikel:
1 2  

In Eschweiler-Weisweiler, etwa 20 km östlich von Aachen, verwertet eine moderne Müllverbrennungsanlage (MVA) pro Jahr etwa 360.000 Tonnen Abfall. Viele Teilprozesse der Entsorgungseinrichtung benötigen Druckluft, zum Beispiel zur Förderung von Medien oder zum Betrieb von Messstellen. Bereitgestellt wird die Druckluft von vier Kompressoren, von denen immer drei gleichzeitig in Betrieb sind, während der jeweils vierte als Reserve bei Störungen oder Wartungsarbeiten bereitsteht. Jeder der Kompressoren liefert pro Stunde etwa 1.700 Normkubikmeter Druckluft. Dabei entsteht Abwärme. Diese überschüssige Energie wird über einen Kühlwasserkreislauf mit einem stündlichen Durchsatz von insgesamt rund 37.000 Litern abgeführt. 

Leistungsverlust durch Kalkablagerungen

„Trotz einer guten Aufbereitung sind im Kühlwasser gelöste Partikel und vor allem Kalk enthalten, die sich ohne weitere Maßnahmen nach und nach in den Rohren der Kompressor-Kühler ablagern. Dadurch wird der Kühleffekt immer schlechter, bis die Kompressoren bei zu schlechter Kühlung nicht mehr arbeiten können“, berichtet Boris Cudina, der bei der MVA Weisweiler für die Prozesstechnik zuständig ist. Laut dem Diplom-Ingenieur müssen die Kompressoren dann außer Betrieb genommen und die Kühler aufwändig gereinigt werden. Ein zeitaufwändiger und deshalb auch teurer Vorgang. 

Galvanisches Wasserkonditionierungssystem

Nach entsprechend schlechten Erfahrungen in den ersten Betriebsjahren suchten die Technikverantwortlichen der Müllverbrennungsanlage nach einer Alternative. „Durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Betreibern wurden wir auf die Option Opferanode aufmerksam“, schildert Cudina. Im Jahr 2001 entschieden sich die MVA-Betreiber für den Einbau des Wasserkonditionierungssystems des Düsseldorfer Unternehmens ISB Watertec. Das zylindrische Aggregat wurde per Verschraubung in der Kühlwasserzulaufleitung vor den Kompressoren installiert. Im Inneren des Messingzylinders sind als Kernelemente des Verfahrens zwei hochreine Zinkanoden untergebracht. Zink und Messing sind unterschiedlich edle Metalle. In Verbindung mit Wasser baut sich zwischen beiden eine Potenzialspannung von bis zu einem Volt auf. Diese galvanische Behandlung veranlasst die Kalkpartikel im Wasser dazu, sich zu 15-fach vergrößerten Partikeln zusammenzuschließen. Diese Agglomerate werden von der Strömung leichter mitgeführt und weisen somit eine geringere Haftneigung auf.

Um den galvanischen Wasserbehandlungseffekt zu verstärken, enthält das Wasserkonditionierungssystem zusätzlich vier Turbulenzkörper aus Polytetrafluorethylen (PTFE, „Teflon“) mit jeweils zugehörigen Turbulenzkammern. Sie erhöhen die Fließgeschwindigkeiten im und hinter dem Gerät.

Schutz auch vor Korrosion

Neben dem Schutz vor Verkalkung wirkt das Verfahren auch Korrosionseffekten entgegen. Der Zinkkörper wirkt nach dem seit Jahrzehnten aus dem Schiffsbau bekannten Anodenprinzip. An den Außenwänden von Schiffen werden Zinkplatten angebracht, die statt der Schiffshaut und der Antriebswelle korrodieren. Genauso schützt das hier beschriebene System Wasser führende Leitungen und Geräte vor aggressiven Wasserinhaltsstoffen, wie beispielsweise Chlor und Sulfat. Statt der Rohre und nachgeschalteten Aggregate korrodiert gezielt die Anode, die damit wie eine Sollbruchstelle wirkt. Zusätzlich reduziert das Wasserkonditionierungssystem die Ausprägung von Biofilmen und die damit verbundene mikrobiologisch induzierte Korrosion.


Mehrseitiger Artikel:
1 2  
Datum:
24.03.2017
Unternehmen:
Bilder:
ISB Watertec
ISB Watertec
ISB Watertec
ISB Watertec

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 


i-Quadrat 2/2017

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Aktuelle Ausgaben