24. SEPTEMBER 2016

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Technik

Intersolar. - Insolvenzen, Stellenabbau, EEG-Novelle: Auf der Messe in München herrschte kein Mangel an Gesprächsstoff. Seit Anfang Juli haben Hersteller, Handwerksbetriebe und Endkunden wieder etwas mehr Planungssicherheit. Das neue EEG trat rückwirkend zum 1. April in Kraft. Aber das Geschäft belebt sich nur langsam, berichten Handwerker.
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Wochenlang stritten Bundesregierung und Bundesländer über die geplanten Kürzungen der PV-Einspeisevergütung. Auch auf der Intersolar wartete man gespannt auf die neuen Tarife. Erst unmittelbar vor der parlamentarischen Sommerpause im Juli einigten sich Bund und Länder im Vermittlungsausschuss über die strittigen Punkte der EEG-Novelle. Mehrere Monate lang war unklar, welche Anlagen auch künftig in welcher Höhe mit einer Einspeisevergütung rechnen können und welche nicht.

Die Folge: Viele Solarteure und Elektrofachbetriebe hatten bis April oder Mai sehr viel und danach wenig bis gar nichts zu tun. „Sechs Wochen ging das so, seit Juli belebt sich die Nachfrage allmählich wieder“, sagt Roger Bachstein von Bachstein Solar aus Zwenkau bei Leipzig. Vor allem kleine Anlagen für Einfamilienhäuser seien gefragt, so der Elektromeister. Die Firma hat sich auf die Installation von PV- und Solarthermieanlagen spezialisiert.

2011 installierten Bachsteins Angestellte PV-Anlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 750 kW. „Der Juni war sehr deprimierend“, sagt Bachstein. „Ich habe rund 50 Angebote erstellt. Nicht ein einziges Mal wurde daraus ein Auftrag.“ Inzwischen sei die Durststrecke überstanden, glaubt er. „Die Kunden wollen sich ein Stück weit unabhängig machen von den Strompreisen der Versorger. Zudem suchen sie wegen der Euro-Krise Anlagemöglichkeiten.“ Bachstein ist daher optimistisch, dass die Solartechnik auch in Zukunft eine gute Geschäftsgrundlage sein wird.

Der Bau von Freiflächenanlagen größer 10 MW wird mit Inkrafttreten der EEG-Novelle gar nicht mehr gefördert. Die Einspeisevergütung wurde rückwirkend zum 1. April ersatzlos gestrichen. Seit März war dieser Schritt abzusehen; er hatte teilweise dramatische Folgen für Betriebe, die Teile des Umsatzes mit der Montage von Solarparks erwirtschafteten. „Das PV-Geschäft ist fast völlig eingebrochen“, sagt Hans Rode von der Firma SWI Technik aus Wietze im Landkreis Celle in Niedersachsen. „Wir sind jetzt wieder wie früher im Kühlanlagen-Bau tätig. PV läuft so am Rande mit.“ Im Vorjahr hat das Unternehmen PV-Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 3 MW installiert. In diesem Jahr waren es bis Ende Juli gerade noch 300 kW, so Rode.

Aufträge für weitere 80 kW lagen vor. Nicht genug, um zehn Angestellte auf Dauer zu beschäftigen. Zunächst wurden drei Mitarbeiter freigestellt, zum ersten August folgten zwei weitere, sagt Rode. Eine Wiederbelebung des Solargeschäfts erwartet Rode nicht. „Ich hatte Anfragen für Solarparks mit rund 3 MW, aber die Aufträge sind an Firmen aus Bulgarien oder Rumänien gegangen.“ Mit anderen Worten: Die Unsicherheit im Markt wird aller Voraussicht nach noch einige Zeit anhalten. Experten raten Handwerksbetrieben, zusätzlich zur Lieferung und Montage von PV-Anlagen und Zubehör, verstärkt Serviceleistungen für bestehende PV-Anlagen anzubieten. Anders als das reine Neuinstallationsgeschäft sind solche Angebote weitgehend unabhängig vom aktuellen Marktgeschehen.

So bieten immer mehr Installationsbetriebe zum Beispiel Output-Kontrollmessungen für einzelne PV-Module oder komplette PV-Anlagen an. Ist die Solarstromproduktion des Moduls beziehungsweise der Anlagen unterdurchschnittlich im Vergleich zu der rein rechnerisch zu erwartenden Leistung, kann der Betreiber erwägen, die entsprechenden Anlagenteile auszutauschen.

„Dieser Trend ist eindeutig erkennbar“, sagt Anita Scheidacker vom Ostbayerischen-Technologie-Transfer-Institut (OTTI) in Regensburg. Im Vorjahr bot das Institut erstmals ein Fachforum zum Thema Ertragsgutachten für PV-Anlagen an, so Scheidacker. „Es waren 50 Personen anwesend, das war für den Anfang eine sehr gute Nachfrage.“ Im November ist ein weiterer Kurs geplant.

Andere Betriebe setzen auf Spezialisierung; immer mehr Firmeninhaber erwerben Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel als TÜV-Gutachter beziehungsweise Sachverständiger für PV-Anlagen. So bietet zum Beispiel Conergy in Kooperation mit dem TÜV-Rheinland Schulungen zum TÜV-zertifizierten Bauleiter für PV-Anlagen an. „Wir verzeichnen eine rege Nachfrage“, sagt Conergy-Sprecherin Sonja Schreiner. Man erwarte, dass das Interesse künftig noch weiter steigen werde, so Schreiner. Bislang richtet sich das Angebot aber nur an Fachbetriebe, die Mitglied im Conergy-Partnerprogramm sind.


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Magazin Regenerative Energien 02/2012
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