28. JULI 2017

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"Wir reden bei der Energieeffizienz auch immer von Gewinn."


Markt

Energiemanagement - Thomas Schedl, Vorstand und Gesellschafter der Sempact AG, erklärt, worauf es beim Energiemanagement ankommt und welche Bedeutung der Instandhaltungssektor dabei hat.

Herr Schedl, welchen Ansatz verfolgen Sie beim Thema Energiemanagement?
Die Themen Energieeffizienz und Ressourcenschonung sind mir eine Herzensangelegenheit. Wir kommen mit einem ganzheitlichen Ansatz zum Kunden und schauen ganz bewusst über den Tellerrand hinaus. Unser Firmenname Sempact setzt sich zusammen aus ›Sem‹, das für strategisches Energiemanagement steht, und aus ›pact‹, was sich vom englischen ›impact‹, also der Auswirkung herleitet. So können wir für den Kunden einen maximalen Erfolg herausholen. Das Strategische ist auch deshalb so wichtig, da beim Energiemanagement fast alle bestehenden Prozesse in einem Unternehmen unter die Lupe genommen werden. Das reicht von Beschaffung und Planung bis zur Instandhaltung. Dabei wird ermittelt, aufgrund welcher Kriterien im Unternehmen Entscheidungen getroffen werden. Damit geht automatisch ein Veränderungsprozess einher.

Wie laufen Ihre Projekte in der Regel ab?
Wichtig ist immer eine Sensibilisierung der Geschäftsführung für die Themen Energieeffizienz und Energiemanagement. Ein Türöffner ist beispielsweise ein Erstaudit, für das die Kosten überschaubar sind und welches sich in der Regel umgehend rechnet. Anschließend zeigen wir die Potenziale auf und führen der Geschäftsführung die Ergebnisse vor. Ab 200.000 Euro Strom- und Energiekosten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Bei 15 Prozent Potenzial – also mindestens 30.000 Euro – fängt es für die Kunden langsam an, Spaß zu machen, sich damit zu beschäftigen. Kleine und mittlere Unternehmen können zu ihren Erstaudits zudem einen Zuschuss von bis zu 80 Prozent vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erhalten. Dadurch, dass wir uns die ganze Spanne anschauen von der Technik, über den Energieeinkauf und das Steuerrecht, können wir auch ein Gesamtpaket als Lösung präsentieren.

Wie überzeugen Sie die Kunden von Ihren Vorschlägen?
Das Spannende und manchmal auch besonders Fordernde an unserer Arbeit ist, die Veränderungsprozesse beim Kunden anzustoßen. Wenn beispielsweise ein Druckluftkompressor kaputtgeht, wendet sich der Instandhalter in der Regel an den Hersteller und bestellt einen neuen Druckluftkompressor. Das Thema Energieeffizienz hat er dabei nicht immer im Fokus, sondern folgt bestehenden Abläufen. Wenn wir mit einer Optimierung beauftragt werden, messen wir erst einmal, um mehr Wissen über den Prozess zu bekommen. Wenn dabei herauskommt, dass der alte Kompressor um 30 Prozent zu groß war, passen wir diesen an. Daraus ergibt sich ein besserer Betriebspunkt, und die Investition ist geringer. Unser Aufwand rechnet sich dann schon mit der Beschaffung und dem Betrieb. Unsere Aufgabe ist es deshalb, diese Denkweise in den Unternehmen zu etablieren.

Geht Ihr Service-Angebot über die Beratung hinaus?
Wir haben die drei Geschäftsfelder Beratung, Technik und Akademie. Zum Bereich Beratung gehören Erstanalysen, Energieaudits, die Vorbereitung oder die Zertifizierung nach DIN EN ISO 50001 sowie der Energieeinkauf und das Steuerrecht. Am Ende dieser Unternehmensberatung steht ein Maßnahmenplan. In der Regel muss der Kunde den Weg der Umsetzung dieser Maßnahmen alleine gehen. Aber wir gehen diesen Weg ganz bewusst mit und begleiten ihn, wenn es darum geht eine neue Beleuchtung oder Kälteanlage zu installieren oder die Druckluftstation zu optimieren. Das fällt dann in unser Geschäftsfeld Technik. Wir sehen uns mehr als Coaches, denn wir lassen Wissen beim Kunden und trainieren ihn, damit er das Energiemanagement künftig selbst übernehmen kann.

Was genau ist die Sempact-Akademie?
Dadurch, dass wir mit jedem Projekt selbst dazulernen, haben wir uns entschlossen, Know-how zu transportieren und die Sempact-Akademie ins Leben gerufen. Wir sprechen dabei von erlebnisorientiertem Lernen, weil Erlebtes besser im Gedächtnis bleibt. Die Seminare haben einen sehr hohen praktischen Anteil mit Gruppenübungen wie Berechnungen von Druckluftstationen und Bewertungen einer Kälteanlage. In unseren beiden Kursen ›Energiebeauftragter für die Industrie‹ und ›Energiemanager für die Industrie‹, die in der Summe zwei Wochen dauern, erhalten die Teilnehmer ein fundiertes Wissen. Neben den Kursen für Energiebeauftragte und für Energiemanager bilden wir auch Energieauditoren aus. Nach diesem Kurs kann der Kunde seine internen Audits zu Energiemanagementsystemen selber ausführen. Darüber hinaus bieten wir Inhouse-Kurse an, deren Inhalte wir inhaltlich dann auf die Bedürfnisse des Kunden anpassen können.

Welche Bedeutung hat der Instandhaltungssektor bei Ihrer Arbeit?
Der Bereich der Instandhaltung ist bei unserer Arbeit so wichtig, weil die Themen Energieeffizienz und Energiemanagement in Unternehmen häufig der Instandhaltungsabteilung zugeordnet werden. Die Instandhalter warten und pflegen die Anlagen und können entsprechende Projekte in Bezug auf Energieeffizienz und Energiemanagement technisch umsetzen. Wir reden bei der Energieeffizienz auch immer von Gewinn. Denn jeder Euro, den ein Unternehmen nicht für Energie ausgeben muss, ist Gewinn auf dem Konto. Wir haben häufiger Kunden, die mit Energieeffizienz über zehn Jahre den Gewinn von zwei Jahresumsätzen erwirtschaften können. Dabei spielt die Instandhaltung eine große Rolle, da hier proaktiv viel getan werden kann. Ich kann Instandhaltern nur empfehlen, sich die Best-Practice-Werte für ihre instandzuhaltenden Druckluftanlagen, Pumpen und Ähnliches zu besorgen. Dadurch bekommt der Instandhalter das Wissen für die Energiesparpotenziale, die möglich sind, und eine Entscheidungsgrundlage für eventuelle Maßnahmen und Investitionen.
www.sempact.de

Ausgabe:
IQ 02/2016
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