23. NOVEMBER 2017

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»Instandhaltung kann einen wesentlichen Beitrag zur Ressourceneffizienz leisten.«


Anlagen-/Servicemanagement

Dr. Thomas Heller, Abteilungsleiter Anlagen- und Servicemanagement am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, sprach im Interview mit i-Quadrat über Ersatzteilmanagement, Wissensmanagement, Trends und Industrie 4.0.
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Herr Dr. Heller, am Fraunhofer IML forschen Sie unter anderem zu Instandhaltungslogistik und beraten zudem Unternehmen bei Outsourcing-Projekten. Sehen Sie sich eher als Wissenschaftler oder eher als Dienstleister?

Auch als Forscher sehe ich mich in der Rolle eines Dienstleisters. Genauso wie bei konkreten Beratungsprojekten für Industrieunternehmen steht auch hinter einer Forschungsaufgabe ein Ergebnis, nur eben nicht für ein einzelnes Unternehmen, sondern in Fragen zum Beispiel der Ressourceneffizienz oder der Zukunftssicherheit die Gesellschaft als Ganzes. Für mich ist der Dienstleistungsgedanke auch deshalb so ausgeprägt, weil die Fraunhofer-Institute Forschung nicht im Elfenbeinturm betreiben, sondern für und gemeinsam mit Unternehmen. Gerade auf den Gebieten der Produktion und Instandhaltung sind die Forschungsfragen sehr anwendungsorientiert und können nur im Verbund mit Anwendern gelöst werden.


Aus welchen Industriezweigen kommen die Kunden, die Sie beraten?

Der Schwerpunkt liegt hier klar auf dem produzierenden Gewerbe, wobei es hier weder eine spezifische Branche noch einen Branchenschwerpunkt gibt. Die Automobilindustrie ist hier in gleicher Weise vertreten wie beispielsweise Chemie, Pharma oder Energieversorger. Neben den Anlagenbetreibern sind Instandhaltungs-Dienstleister, zunehmend aber auch Anlagenhersteller unsere Kunden. Insbesondere die Systematik des Total Productive Managements, TPM, ist gegenwärtig für viele Unternehmen interessant und die Einführung selten alleine zu bewältigen.


Wie kommen die Beratungsaufträge zustande?

Die Optimierung von Instandhaltung und Ersatzteilwesen wird von vielen Unternehmen mittlerweile als logistische Aufgabenstellung wahrgenommen. Da das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik mit mehr als 200 Mitarbeitern die größte Logistik-Forschungseinrichtung in Europa ist, treffen viele Unternehmen bei der Suche nach einem geeigneten Partner häufig über eine Internet-Recherche auf unsere Angebote. Dabei ist die Reputation der Fraunhofer Gesellschaft sicherlich von Vorteil. Ebenso führen gemeinsame Projekte mit Kunden in anderen Bereichen der Logistik häufig zu einer Erweiterung in den Instandhaltungsbereich hinein.


Woran forschen Sie und Ihre Mitarbeiter momentan?

Ressourcenknappheit, demographischer Wandel und Globalisierung sind Themen, die auch die Instandhaltung betreffen. Instandhaltung kann einen wesentlichen Beitrag zur Ressourceneffizienz leisten, weil sie hilft, Produktionsanlagen effizient entlang des Lebenszyklus zu betreiben. Hier beschäftigen wir uns damit, Assistenzsysteme zu schaffen, die eine Entscheidungsfindung unterstützen. Zudem: Kaum ein anderes Fachgebiet lebt so sehr von individuellem Wissen wie die Instandhaltung. Dieses Wissen ist mit dem Weggang von Mitarbeitern oft unweigerlich verloren und wächst auf Grund des Fachkräftemangels nicht in gleicher Weise nach. Hier forschen wir an Möglichkeiten, dieses Wissen zu aufwandsarm zu konservieren und verfügbar zu machen. Instandhaltung ist zudem nicht ein isoliertes Thema, nur mit intelligenten Netzwerken aus Betreibern, Herstellern und Dienstleistern lässt sich die heute notwendige hohe Anlagenverfügbarkeit sicherstellen. Wir arbeiten auch daran, solche Netzwerke zu etablieren und zu gestalten.


Industrie 4.0 ist ein aktuelles Schlagwort. Welche Auswirkungen hat diese vierte industrielle Revolution auf die Instandhaltung?

Cloud-Computing, Cyber-Physical Systems und Smart Factories sind Schlagworte, die mit einer ›Intelligenzsteigerung‹ von Produktions- und Logistikanlagen verbunden sind. Mit Themen wie Zustandsüberwachung durch Condition-Monitoring, Netzwerken aus Betreibern, Herstellern und Dienstleistern und mobilen Systemen trägt auch die Instandhaltung ihren Teil dazu bei, dass Produkte sich zukünftig autonom durch die Produktion steuern können. Diese Themen sind zum Teil nicht neu, werden aber zum Beispiel durch Cloud-Computing, neue Sensortechnologien und autonome Steuerungen erstmals einen Einsatz über die Forschung hinaus in die Praxis ermöglichen. Innerhalb unseres Instituts gibt es dafür bereits eine Reihe guter Anschauungsobjekte.


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